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Familienurlaub Nur die Langeweile kommt zu kurz

Von aus Arzl im Pitztal 

Wenn der Urlaub für alle großen und kleinen Familienmitglieder möglichst entspannt und sorgenfrei sein soll, kann ein Aufenthalt im Kinderhotel die richtige Wahl sein.

Im Kinderhotel Lärchenwald im österreichischen Pitztal können die Kinder Feuerwehrmann spielen. Dazu gehört eine Fahrt im echten Einsatzfahrzeug - das ausrangierte Auto der freiwilligen Feuerwehr des Nachbarortes gehört seit zwei Jahren dem Hotel. Foto: Irina K./Fotolia
Im Kinderhotel Lärchenwald im österreichischen Pitztal können die Kinder Feuerwehrmann spielen. Dazu gehört eine Fahrt im echten Einsatzfahrzeug - das ausrangierte Auto der freiwilligen Feuerwehr des Nachbarortes gehört seit zwei Jahren dem Hotel. Foto: Irina K./Fotolia

Arzl im Pitztal - Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte der Urlaub nicht abenteuerlich genug sein. Mit dem Rucksack durch Peru, mit dem Kamel durch die Wüste, im Jeep durch den Dschungel in Costa Rica. Aber nun ist der Nachwuchs da, und im Urlaub sind plötzlich ganz andere Dinge wichtig geworden. Vor allem möglichst entspannt und sorgenlos sollte die freie Zeit sein - und zwar für alle Beteiligten. Aber wie soll das funktionieren, wenn bereits die Anreise zur Tortur wird, weil Reisebett, Kinderwagen, Rückentrage, Tüten voller Babynahrung, vielleicht noch das Laufrad und ein Vorrat an Bällen, irgendwie in den Kofferraum passen sollen? Wenn sich Eltern für alle Eventualitäten rüsten wollen, wird so ein Urlaub mit Kindern schnell zu einem halben Umzug inklusive jeder Menge Stress im Gepäck.

Wer die Ferien in speziellen Kinderhotels verbringt, braucht die Gewichtsgrenze seines Autos nicht auszureizen. Im österreichischen Kinderhotel Lärchenwald beispielsweise ist der Wickeltisch im Wohnbereich integriert, wartet in der Garage eine Kinderwagen- und Buggy-Armada auf die Gäste und gibt es im Speisesaal einen eigenen Bereich mit Babynahrung. Für die ganz Kleinen stehen verschiedene Milchpulver bereit, für die etwas Größeren eine Auswahl an Gläschen. Zusätzlich werden jeden Mittag verschiedene Breie frisch gekocht. Und damit nicht genug: Sogar Schnuller, Flaschen oder Babyphones können ausgeliehen werden. Dieses Rundum-sorglos-Paket dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass unter den Gästen einige frischgebackene Eltern sind.

300 Mitarbeiter werden für die Kinderbetreuung geschult

Für Familien mit etwas älteren Kindern ist vielleicht weniger die Ausstattung als vielmehr das Programm und die Kinderbetreuung der ausschlaggebende Punkt für einen Urlaub im Kinderhotel. Die 50 Mitgliedsbetriebe der Kinderhotels Europa haben dabei unterschiedliche Ausrichtungen - die einen eignen sich eher für Kindergarten- und Schulkinder, die anderen mehr für Teenies. Eine erste Orientierung über die Leistungen bietet das eigene Bewertungssystem: Je mehr Smileys ein Betrieb hat, desto mehr hat er an Service, Ausstattung oder Verpflegung im Angebot. In der eigenen Kinderhotel- Akademie werden jährlich etwa 300 Mitarbeiter für die Kinderbetreuung geschult. In manchen Betrieben können die Kinder Schwimmkurse machen, andere haben eigene Ski- oder Zauberschulen. Im Lärchenwald im Pitztal kommen vor allem die Kleineren auf ihre Kosten.

Die meisten Eltern müssen sich damit abfinden, dass es im Laufe der Zeit immer schwieriger wird, den Nachwuchs vom Spielzimmer loszueisen. Kaum zurück vom Ausflug verschwinden die Kleinen sofort wieder zwischen Ritterburg und Bällebad. Oder es zieht sie ins hoteleigene Hallenbad. Oder auf das große Piratenschiff. „Es gibt auch Kinder, die sind zwei Wochen lang nur im Stall“, erzählt Heinrich Neurauter, der Chef des Kinderhotels Lärchenwald. Dort können 90 Tiere besucht und gestreichelt werden: Ponys, Ziegen, Lamas, Kaninchen, Meerschweinchen. Unumstrittener Höhepunkt des Urlaubs - übrigens für Jungen wie für Mädchen - ist aber die Kinderfeuerwehr. Als die freiwillige Feuerwehr des Nachbarortes ihr altes Einsatzauto verkaufen wollte, griff Heinrich Neurauter zu und besorgte die Ausrüstung. Sein Sohn, selbst Feuerwehrmann, überlegte sich ein Konzept.

