Fasnetsumzug in Weil der Stadt Die Wagen sind die Spezialität des Umzugs

Von Florian Mader 

Der Sonntag ist ein voller Erfolg: 40 000 Zuschauer kommen zum großen Umzug nach Weil der Stadt. 69 Gruppen und Musikkapellen mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmern laufen mit.

Rund 40 000 Zuschauer kommen zum großen Umzug nach Weil der Stadt. Foto: factum/Simon Granville
Rund 40 000 Zuschauer kommen zum großen Umzug nach Weil der Stadt. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Fische schwimmen umher, Haie tauchen ab und in der Ecke wächst ein richtiges Korallenriff in die Höhe. Das ist doch toll, oder? Na, ja. „Die Unterwasserwelt ist bunt und schön / doch auch Fische wollen auf die Fasnet geh’n“, ist das Motto dieses Wagens beim großen Umzug der Weil der Städter Narrenzunft AHA am Sonntag.

Und nicht nur Fische haben Lust dazu. Das Wetter ist zwar angegraut, bleibt aber trocken und bläst angenehm warmen Föhn-Wind ins Städtle. 40 000 Zuschauer zählen Veranstalter und Polizei – und sind positiv überrascht. Am Morgen nämlich hatte der Zunftvorsitzende Michael Borger noch ein bisschen Sorgen. „Wir hatten um 9 Uhr eine Krisensitzung wegen des Wetters“, berichtet er. „Wir haben entschieden, dass wir die beiden Pferde-Gespanne rausnehmen.“

Viele nette Menschen

Das ist der einzige Tribut an den Wind. Die Gurte und Gestelle der Wagen hat man noch ein bisschen mehr festgezurrt, und dann geht es ab. 69 Gruppen und Musikkapellen mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmern bilden den Umzugswurm, der sich durch die Altstadtgassen schlängelt. Seit vielen Jahren schon kommen zum Beispiel die Siebenmühlental-Hexen aus Musberg. „Weil der Stadt hat eine ganz tolle Fasnet und mit der mittelalterlichen Altstadt ein ganz besonderes Flair“, sagt Mirja Brosig, die Zunftmeisterin. Mit 80 Siebenmühlental-Hexen ist sie in diesem Jahr angereist, denn mehr Platz hat es nicht im Doppeldecker-Bus. Sogar eine Warteliste musste sie führen. „Es hat hier viele nette Menschen, es ist richtig schön“, sagt sie.

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Aus nah kommen die Gruppen wie die AHA-Gruppen Schellenteufel, Steckentäler, Hexen und Co. Und aus fern solche wie die Hechinger, die sich mit gleich 22 Zünften und Musikgruppen nach Weil aufgemacht haben – zum ersten Mal. „Wir haben die Weil der Städter bei einer Veranstaltung in Kiebingen kennengelernt, dort haben sie uns eingeladen“, berichtet Joachim Noack, der Zunftmeister der Hechinger Narrhalla. „Ich hab dann zwar gewarnt: Wir sind viele.“ Die Einladung erging trotzdem, jetzt bilden die Hechinger mit 400 Narren den größten Block im Weiler Umzugswurm, angeführt von den schwarzen Butzen und dem Pestmännle, die Hunger und Pest vertreiben.

„Der Weg ist das Ziel“

Zwischendrin fahren die knapp 20 selbst gebauten und vor Fantasie strotzenden Wagen – die traditionelle Spezialität des Weiler Umzugs. „Wir wollten in diesem Jahr einen bunten Wagen, von dem auch die Kinder etwas haben“, sagt Julia Koch vom Team „Unterwasserwelt“. Zusammen mit acht Helfern hat sie drei Wochen lang geschuftet, an den Samstagen und an vier Abenden pro Woche. Warum? „Der Weg ist das Ziel“, erklärt Daniel Giovanelli, der mitgeschafft hat. Die Geselligkeit sei was ganz Besonderes. „Wir können uns da kreativ austoben und experimentieren“, findet Giovanelli. „Und am Ende der Glanz in den Augen der Zuschauer – das ist toll.“

Kommunalpolitisch wird es ebenfalls beim Wagenbau, wenn die Narrenzunft die Umgestaltung des Marktplatzes fordert oder den misslungenen Weihnachtsmarkt anprangert: „Hört her, ihr lieben Leut, ob groß oder klei / so muss unser Weihnachtsmarkt wieder sei“, rufen sie und präsentieren einen schön geschmückten, fahrenden Stand.

Auf dem nächsten Wagen ganz oben darf Pinocchio mitfahren. „Auf ihn sind wir echt stolz, es war ein großer Aufwand, ihn zu bauen“, sagt Lisa Isele, die sich mit ihrem Team in diesem Jahr die Helden der Kindheit ausgesucht hat. Martin Hettich sitzt hinter der riesigen Figur und steuert die Nase, Arme und Füße. „Wir sind wie eine kleine Familie“, berichtet Isele vom Charme des Wagenbaus. So bahnt sich der Umzug seinen Weg durch die Altstadtgassen. Joachim Noack, der Zunftmeister aus Hechingen, ist schwer beeindruckt: „So viele Menschen sehe ich selten bei der Fasnet.“




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