Explosion in Beirut Zeugen berichten: „Das war wie eine Atomexplosion“

Von red/dpa 

In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es am Dienstag zu einer heftigen Explosion gekommen. Der örtliche Gesundheitsminister sprach von weit über 2000 Verletzten und Dutzenden Toten.

Dramatische Bilder aus Beirut. Foto: AFP/STR 15 Bilder
Dramatische Bilder aus Beirut. Foto: AFP/STR

Beirut - Bei einer gewaltigen Explosion in Beirut sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministers Hassan Hamad mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 2700 verletzt worden. Die Explosion war noch im 200 Kilometer entfernten Zypern zu hören und zu spüren. Weite Teile des Hafens wurden dem Erdboden gleich gemacht. Die Explosionsursache war zunächst nicht bekannt.

Der Leiter des libanesischen Geheimdienstes Generaldirektion Sicherheit, Abbas Ibrahim, sagte, die Explosion sei möglicherweise von hochexplosivem Material ausgelöst worden, das vor einiger Zeit auf einem Schiff konfisziert und im Hafen gelagert worden sei. Der örtliche Fernsehsender LBC berichtete, dabei habe es sich um Natriumnitrat gehandelt.

Augenzeugen berichteten von einer merkwürdigen orangefarbenen Wolke über dem Explosionsort. Orangefarbene Wolken aus giftigem Stickstoffdioxid sind häufig Begleiter von Explosionen, an denen Nitrate beteiligt sind.

Nach einer ersten Explosion kam es offenbar zu mindestens einer weiteren. Auf Videoaufnahmen von Anwohnern war ein riesiges Feuer im Hafen zu sehen, das viel Rauch in die Luft steigen ließ. Es kam zu Lichtblitzen, die mutmaßlich von Feuerwerkskörpern stammten. Lokale Fernsehsender berichteten, die Explosion habe sich im Hafen in einem Bereich ereignet, in dem Feuerwerkskörper gelagert wurden. Das Flammen schienen sich dann auf ein Gebäude nebenan auszubreiten, was eine noch größere Explosion auslöste. Nach der Detonation, die die Stadt erschütterte, stieg eine pilzförmige Rauchwolke auf.

Von umherfliegendem Glas und Trümmern verletzt

„Das war wie eine Atomexplosion“, sagte Walid Abdo, ein 43 Jahre alter Lehrer aus der Nähe von Beirut. Der im Hafen arbeitende Charbel Hadsch berichtete, zuerst habe es kleine Explosionen wie Feuerwerk gegeben, dann sei es zu einer riesigen Detonation gekommen, bei der er weggeschleudert worden sei. Seine Kleidung war zerrissen. Andere Augenzeugen erzählten von vielen Menschen, die von umherfliegendem Glas und Trümmern verletzt worden seien. Ein Mitarbeiter des Zivilschutzes sagte, es lägen noch Leichen im Hafen, viele unter Trümmern.

Der Gouverneur von Beirut, Marwan Abbud, brach bei einem Besuch am Explosionsort in Tränen aus. „Beirut ist eine verwüstete Stadt“, sagte er.

Auch wenn sich die Explosionen offenbar im Hafen ereigneten, richteten sie noch in mehreren Kilometern Entfernung Zerstörungen an, so wurden etwa Balkone abgerissen. Auch mehrere Krankenhäuser der Stadt wurden beschädigt. Die Rum-Klinik musste deshalb Patienten verlegen und bat die Bevölkerung um Generatoren für eine stabile Stromversorgung. Vor dem Krankenhaus der Universität St. Georg wurden Dutzende Menschen im Freien versorgt. Das Krankenhaus war von der Explosion im Inneren stark beschädigt worden, der Strom fiel aus.

Krankenhäuser in Beirut überfüllt

Sämtliche Krankenhäuser in Beirut waren überfüllt; Verletzte wurden auch in Kliniken außerhalb der Stadt gebracht. Die Bevölkerung wurde zu Blutspenden aufgerufen. Hubschrauber des Heeres halfen bei der Bekämpfung der Flammen im Hafen, Einsatzkräfte aus dem gesamten Land eilten nach Beirut. Von arabischen und anderen befreundeten Staaten seien Hilfsangebote eingetroffen, sagte Minister Hamad.

In einer Straße war eine Frau mit blutüberströmtem Gesicht zu sehen, sie sah verstört aus. Zwei Freunde leiteten sie durch den Verkehr. „Dieses Land ist verflucht“, sagte ein vorbeigehender junger Mann.

Der Libanon steckt in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise, die von der Corona-Pandemie verschärft wurde. Sie ist die größte Gefahr für die Sicherheitslage im Land seit Ende des Bürgerkriegs 1990. Zudem kam es zuletzt an der Südgrenze des Landes zu wachsenden Spannungen zwischen der militanten Hisbollah-Miliz und Israel. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte, sein Land habe nichts mit der Detonation zu tun.




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