Dieser Geistesblitz hat schon für viele glückliche kleine Gäste gesorgt - denn welches Kind möchte nicht einmal in die Rolle eines Feuerwehrmannes schlüpfen? Zweimal in der Woche dürfen die Nachwuchskameraden mit lautem Tatütata über das Gelände fahren und sich im Löschen üben, sogar mit eigenem Wassertank auf dem Rücken. In anderen Kinderhotels können sie dagegen als Köche ihre eigenen Nudeln herstellen, als Apotheker Produkte aus der Natur verarbeiten oder als Landwirte die Ernte einbringen. „Wir möchten, dass die Kinder einmalige Erlebnisse mitnehmen können“, sagt Heinrich Neurauter. Für den fünfjährigen Aaron ist eine Übernachtung im Heu ein einmaliges Erlebnis.

Was haben nun die Eltern vom Urlaub im Kinderhotel?

Dazu hat er seinen Opa erst überreden müssen: „Aber ich habe ihm gesagt, dass sein Enkel sich an diese Nacht immer erinnern wird“, berichtet Neurauter. Besagte Großeltern haben mit ihrem Enkel übrigens jede Menge Spaß - sie entdecken zusammen die Tiere auf dem Bauernhof, drehen eine Runde mit dem Pony durch das Dorf oder feuern ihn beim Löschen an. Das zeigt, dass so ein Urlaub im Kinderhotel für alle Generationen bereichernd sein kann. Und was haben nun die Eltern vom Urlaub im Kinderhotel? Das kommt sicherlich darauf an, welche Erwartungen man im Gepäck hat. Eltern kleinerer Kinder sollten erst einmal Zeit dafür mitbringen, ihren Nachwuchs langsam an die Betreuung zu gewöhnen - und nicht enttäuscht sein, wenn sie fremdeln und doch nicht wie geplant von morgens bis abends abgegeben werden können. Eltern älterer Kinder sind gut beraten, sich nicht zu viele Ausflüge vorzunehmen.

Im Pitztal können Naturfreunde und Wanderliebhaber unheimlich viel unternehmen - die Kinder werden allerdings lieber so viel Zeit wie möglich im Hotel verbringen wollen. Ansonsten kann man sich darauf freuen, vermutlich mehr zum Lesen und Entspannen zu kommen als sonst im Urlaub. Die meisten Kinderhotels warten mit einem Sauna- oder Wellness- Bereich auf, bieten Massagen oder spezielle Sportaktivitäten für die Erwachsenen. Im Lärchenwald sind das zum Beispiel Mountainbiken oder Nordic Walking. Manchmal sind es aber auch Kleinigkeiten, die den Urlaub entspannt machen. Ein besonderer Luxus ist es für viele Eltern, einmal in Ruhe essen zu können. Im Lärchenwald gibt es abends ein Büfett für Kinder, während die Eltern ihr Menü am Tisch serviert bekommen. „Wir wissen, dass Essen für Kinder eine Notwendigkeit ist, aber für Eltern ein Genuss sein soll“, sagt Neurauter. Beidem wird mit diesem System Rechnung getragen.

Die Kleinen können ihren Hunger stillen und danach im direkt angrenzenden Spielzimmer verschwinden, und die Erwachsenen in Ruhe weiter essen. Und natürlich muss man sich im Kinderhotel auch keine Sorgen darüber machen, dass irgendjemand von dem eigenen Nachwuchs gestört werden könnte. Buchen kann nur, wer mit Kind anreist. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass nun einmal viele Kinder da sind und auch Trotzattacken am Nachbartisch durchaus mit zum Frühstück gehören. Dafür allerdings, wie viele Kinder da sind, geht es erstaunlich friedlich zu - vielleicht auch, weil das Gelände weitläufig genug ist. Wohltuend ist es auch, den Satz „Mir ist so langweilig“ eine Woche lang nicht zu hören. Das beste Zeichen dafür, dass es dem Nachwuchs im Kinderhotel wirklich gut gefällt: Der Koffer mit dem Playmobil-Spielzeug und der heiß geliebte Fußball bleiben völlig vergessen im Schrank liegen.

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