Eurovision Song Contest 2021 Nur einer kann den ESC gewinnen

Hartelijk Welkom in der Ahoj-Arena Rotterdam zum ESC 2021! Foto: dpa/Heikki Saukkomaa
Hartelijk Welkom in der Ahoj-Arena Rotterdam zum ESC 2021! Foto: dpa/Heikki Saukkomaa

An diesem Samstag startet in Rotterdam das große ESC-Finale 2021. Wer wird teilnehmen? Wer hat die größten Chancen auf Platz 1? Was sind die größten Flops? Wir stellen alle 26 Kandidaten vor und geben unsern Senf dazu.

Kultur: Tim Schleider (schl)
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Rotterdam - An diesem Samstag ist es so weit: Auf der Bühne der Ahoy-Arena in Rotterdam streiten 26 Titel aus 26 Ländern um den 1. Platz im Eurovision Song Contest 2021. Nach einem Jahr Coronapause feiert ein Millionenpublikum von Kanada über Europa bis Australien endlich wieder ESC-Party. Große Show, guter Pop, schrille Kostüme, tiefe Abgründe – und im Saal dürfen 3500 Fans live mitfeiern. Aber wer kann zum Schluss der Sieger sein? Wir stellen alle 26 Kandidaten vor – und geben unsere Tipps zum Besten. Showbeginn: 21 Uhr, ARD.

Startnummer 1: Zypern

Elena Tsagrinou erntete mit ihrem Titel „El diablo“ in der Heimat wütende Kritik frommer Kreise, die in ihrem Auftritt die Verherrlichung des Satans wähnten. In Wirklichkeit gibt es zum ESC-Start einen wilden Stilmix aus vielen Schubladen, der wohl in die Beine gehen soll, aber nach kurzer Zeit eher nervt. Belanglos

2: Albanien

Anxhela Peristeri singt in der Landessprache „Karma“, und dabei raucht und wabert es aus allen Ecken. Auch hier werden die Stile wieder wild gemischt; mit starker, aber auch etwas greller Stimme beginnt der Song als pathetische Ode, um dann zu landesüblichen Folkloreelementen zu wechseln. Kreischklasse

3: Israel

Etwas konventionell ist der Uptempo-Titel „Set Me Free“ schon, aber die Sängerin Eden Alene ist eine zarte und sympathische Erscheinung mit äußerst origineller Haartracht. Und in den letzten 15 Sekunden singt sie derart hohe Töne und lächelt dabei so nett in die Kamera, dass man seine Freude hat. Sympatisch

4: Belgien

Jetzt aber: endlich nur Musik! Hooverphonic ist eine international erfolgreiche Popband aus Belgien, Geike Arnaert ihre charismatische Sängerin. Gemeinsam steht man auf der Bühne und gibt „The wrong Place“ zum Besten, einen groovigen, coolen, eher melancholischen Song. Eine Wohltat! Top Ten

5: Russland

Was genau Manizha da bei „Russian Woman“ rappt, verstehen wir Nichtrussen nicht. Aber die Videoleinwand zeigt klar, worum es geht: um den Kampf für mehr Gleichberechtigung auch in Putins Reich. Manizha ist eine engagierte Aktivistin in ihrem Land und Objekt heftiger politischer Angriffe. Sehr sympathisch

6: Malta

Die Sängerin Destiny hat eine sehr eindrucksvolle Stimme. Ihr Song „Je me casse“ beginnt als starke Soul- und Gospelnummer und weckt schönste Erwartungen, kippt dann aber im Refrain leider um in einen musikalischen Kindergeburtstag, der wie eine schlechte Kopie von Netta, der ESC-Siegerin 2018 wirkt. Verspielt

7: Portugal

Schön, dass es Pedro Tatanka mit seiner Band The Black Mamba und dem Song „Love is on my Side“ ins Finale geschafft hat. Aus Lissabon kommt wieder etwas ganz eigenes: eine helle (!) Soulstimme singt einen feinen, melodischen Popsong, einfach schön, innig, sentimental, nostalgisch. Sieger der Herzen

8: Serbien

Man weiß nicht genau, wie es das Trio Hurricane auf die Bühne geschafft hat; vermutlich haben ihre langen Haare den Ausschlag gegeben, damit die Windmaschine ordentlich was zu tun hat. Der Titel „Loco Loco“ hat nur ein musikalisches Ziel: das Publikum in stampfende Raserei zu versetzen. Die Lady-Kracher

9: Großbritannien

Ja, sag mal! Die Briten können doch anständigen Pop zum ESC schicken! Der Song „Embers“ von James Newman ist richtig schicker Party-Upbeat mit starker Bläsernote, bei dem die Beine des Zuhörers ins Wippen geraten. Der Text preist das gemeinsame Feiern und wie sehr wir es in Corona-Zeiten vermissen. Top Ten

10: Griechenland

Das beste am griechischen Beitrag in diesem Jahr ist, dass er mal nicht so griechisch klingt: Stefania steigert ihren „Last Dance“ bis zur flotten, schnellen Tanznummer, bei der man auch vor dem zehnten Ouzo gern mitmachen würde. Nur die Videoinszenierung lässt ein wenig ratlos zurück. Nett

11: Schweiz

Ja, das ist schon etwas eigen, das feine, filigrane, musikalisch sehr anspruchsvolle Chanson des jungen Mannes Gjon’s Tears. Aber wer sich einlässt auf den Titel „Tout l’univers“, wird mit einer grandiosen Stimme und hoch dramatischen drei Minuten belohnt – und einem Gänsehautmoment zum Schluss. Geheimfavorit

