Färöer-Idol Knudsen „Die Mütze habe ich stets im Auto“

Der Torwart, der die Österreicher blamiert hat: Jens Martin Knudsen. Foto: dpa
Der Torwart, der die Österreicher blamiert hat: Jens Martin Knudsen. Foto: dpa

Stuttgart - Jens Martin Knudsen hat einen höheren Legendenstatus als Sepp Maier und Oliver Kahn zusammen – jedenfalls auf den Färöern. Der 45-jährige ehemalige Nationaltorhüter wurde 1990 beim sensationellen 1:0-Sieg gegen Österreich zum Helden. Weil er jeden Ball parierte, und weil er mit einer weißen Bommelmütze spielte. Knudsen, der von 1988 bis 2006 für die Nationalelf der Färöer spielte, war außerdem bei den zwei bisherigen Partien gegen Deutschland (2002 und 2003) involviert, wenn auch nur auf der Ersatzbank.

Mittlerweile betreut er die Landesauswahl als Torwarttrainer. Im Brustringer-Interview spricht er über seine Erinnerungen an die Duelle mit Deutschland, seine Bommelmütze – und warum er am Freitagabend in Hannover zum ersten Mal seit 1988 nicht bei der Nationalmannschaft sein kann.


Herr Knudsen, Sie sind der bekannteste Fußballer der Färöer. Ändert sich das am Freitagabend?

Hoffentlich. Es wäre schön, wenn wir auf den Färöern dann ein paar neue Fußball-Helden hätten. Aber es ist einfacher ein europäisches Mittelklasse-Team wie die Österreicher 1990 zu besiegen, als ein europäisches Topteam wie die Deutschen.

Sie schätzen die Chancen der Färöer in Hannover also nicht so hoch ein?
Es wird schon sehr hart. Wir haben sehr viele junge Spieler. Das ist auf jeden Fall ein richtig schwerer Start für ein so kleines Land wie uns. In Hannover werden die Deutschen wohl nicht so große Probleme haben gegen uns, aber dann im Rückspiel wird es für sie sehr hart.

In den zwei bisherigen Spielen gegen Deutschland haben Sie mit den Färöern stets gut abgeschnitten.
Wir waren so stolz. Vor allem nach der knappen 0:2-Niederlage zu Hause 2003.

Woran erinnern Sie sich besonders bei dieser Partie?
Die Nacht davor war es sehr windig und es hat stark geregnet. Und dann während des Spiels konnte man richtig sehen: Wir hatten wirklich die Chance, ein 0:0 zu schaffen. Wir haben 85 Minuten lang super gespielt, dann war unser großer Innenverteidiger angeschlagen – und gegen den kleinen hat Miroslav Klose dann kurz danach das Tor gemacht.

Und dann traf auch noch Fredi Bobic zum 2:0.
Ja, der Bobic war gut. Aber wir konnten zeigen, dass man mit Einsatz, Courage und Willen auch viel erreichen. Und jetzt sind wir noch besser als 2002 und 2003, wir haben nun mehr Routine.

Bei den Deutschen hat sich allerdings auch viel verändert.
Oh ja, sie spielen jetzt auf jeden Fall anders. Sie sind zwar immer noch so diszipliniert wie früher, aber nun haben sie vor allem ihre Offensive aufgepeppt. Da haben sie eine neue Philosophie – und gehen damit auch voran.

Wie oft mussten Sie eigentlich schon die Geschichte vom 1:0-Sieg gegen Österreich erzählen?
Immer wieder. Es ist ja auch eine besondere Geschichte, die zeigt, wie hart es jemanden treffen kann, wenn man etwas zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. Diesen Fehler werden die Österreicher nicht noch mal begehen – man muss sich eben vorbereiten! Vor zwei Wochen habe ich auch ein Buch über den Sieg veröffentlicht, das noch einmal besondere Blicke hinter die Kulissen dieses Spiels bietet. Ich werde es auch auf Deutsch herausbringen, besonders in Österreich gibt es dafür schon viele Anfragen.

Tragen Sie Ihre Mütze auch noch als Torwarttrainer?
Nein, aber ich habe sie immer mit im Auto dabei. Schließlich kann es ja immer mal sein, dass ein Tourist eine Aufnahme mit mir machen will. Und wer den weiten Weg zu uns auf sich genommen hat, der hat ein Foto verdient.

Was tun Sie, wenn Sie nicht Torwarttrainer sind?

Ich habe zwei Fischfabriken mit 130 Angestellten. Und weil ich mich darum kümmern muss, werde ich leider nicht in Hannover dabei sein. Es ist das erste Länderspiel der Färöer seit 1988, bei dem ich nicht entweder als Spieler oder Trainer involviert bin. Ich werde es mir also zu Hause im Fernsehen angucken. Aber beim Rückspiel im nächsten Jahr bin ich sicher wieder dabei.