Der ehemalige Konzernchef des Autobauers soll einen Topposten bei einem Unternehmen haben, das Geld für Börsengänge einsammelt.

STUTTGART - Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche (68) hat offenbar eine neue Aufgabe gefunden. Das berichtet „Automotive News Europe“, ein Schwestermagazin der „Automobilwoche“. Der Manager soll demnach künftig als stellvertretender Vorsitzender den SPAC Kensington Capital Acquisition Corp IV der gleichnamigen Investmentfirma Kensington Capital leiten. Unter einem SPAC (Special Purpose Acquisition Company, auf deutsch: Erwerbsgesellschaft für besondere Zwecke) versteht man ein „leeres Mantelunternehmen“, das dazu dient, bei einem Börsengang Geld einzusammeln. Mit diesem Kapital kann die Erwerbsgesellschaft dann ein noch nicht an der Börse gelistetes Unternehmen aufkaufen.

Zetsche lenkte 13 Jahre die Geschicke des Autobauers

Nach Angaben des Magazins kündigte der SPAC Kensington Capital Acquisition Corp IV an, bei einem Börsengang an der New Yorker Börse 200 Millionen Dollar (176 Millionen Euro) einsammeln zu wollen. Damit solle dann ein Unternehmen aus dem Automotive-Bereich übernommen werden.

Für dieses Unterfangen hat das Unternehmen nun offenbar Dieter Zetsche – und damit einen einstigen Automanager mit langjähriger Erfahrung gewonnen: Er war von 2006 an Vorstandschef bei Daimler und lenkte die Geschicke des Konzerns 13 Jahre lang.

In seiner Ära hat er die „Hochzeit im Himmel“ mit Chrysler aufgelöst, das desaströse China-Geschäft auf Erfolg gebürstet, die Modellpalette ausgeweitet und den Konzern in drei rechtlich selbstständige Unternehmen aufgespalten. Nicht zuletzt fiel in diese Zeit auch der Abgasskandal. Zetsche schloss etliche große Baustellen ab und hinterließ seinem Nachfolger Ola Källenius bei Amtsantritt im Mai 2019 aber auch einige neue.

Zetsche hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen

Nach seinem Ausscheiden als Konzernchef plante Dieter Zetsche nach zwei Jahren Abklingphase im Frühjahr 2021 als Aufsichtsratschef wieder zu dem Stuttgarter Autobauer zurückzukehren. Er schmiss ein halbes Jahr vorher jedoch frustriert hin, weil ihm Investoren vorgeworfen hatten, dass er bei dem Stuttgarter Konzern die Weichen zu spät für die Elektromobilität gestellt habe.

Langweile dürfte bei Zetsche, der sich nach seinem Abschied weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, jedoch nicht aufgekommen sein. Er leitet den Aufsichtsrat beim Reisekonzern Tui, was in Pandemiezeiten anspruchsvoll sein dürfte.

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