Fairer Handel in Ditzingen und Gerlingen Auch Nudeln können fair erzeugt sein

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Der Weltladen ist von der Mittleren Straße in die Haupteinkaufszone von Ditzingen umgezogen. Das Sortiment wurde erweitert – ebenso der Kreis der freiwilligen Mitarbeiter. Auch der Gerlinger Weltladen bekommt Verstärkung und Unterstützung.

Wie Kissen und Eule präsentieren? Gerlinde Wolf (links) und Inge Käßmann gehören in Ditzingen   als Freiwillige zum Team der Verkäuferinnen Foto: factum/Granville
Wie Kissen und Eule präsentieren? Gerlinde Wolf (links) und Inge Käßmann gehören in Ditzingen als Freiwillige zum Team der Verkäuferinnen Foto: factum/Granville

Ditzingen/Gerlingen - Gasthaus, Bankfiliale, Apotheke: So sind die Angebote in der Münchinger Straße in Ditzingen aufgereiht. Jetzt gibt es dort ein Geschäft mehr – der faire Handel steht im neuen Weltladen im Vordergrund. Das Geschäft, mit einem Verein als Träger, ist nach 28 Jahren bei seinen Wurzeln angekommen. Gegenüber, im evangelischen Gemeindehaus, ist es 1989 eröffnet worden. Viele Hände und Institutionen halfen zusammen, bis der Weltladen jetzt wesentlich größer neu eröffnen konnte. „Ein guter Einstieg, es war am Samstag knallvoll“, berichtet die Vereinsvorsitzende Gerlinde Wolf.

Wo früher Modellflugzeuge verkauft wurden, wird nun auf 80 Quadratmetern ein buntes Sortiment angeboten: Von Kaffee und Tee über Süßigkeiten, Essig und Öl und Gewürze bis zu Honig, fünferlei Nudeln und vielerlei Kunstgewerbe bis zu Taschen und Deko-Artikeln. Alles kommt aus fairem Handel – die Produzenten werden besser entlohnt, als wenn sie ihre Waren sonst verkaufen würden. Es gibt aber nicht nur Waren aus Gegenden, die man früher „Dritte Welt“ nannte, sondern auch aus dem Land. Etwa Nudeln aus einem Betrieb in Trossingen, der Menschen in einem Arbeitsprojekt beschäftigt. „Das ist auf andere Art und Weise fair“, sagt Wolf.

Ein Verein und zwei Weltläden

Die 66-Jährige war eine der treibenden Kräfte bei der Neuaufstellung und dem Umzug des Ditzinger Weltladens. Vom selben Verein wird auch der Weltladen in Heimerdingen betrieben. Für Wolf ist es ein Glücksfall, dass das Geschäft von der etwas versteckten Lage im Evangelischen Dekanatamt an die Haupteinkaufsstraße umziehen konnte. Die Vermieter seien so fair wie viele Unterstützer – ob beim Umbau oder Einkauf. Die Stadt übernehme eine Bürgschaft für die Miete. Die evangelische Kirche, an die man früher keine Miete entrichten musste, unterstütze die Mietzahlung mit einem Zuschuss. Die katholische Kirchengemeinde sei deswegen ebenso angefragt, berichtet Wolf.

Nicht nur die Ladenfläche hat sich weit mehr als verdoppelt und ein breiteres Sortiment möglich gemacht: Reichte früher eine Verkäuferin pro Schicht, sind nun doppelt so viele nötig. Der Kreis der Freiwilligen bestehe aus etwa 30 Mitgliedern, berichtet Wolf nicht ohne Stolz. Zwei oder drei kämen zur Verstärkung aus Heimerdingen, zehn neue habe man hinzugewonnen. Sie teilen sich die elf Schichten pro Woche nach einem festen Einsatzplan.

Am Vernetzungs-Gedanken dranbleiben

An dem Gedanken, dass sich die Weltläden im Strohgäu und im Landkreis Ludwigsburg insgesamt besser vernetzen, will Gerlinde Wolf dranbleiben. Die im Frühjahr begonnenen Treffen sollten beibehalten werden, meint sie. Und ansonsten hofft sie auf mehr Laufkundschaft als bisher im Dekanatamt. Während sie all das erzählt, haben schon mindestens zehn Leute hereingeschaut in das große helle Geschäft. Und es sollen noch mehr werden nach der offiziellen Eröffnung beim Hafenscherbenfest am übernächsten Wochenende.

Auch im Gerlinger Weltladen, vor knapp zwei Jahren eröffnet, gibt es Neuerungen. Neele Bunscheid wird Anfang September ihr Freiwilliges Soziales Jahr beginnen. Die 18-Jährige habe große Erfahrung im fairen Handel, erzählt die Vereinsvorsitzende Brigitte Meier. „Sie weiß von jedem Produkt, wo es herkommt.“ Sie werde täglich im Laden sein, der Vorstand im Verkauf muss dann nicht mehr einspringen.

Die finanzielle Unterstützung des Ladens hat sich zur Jahresmitte geändert: Der Verein muss jetzt die Miete selbst aufbringen – zu je einem Drittel haben das bisher die evangelische und die katholische Kirche sowie die Stadt übernommen. Dafür gibt es Unterstützung für die Vergütung der FSJ-lerin: die Petrusgemeinde und die Katholiken hätten schon je einen Teil zugesagt, die Bürgerstiftung sei angefragt. „Ich bin guter Dinge“, sagt Brigitte Meier.

Faire Läden im Strohgäu

Überblick
Im Strohgäu gibt es sechs Weltläden: Außer dem ganz neuen in Ditzingen noch die in Heimerdingen, Gerlingen, Korntal und Hemmingen sowie in Schwieberdingen.

Öffnungszeiten
Die sechs Läden sind zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet. Sie sind teils mit denen des Einzelhandels vergleichbar: In Ditzingen montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags 9 bis 13 Uhr; in Gerlingen montags bis freitags 8.30 bis 18.30 Uhr und samstags 8.30 bis 13 Uhr – bis 2. September sind aber noch Ferien. In Korntal ist an fünf Tagen in der Woche geöffnet; jetzt in den Ferien donnerstags bis samstags 9.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags bis freitags 15.30 bis 18.30 Uhr. In Hemmingen, Heimerdingen und Schwieberdingen sind die Weltläden unterschiedlich offen, einige halbe Tage pro Woche.




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