Europawahl CDU-Plakate ohne Spitzenkandidaten

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Die CDU setzt im Europawahlkampf ganz allein auf die Kanzlerin Angela Merkel. Der gesamteuropäische noch der deutsche Spitzenkandidat tauchen auf den Plakaten hingegen nicht auf.

Die Union setzt auf die Kanzlerin – und ganz normale Menschen. Foto: dpa
Die Union setzt auf die Kanzlerin – und ganz normale Menschen. Foto: dpa

Berlin - Die Strategie der CDU im Europawahlkampf lässt sich mit zwölf Buchstaben umreißen: Angela Merkel. Die Kanzlerin gilt als Erfolgsgarantie. Sie beherrscht die meisten Plakate. In den jetzt anlaufenden Fernsehwerbespots kommt überhaupt nur ein einziger Politiker vor: Merkel. Die eigentlichen Spitzenkandidaten werden ausgeblendet.

Die TV-Reklame ist aber keineswegs eine One-Woman-Show, wie das in vergangenen Wahlkämpfen schon der Fall war. Die Kanzlerin erscheint nur als eine Figur unter gewöhnlichen Leuten. Letztere seien diesmal sogar echt, versichert CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Anders als zum Beispiel in der Kampagne vor der Bundestagswahl mimen keine Schauspieler die Leute, die für die CDU werben sollten.

Wahlreklame mit Migranten

„Von oben sieht Europa aus wie ein großes Feld, alles grün“, so beginnt der Kurzfilm, mit dem die Merkel-Partei auf sich aufmerksam machen will. Angeblich spricht da eine Bäuerin. Später darf sie noch sagen: „Ich bin stolz, denn unsere Milch trinken auch die Holländer.“ Die CDU wirbt auch mit einem Umstand, den sie lange geleugnet hat: mit dem Fakt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Eine Migrantin der dritten Generation („mein Opa kam vor 50 Jahren aus Italien“) darf sich darüber freuen – in lupenreinem Hochdeutsch. „Unsere Kampagne ist klar pro-europäisch“, sagt Generalsekretär Tauber. Die CDU-Reklame solle „Vielfalt und positive Assoziationen“ vermitteln.

Die Vielfalt des eigenen Spitzenpersonals tritt dabei in den Hintergrund. In dem TV-Spot spielt von ihnen niemand eine Rolle: weder der ehemalige Premier von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, den Europas Konservative auf den Schild gehoben haben, noch der abgewählte Ministerpräsident von Niedersachsen, David McAllister, den die CDU zu ihrem deutschen Spitzenkandidaten ernannt hat.

Merkel am 21. Mai in Baden-Württemberg

McAllister darf immerhin mit Merkel auf Tour gehen. Bundesweit sind 18 gemeinsame Termine mit der Bundeskanzlerin vorgesehen. Die Wahlkampftournee beginnt am Dienstag kommender Woche auf dem Lloydplatz in Bremerhaven, unweit McAllisters Heimat. Das Finale ist am Samstag vor dem Wahlsonntag auf dem Schlossplatz in Worms. Zwischendurch wird Merkel mit ihrem Spitzenkandidaten quer durch die Republik reisen. Ihr einziges Gastspiel in Baden-Württemberg ist am Mittwoch, 21. Mai, auf dem Marktplatz in Tauberbischofsheim. Die Kanzlerin tritt in sämtlichen Bundesländern auf, in Nordrhein-Westfalen und Bayern sogar jeweils zweimal – und das, obwohl die CDU in Bayern gar nicht kandidiert und ihre dortige Schwesterpartei über einen eigenen Spitzenkandidaten verfügt. Wie dem auch sei: CSU-Chef Horst Seehofer darf Merkel in seiner Heimatstadt Ingolstadt begrüßen.




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