Fahrrad-Parkhaus in Fellbach Radturm ist zum Jahresende nutzbar

Durchaus ein Hingucker: der 16 Meter hohe Radturm am Bahnhof. Foto: Patricia Sigerist
Durchaus ein Hingucker: der 16 Meter hohe Radturm am Bahnhof. Foto: Patricia Sigerist

Ausgiebige Testphase soll garantieren, dass die vier Paternoster mit jeweils 19 Gondeln einwandfrei funktionieren. Bis das Bauwerk seine Aufgabe tatsächlich erfüllen kann, dürfte allerdings noch ein weiteres knappes halbes Jahr vergehen.

Fellbach - Der Turm beim Fellbacher Bahnhof, mit seinen 16 Metern Höhe weithin sichtbar, steht bereits seit rund fünf Monaten – das stählerne Skelett wurde Ende Januar zusammenmontiert. Bis das Bauwerk seine Aufgabe tatsächlich erfüllen kann, dürfte allerdings noch ein weiteres knappes halbes Jahr vergehen.

Es ist eine Besonderheit, ein Unikum, ja ein Unikat

Dies verkündete jetzt Baubürgermeisterin Beatrice Soltys bei einem Vorort-Termin, als sie gemeinsam mit den Konstrukteuren den Baufortschritt des neuen Radparkhauses vorstellte.

Und ums mit Blick auf die gerne zitierte Außenwirkung mal klar zu sagen: Fellbach hat mit dem künftigen Rad-Hochhaus an der Ecke Eisenbahnstraße/Fellbacher Straße ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Es ist eine Besonderheit, ein Unikum, ja ein Unikat. Denn vermutlich weltweit gibt es kein zweites derartiges Bauobjekt – jedenfalls nicht in dieser Dimension. Allerdings hat die Firma Koch & Partner Bike Parking Systems AG, die das Radhaus entworfen hat und baut, vor ihrer Zentrale in der Schweiz tatsächlich „einen identischen Turm“ aufgestellt, wie Geschäftsführer Toni Suter erläutert – jedoch läuft dieses Probemodul nur mit sechs Boxen statt mit insgesamt 76 wie in Fellbach.

Koch & Partner bezeichnet sich in seinem Internetauftritt als „ein Unternehmen, welches sich der Innovation von Parkinglösungen für Fahrräder/Velos verschrieben hat“. In den vergangenen Monaten gab es somit einen gewissen Pendelverkehr zwischen dem Firmensitz in dem 2200-Einwohner-Flecken Auw im Bezirk Muri im Kanton Aargau und dem vordersten Remstal.

Es gibt vier Aufzügen zu je 19 Radboxen

Die hiesige städtische Projektleiterin Gabriele Schomakers und die hiesige Rad-Mobilitätsbeauftragte Birgit Orner waren zur Begutachtung schon dort, Suter und seine ausführenden Kollegen reisten häufig nach Fellbach. Allerdings „hat uns Corona ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt Soltys. Die Arbeiter aus der Schweiz konnten zeitweise nicht einreisen, weshalb Verzögerungen unvermeidlich waren. Doch mittlerweile „hängen alle Gondeln drin“ – dabei handelt es sich um jene insgesamt 76 wannenartigen Fahrradabstellboxen. Zum Zuge kommt im Turm eine robuste Paternosteranlage, eine Art Adaption aus dem Hochregallagersystem, wie Soltys erläutert. Es gibt vier Aufzügen zu je 19 Radboxen – mit seiner Grundfläche von fünfeinhalb auf fünfeinhalb Metern passt die Anlage locker auf die knappe Fläche an der Kreuzung unterhalb der Bahngleise. Bis Anfang August, erläutert Schomakers, ist die technische Ausstattung startklar. Danach kommt die Außenfassade – die unteren zweieinhalb Meter aus Metallplatten, oberhalb als Sicherheitsglas mit Mattfolie. Und ganz oben steht dann in großen Lettern: „Radbox“.

