Existenzangst in der Corona-Krise Yogalehrerin schreibt an Kultusministerin

Von Caroline Holowiecki 

Die Inhaberin eines Yogastudios in Filderstadt hat Existenzangst. Die Corona-Auflagen seien zu streng. Jetzt hat sie gehandelt und einen Brief an die Kultusministerin geschrieben.

Sofia Rapti betreibt ihr Studio Yogabreak seit etwas mehr als vier Jahren. Foto: Holowiecki
Sofia Rapti betreibt ihr Studio Yogabreak seit etwas mehr als vier Jahren. Foto: Holowiecki

Bonlanden - Pfeile, Punkte, Streifen. Der Fußboden im Studio Yogabreak in Bonlanden ist über und über mit Symbolen beklebt. Die Markierungen zeigen den Trainierenden an, wie sie ihre Yogamatten auszurichten haben, und Sofia Rapti, die Inhaberin, achtet darauf, dass nichts verrutscht. Nach der aktuell geltenden Corona-Verordnung des Landes müssen Übungen auf persönlichen Matten so gestaltet sein, dass jeder Person mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Für Sofia Rapti heißt das nicht nur, dass sie aufpassen muss wie ein Luchs. Die Regelung bringe sie finanziell in Bedrängnis. Seit sie die Vorgaben des Landes erfüllt, passen maximal fünf Personen in ihren Trainingsraum, und das auch nur, weil sie einen Schrank weggeschoben hat. Eigentlich sei der Saal für 14 Teilnehmer ausgerichtet, sogar 20 passten rein. Fünf zahlende Kunden, das reiche jedoch hinten und vorne nicht. „Ich schaffe es nicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich lebe vom Ersparten“, stellt Sofia Rapti klar. Sie spricht von einer wirtschaftlichen Katastrophe. Und das Schlimmste sei: Sie wisse nicht, wie lang die Situation noch so bleibe. „Ich fühle mich wie ein Schiffbrüchiger, dem man ein Schlauchboot und einen Löffel hingeworfen hat, und ich habe noch den ganzen Atlantik vor mir.“

In anderen Ländern gelten andere Regeln, sagt sie

Die 39-Jährige hat einen offenen Brief an die Kultusministerin Susanne Eisenmann geschrieben, deren Ministerium die Sportstättenverordnung gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium erlassen hat. Darin weist sie darauf hin, dass in anderen Bundesländern für Yogastudios lediglich eine Abstandsregelung von 1,50 Metern gelte. Zudem kritisiert sie, dass Studios wie ihres mit Sportveranstaltungen oder Fitnessangeboten gleichgesetzt würden. Vielmehr gehörten sie zu den privaten Bildungseinrichtungen im Sinne der Erwachsenenbildung. „Ich fordere Sie auf, ihre Verordnung sofort zu prüfen und den Yoga-Akademien und Yogastudios des Landes eine Abstandsregel von 1,50 Metern einzuräumen“, schreibt sie.

Sofia Rapti hat es sich ausgerechnet: Durch eine veränderte Abstandsregelung käme sie auf drei Yogis mehr pro Trainingseinheit. „Diese drei Schüler mehr pro Kurs machen wirklich was aus.“ Dabei seien gerade jetzt, nach der langen Zeit daheim, etliche Menschen heiß auf Bewegung und Ablenkung, „viele sind in einer trüben Stimmung“. Selbst potenzielle Neukunden hätten sich gemeldet. „Ich bin jetzt schon am Vertrösten.“

Das Land lockere dort, wo es möglich sei

Ihren offenen Brief hat die Yogalehrerin bei Facebook geteilt und Zuspruch geerntet. Eine Antwort aus dem Kultusministerium kam noch nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung bekräftigt ein Sprecher, dass die Regelung Bestand hat: „Um einen ausreichenden Infektionsschutz zu gewährleisten, sind nach derzeitiger Einschätzung der Gesundheitsbehörden in geschlossenen Räumen zehn Quadratmeter Platz zur Durchführung von Trainingsformen wie zum Beispiel Yoga sowie ein genereller Abstand von mindestens 1,5 Metern notwendig.“ Das Land lockere die Einschränkungen dort, wo es möglich sei, dabei müsse jedoch jeweils das Risiko, eine neue Dynamik in das Pandemiegeschehen zu bringen, berücksichtigt werden. Regionale Ausbrüche zeigten, dass die Corona-Gefahr nicht gebannt sei.

Sofia Rapti hofft weiter, dass sich alsbald etwas tut. Es geht um ihre Existenz. Die Soforthilfen, die sie im April erhalten habe, seien ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Ich habe es geschafft, mir über zehn Jahre etwas aufzubauen. Das könnte in zwei, drei Monaten zerstört werden.“




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