Fahrradverkehr in S-Mitte Der provisorische Radweg soll verschwinden

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Die Grünen im Bezirk Stuttgart-Mitte ärgerten sich so über den Radweg vor dem Landtag, dass sie einen Antrag zu einer Erneuerung stellen wollten. Doch die Route wird bald eh wieder in Rasenfläche verwandelt.

Die temporäre Strecke  entlang des Landtags missfällt den Grünen im Bezirk Mitte. Foto: Cedric Rehman
Die temporäre Strecke entlang des Landtags missfällt den Grünen im Bezirk Mitte. Foto: Cedric Rehman

S-Mitte - Die Antwort ist ehrlich. Eine Mitarbeiterin des baden-württembergischen Landtags gibt zu, dass sie den Radweg vor dem Parlamentsgebäude auch zu Fuß benutzt, obwohl die Beschilderung die Strecke als Fahrradroute auszeichnet. Wenn sie in Richtung Stadt unterwegs sei, nehme sie selbstverständlich den schnellsten Weg, sagt sie. Er führt über die provisorische und mit Holzpflöcken abgesteckte Fahrradroute entlang des Landtags.

Damit verstößt sie gegen die Straßenverkehrsordnung. Sorgen bereiteten ihr aber eher die Radfahrer, für die der Weg eigentlich vorgesehen ist. „Man muss schon schauen, dass da nicht plötzlich ein Fahrrad kommt“, sagt sie. Auch anderen sei aufgefallen, dass die Route nicht ganz ungefährlich ist. „Auf unserer Homepage hat jemand gefragt, wann der Weg endlich mal in Ordnung gebracht wird“, erzählt die Mitarbeiterin des Landtags. Laut Landesamt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg soll es ihn in einigen Monaten gar nicht mehr geben. Dann soll die alte Streckenführung über den Peter-Huchel-Weg an der Konrad-Adenauer-Straße wieder zur Verfügung stehen. Der provisorische Weg vor dem Landtagsgebäude werde dann zurückgebaut, heißt es.

Peter-Huchel-Weg ist gesperrt

2015 begann der Bau des Besucher- und Medienzentrums am Landtag. Der Peter-Huchel-Weg diente bis dahin als Fahrradroute und wurde für die Bauarbeiten gesperrt. Der temporäre Radweg wurde vor dem Landtag eingerichtet. Dies habe das städtische Amt für öffentliche Ordnung damals zur Auflage für die Arbeiten am Bau des Besucherzentrums gemacht, erklärt ein Mitarbeiter von Vermögen und Bau.

In diesem Jahr wurden weitere Arbeiten am Landtagsgebäude nötig. Unter anderem sollten versenkbare Poller Terrorangriffe mit Fahrzeugen auf den Landtag und das Besucherzentrum von der Konrad-Adenauer-Straße aus verhindern. Das Amt für Vermögen und Bau entschied, den provisorischen Weg deshalb vorerst offen zu halten. Nach dem Einbau physischer Barrieren zur Terrorabwehr werde der Rückbau des provisorischen Radwegs vor dem Landtagsgebäude nun zeitnah beginnen, erklärt der Landesbetrieb Vermögen und Bau.

Grüne wollten nachbessern

Die Grünen im Bezirksbeirat Mitte wollten bereits einen Antrag in den Bezirksbeirat einbringen, der den Bau eines breiteren Radwegs bis zum Frühjahr 2019 fordern sollte. Dieser sollte Platz bieten, damit Fahrradfahrer und Fußgänger sicher aneinander vorbeikommen. Außerdem sollte er über einen festen Belag verfügen. Die bisher als Absperrung genutzten Holzpflöcke sollten dagegen verschwinden. „Ich freue mich, dass der Antrag nun überflüssig wird, weil der Weg nur provisorisch ist“, sagt der Grünen-Bezirksbeirat Wolfgang Kaemmer. Besonders die hölzernen Absperrungen hätten ihn gestört. „Die Pflöcke wurden immer wieder umgeschmissen. Das sieht nicht schön aus und ist kein Aushängeschild für die Staatsoper oder den Landtag“, sagt der Grünen-Politiker.

Der Bezirksbeirat macht sich Sorgen, dass Radfahrer auch nach einem Abbau des Provisoriums aus Gewohnheit die gewohnte Strecke nehmen könnten. „Vielleicht brauchen wir ein Mäuerchen, um das in Zukunft zu verhindern“, sagt er. „Ich wünsche mir an der Stelle des Radweges einfach ein Stück Liegewiese.“ Fußgänger könnten ja bequem entlang des Eckensees am Landtag vorbei flanieren, meint der Bezirksbeirat.

Das Amt für Vermögen und Bau scheint Kaemmer zu erhören. Es sichert zu, dass in einigen Monaten an der Stelle des temporären Radweges nur noch Rasenfläche sein wird. Dann soll nichts mehr an das umstrittene Provisorium erinnern.

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