Der Tüv Süd war übrigens schon frühzeitig involviert

Wenn dann das 24 Tonnen schwere Stahlträgerkorsett und die sieben Tonnen schwere Fassade fertig sind und nach den Sommerferien die Außenanlagen geplättelt wurden, startet hoffentlich im Oktober die Testphase. Angeworben wurden hierfür bereits ein „ausgewählter Nutzerkreis“, so Schomakers, aus der Fellbacher Fahrradszene. Erst wenn diese Prüfung „auf Herz und Nieren“ erfolgreich absolviert ist, alle Kinderkrankheiten ausgemerzt sind und alles „einwandfrei und reibungslos läuft“, soll der Echtbetrieb starten. Rad-Dezernentin Beatrice Soltys: „Ich hoffe, dass wir im Dezember Eröffnung feiern können.“

Der Tüv Süd war übrigens schon frühzeitig involviert, erst vor einer Woche gab es eine Turmbegehung der Experten des Technischen Überwachungsvereins zusammen mit den Mitarbeitern der Schweizer Velo-Firma. Eine Fernwartung etwa für die elektronischen Teile ist offenbar auch von Auw aus möglich. Ansonsten arbeite man mit „lokalen Partnern“ zusammen, so Suter, speziell den Firmen Metallbau Friz aus Schmiden und Elektro Merz aus Waiblingen.

Die Gesamtkosten liegen bei 962 000 Euro

Wenn der Regelbetrieb dann ab dem Winter läuft, kommen die Nutzer – seien es Abonnenten oder Tagesinteressenten – über ein digitales Zugangssystem per Smartphone-Bedienung an ihre Rad-Abstellkammer. Der Vorteil der Boxen sei, erläutert Andreas Scheidegger, Leiter Technik bei Koch & Partner, dass die Räder abgeschlossen sind, „man kann noch Gepäck, einen Rucksack oder einen Helm beilegen“. Außerdem ist in die Anlage eine Lastenmessung integriert – diese bemerkt, „ob jemand ein Mofa oder Müll reingetan hat“, so der Schweizer Scheidegger. „Oder ob jemand sich einen vermeintlichen Spaß machen und eine Gondelfahrt machen will“ – dann setze sich der Paternoster nicht in Betrieb.

Die Gesamtkosten liegen bei 962 000 Euro, wobei mehr als die Hälfte über Zuschüsse abgedeckt ist. Die Preise für die Kunden des automatischen Radturms sollen sich an der bereits vor knapp zwei Jahren in Betrieb genommenen Radstation im VHS-Gebäude orientieren – also 50 Cent pro Tag, fünf Euro die Woche oder 50 Euro im Jahr. Soltys: „Wir wollen mit dem Radturm ja kein Geld verdienen.“

Waiblinger Radhaus versus Fellbacher Radbox

Waiblingens OB Andreas Hesky schwärmt: Das Rad-Parkhaus am dortigen Bahnhof ist „ein Vorzeigeprojekt in der Region“. Immerhin, im Wettlauf der Kommunen im vorderen Remstal hat Waiblingen gegenüber dem Nachbarn Fellbach die Nase vorn. In der Kreishauptstadt ist das „Radhaus“ (heißt tatsächlich so) bereits in Betrieb.

Der große blaue Block in Waiblingen kann 120 Räder aufnehmen – deutlich mehr als die Fellbacher „Radbox“ (offizieller Titel) mit ihrer Kapazität von 76 Drahteseln. Die Kosten fürs Radhaus in Waiblingen, 670 000 Euro, liegen übrigens ein Drittel unter jenen in Fellbach.

Allerdings scheint das Rad-Einparksystem in Waiblingen komplizierter – dort mussten die Nutzer anfangs sogar spezielle Schulungstermine wahrnehmen. Die Bedienung in Fellbach sei einfacher, heißt es.




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