12: Island

Dass die jungen Musiker von Dadi & Gagnamagnid nach einem positiven Coronatest nicht live auf die Bühne dürfen, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Ihr Titel „10 Years“ bleibt ein großer Netz-Hit und ist auch in der Videofassung cool, smart, witzig, sympathisch, lässig; kurzum: grandios. Favorit

13: Spanien

So, jetzt wird es aber endlich Zeit für eine klassische Ballade: Blas Cantó wollte schon immer mal sein Land beim ESC vertreten und liefert das große dramatische Stück über eine unendliche, trotzdem verlorene Liebe. Es geht langsam los und wird dann immer größer und größer. Und dann ist es vorbei. Nett II

14: Moldau

Es muss wohl jüngst auf den Flohmärkten von Chisinau eine Ladung alter Madonna-Alben eingetroffen sein. Natalia Gordienko jedenfalls sieht sich mit „Sugar“ in der Nachfolge der Meisterin, und nicht nur einige Rhythmen, sondern auch die Tänzer-Posen sind geklaut von „Vogue“. Don’t do such nasty things! Überholt

15: Deutschland

Jendrik aus Hamburg muss auf alles setzen: Sein Titel „I don’t feel Hate“ ist musikalisch sicher nicht Grammy-reif. Aber der Typ ist ursympathisch und auf der Bühne daheim. Wenn es ihm wie einst Lena gelingt, die ESC-Welt in drei Minuten zu bezaubern, dann hat er eine Chance. Sonst nicht. Auf der Kippe

16: Finnland

Die skandinavischen Nachbarn wollen immer nett sein, Finnen dagegen sind ehrlich. Deswegen stellt sich Blind Channel auf die Bühne und brüllt, röhrt und stampft sich den Corona-Frust von der Seele. Der Titel „Dark Side“ ist wüstes Heavy Metal, hat aber auch Melodie – schön, es im Finale zu sehen. Überraschung?

17: Bulgarien

Das Land fällt im ESC schon seit einigen Jahren durch anspruchsvolle Popnummern auf. Victoria setzt nun mit „Growing up is getting old“ diese Tradition fort. Die Sängerin hat eine warme Stimme und singt berührend vom Verlust der sorglosen Kindheit. Gewidmet ist der Song ihrem schwer kranken Vater. Top Ten

18: Litauen

Man weiß bei The Roop immer gar nicht, worauf man mehr achten soll: auf den coolen Song oder die witzige Choreografie. „Discotheque“ erzählt davon, wie es aussieht, wenn man in Coronazeiten nicht mehr im Club, sondern nur noch allein zu Hause tanzen kann. Und so sieht’s auch aus. Vizesieger der Herzen

19: Ukraine

Noch so ein Land, das eigentlich jedes Jahr ESC-Qualität liefert: „Shum“ von Go_A verbindet Folkloregesang mit Elektrobeats. Klingt vielleicht blöd und beginnt auch etwas bieder, nimmt dann aber Fahrt auf und bekommt Drive und Wumms – holla, die Waldfee! Ein Erlebnis: Sängerin Kateryna Pawlenko. Top Ten

20: Frankreich

Richtig erfolgreich sind die Franzosen beim ESC über die Jahre nicht, dabei haben sie schon viel versucht. Nun heißt es Retour aux sources: Barbara Pravi ist eine bezaubernde Chansonsängerin ganz in der Tradition eines Jacques Brel, und so wirbelt zum Schluss auch ihr „Voilà“ über die Bühne. Superb! Top Ten

21: Aserbeidschan

Mit welchen finsteren Tricks schaffen es die Mächte von Baku, jedes Jahr wieder ihre ESC-Beiträge ins Finale zu hieven? Efendi und ihr Straps-und-Mieder-Humpta-Humpta namens „Mata Hari“ ist so nervig wie ein Virus auf der Festplatte. Ach ja, viel Licht und Glitzer und so. Ober-Kreischklasse

22: Norwegen

Auf Oslo ist fast immer Verlass, so auch diesmal: Der Sänger TIX kommt in seinen Engelsklamotten aber etwas strange daher, und auch die schwarzen Teufel müssten nicht sein. Denn das lenkt alles nur ab von einem schönen, warmen, melancholischen Popsong: „Fallen Angel“ (ach, deswegen das Kostüm . . .) Top Ten

23: Niederlande

Normalerweise wollen ESC-Gastgeber nicht schon wieder gewinnen; viel zu teuer, der ganze Spaß. Aber Jeangu Macrooy tut alles, um doch aufs Treppchen zu kommen: „Birth of a new Age“ ist schwungvoller, eingängiger Pop mit einer derzeit zentralen gesellschaftlichen Botschaft: Stop Racism! Top Ten

24: Italien

Die italienischen Titel sind deswegen fast immer ESC-Tops, weil sie als Gewinner des renommierten Popfestivals von San Remo kommen. Für unsere Ohren ist die Hardrock-Nummer „Zitti e buoni“ etwas gleichförmig und melodielos. Aber Maneskin ist in der Szene bekannt und beliebt. Sieger der Wettbüros

25: Schweden

Kein ESC-Jahr ohne Elch-starke Schweden; das Land hat einfach eine der besten Popszenen der Welt. Nun ist „Voices“ von Tusse noch nicht mal der stärkste Beitrag in dieser Reihe. Aber auch der ist eben temporeich, eingängig, tanzbar, sympathisch – und man fragt sich wieder: WIE machen die das??? Top Ten

26: San Marino

Ja, es ist wirklich schön, dass es der Zwergstaat mitten in Italien mit seinen eingekauften Komponisten, Textern und Sängern ins Finale geschafft hat. Im Anschluss daran müssen wir die Stampfnummer „Adrenalina“, zu der im zweiten Teil noch überflüssig gerappt wird, aber wirklich nie wieder hören. Der Rausschmeißer




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