Europaweiter Drogenhandel Kripo hebt Gruppe von Dealern aus dem Kreis Böblingen aus

Der Polizei ist im Kreis Böblingen ein erfolgreicher Schlag gegen Rauschgifthändler gelungen. Foto: Eibner/Expa/Michael Gruber
Der Polizei ist im Kreis Böblingen ein erfolgreicher Schlag gegen Rauschgifthändler gelungen. Foto: Eibner/Expa/Michael Gruber

Die Kriminalpolizei nimmt in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg europaweit agierende Rauschgifthändler fest. Ein aus Montenegro stammender 42-Jähriger soll mit weiteren Komplizen nicht nur große Mengen an Marihuana, Haschisch und Kokain nach Deutschland geschmuggelt haben.

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Kreis Böblingen - Einem Ermittlerteam ist im Kreis Böblingen offenbar ein Schlag gegen europaweit tätige Rauschgifthändler gelungen. Die Polizei berichtet von zwei groß angelegten Durchsuchungs-und Festnahmeaktionen nach mehrmonatigen Ermittlungen des Rauschgiftdezernats der Kriminalpolizeidirektion Böblingen und der Abteilung für Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Bereits am 12. und 18. November ist dabei laut Polizeibericht eine Gruppe von Rauschgifthändlern um einen 42-jährigen Montenegriner aus dem Kreis Böblingen verhaftet worden.

Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mit großen Mengen an Marihuana, Haschisch und Kokain gehandelt zu haben. Die Drogen sollen vornehmlich aus den Niederlanden, Montenegro, Slowenien und Spanien nach Deutschland geschmuggelt worden sein. Bei den beiden Aktionen wurden der mutmaßliche Organisator und sieben weitere Tatverdächtige festgenommen, berichtet die Polizei. Die mutmaßlichen Drogenhändler befinden sich seither in Haft.

Ermittlungen begannen bereits im April

Wie die Polizei berichtet, hatten sich bereits im April die Hinweise für die Ermittler durch die Festnahme eines mutmaßlichen Kuriers verdichtet. Dieser wurde mit einem Pkw, den wohl die Tatverdächtigen für ihn organisiert hatten, an der österreichischen Grenze kontrolliert. In dem für die Transaktionen präparierten Fahrzeug entdeckten die Beamten ein professionelles Schmuggelversteck, in dem sie neben rund 80 000 Euro eine scharfe Schusswaffe und mehrere abhörsichere Mobiltelefone sicherstellten.

Der 42-jährige Montenegriner soll die Rauschgiftlieferungen organisiert und den Zahlungsverkehr abgewickelt haben. Weiterverkauft wurden die Drogen nach Polizeiangaben über die Werkstatt eines 34-jährigen Kroaten im Kreis Böblingen sowie über einen 23-jährigen Deutschen und einen 36-jährigen Italiener aus dem Kreis Ludwigsburg. Wo genau sich die Werkstatt befindet, sagt die Polizei nicht. Eine Polizeisprecherin verwies auf Nachfrage auf das laufende Ermittlungsverfahren.

Fahnder stellen kiloweise Drogen und tausende Euro Bargeld sicher

Nachdem die Rauschgiftfahnder Kenntnis von einer anstehenden Lieferung erhalten hatten, schlugen sie am 12. November in der Werkstatt des 34-Jährigen zu. Zur Unterstützung war ein Mobiles Einsatzkommando an der Aktion beteiligt. Auf bewaffneten Widerstand seien die Beamten bei dem Einsatz allerdings nicht gestoßen.

Neben dem Werkstattbetreiber nahmen die Fahnder zwei seiner Mitarbeiter und zwei Drogenkuriere fest. Die Beamten stellten 35 Kilo Marihuana, zehn Kilo Haschisch sowie 800 Gramm Kokain und 2500 Euro Bargeld sicher. In der Wohnung des 34-Jährigen fanden die Ermittler weitere 20 000 Euro.

Im Zusammenhang mit dieser Aktion nahm die Polizei auch den 42-jährigen Montenegriner fest. Bei der Durchsuchung der Wohnung stellten die Ermittler 66 000 Euro sicher – mutmaßlich Drogengeld. Außerdem fanden sie hochwertige Uhren und Schmuck.

Verhaftungen auch im Kreis Ludwigsburg

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurden die sechs festgenommenen Männer am Folgetag einem Haftrichter vorgeführt, der die beantragten Haftbefehle in Vollzug setzte und sie in Justizvollzugsanstalten einwies. Am 18. November durchsuchten die Ermittler auf richterlichen Beschluss die Wohnungen der beiden mutmaßlichen Verkäufer aus dem Kreis Ludwigsburg und dreier weiterer Tatverdächtiger. Neben insgesamt 48 000 Euro stellten sie dabei bei dem 36-Jährigen einen Sportwagen im sechsstelligen Wert und eine nicht geringe Menge Testosteron sicher. Offenbar handelten die Tatverdächtigen also auch mit Doping-Mitteln – ein ebenso illegales wie lukratives Geschäft. Die beiden mutmaßlichen Verkäufer befinden sich seither ebenfalls in Haft. Wie die Ermittler darüber hinaus herausfanden, handelten die Tatverdächtigen offenbar nicht nur mit Drogen und Anabolika, sondern haben sich mit dem Handel gefälschter Impfdokumente eine weitere illegale Einnahmequelle erschlossen.

Handel mit gefälschten Impfdokumenten

Yvonne Schächtele überrascht das nicht. „Gefälschte Impfausweise sind derzeit ein sehr einträgliches Geschäft“, sagt die Pressesprecherin vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. „Und wenn sich jemand auf dem kriminellen Parkett bewegt, dann nutzt er auch andere Quellen“, erklärt sie. „Ein toller Erfolg unserer engagierten Ermittlerinnen und Ermittler, die über mehrere Monate hinweg die Liefer- und Verteilwege der überregional aktiven Bande nachvollzogen haben“, lobt Polizeidirektorin Silke Kübler, die neue Leiterin der Kriminalpolizeidirektion Böblingen, die erfolgreiche Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Tatsächlich handelt es sich hier um einen Fahndungserfolg in einer selten erreichten Dimension, wie Polizeisprecherin Yvonne Schächtele bestätigt. Zwar macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben über den Wert der sichergestellten Drogen. „Aber diese Mengen sind schon herausragend“, sagt Schächtele. Hinzu komme die internationale Tragweite des Falls, der Verbindungen vom Balkan bis nach Spanien aufweist. Offen sei zum jetzigen Zeitpunkt, ob sich aus der Festnahme der Gruppe um den Montenegriner womöglich noch weitere Verhaftungen ergeben könnten.




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