FC Bayern München Die Krise lässt sich nicht mehr verleugnen

Von Oliver Trust  

Mit der 0:1 Niederlage in Basel setzt sich die Talfahrt der Bayern auch in der Champions-League fort - und die Kritik wird immer lauter.

Das Ergebnis eines Champions-League-Abends: gramgebeugte Bayern, jubelnde Basler  Foto: dpa
Das Ergebnis eines Champions-League-Abends: gramgebeugte Bayern, jubelnde Basler Foto: dpa

Basel - Es gehört zu den interessanten Reflexen beim FC Bayern, in Zeiten der Not den Zusammenhalt zu beschwören. Bei ihrem Bankett im Swissotel Le Plaza in Basel wurden die Verlierer weit nach Mitternacht von Freunden, Gönnern und Sponsoren mit Beifall bedacht, als sie den Saal marschierten.

Und es ging zu später Stunde auch nicht um den Trainer. Jupp Heynckes öffentlich infrage zu stellen, wäre der Kundschaft kaum zu vermitteln und obendrein das Eingeständnis, bei der Aufarbeitung der Ära Louis van Gaal selbst gescheitert zu sein. Jupp Heynckes wird also bleiben, trotz der Ratlosigkeit, die der 66-Jährige an diesem Abend in Basel ausstrahlte. Oder sollte es tatsächlich Gelassenheit aus Überzeugung gewesen sein? "Wir sind selbstbewusst genug, daran zu glauben, es im Rückspiel richten zu können", sagte Heynckes zur misslichen Lage in der Champions League.

Heynckes wird bleiben, trotz des 0:1 im Achtelfinalhinspiel beim FC Basel, trotz der Talfahrt in der Bundesliga, die nach der Winterpause scheinbar unvermittelt einsetzte und im Verlust der Tabellenführung gipfelte. Am Sonntag steht gegen Schalke 04 die nächste schwere Prüfung an.

"Was ist zwischen Weihnachten und heute passiert?"

Die Münchner müssen sich nun bis zum Rückspiel am 13. März damit beschäftigen, nicht im Finale der Champions League zu stehen, das am 19. Mai im eigenen Stadion stattfindet. Außerdem gilt es, die erste Niederlage gegen einen schweizerischen Club seit 24 Jahren auszuhalten.

"Man macht sich Gedanken: Was ist zwischen Weihnachten und heute passiert?", fragte der Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der die verbindliche Anweisung ausgab: "Es hat jetzt keinen Sinn, großen Zirkus zu machen." Schweren Herzens gestanden sich die Bayern ihre Krise ein, und die Schönredner schwiegen betreten. Auch die hatte es in Basel gegeben. Der Manager Christian Nerlinger zum Beispiel konnte keinen Mangel erkennen, was die Einstellung betraf. Und Uli Hoeneß, der Präsident, tat immer wieder kund, dass noch nichts verloren sei. "Das habe ich auch der Mannschaft gesagt."

Rummenigge setzte dem in einem Appell an die geschlagene Mannschaft klare Worte entgegen: "Ihr müsst wach werden. Es hat keinen Sinn, auf den Platz zu gehen und zu glauben, die Dinge werden sich von selbst regulieren. Ihr müsst die alte Sepp-Herberger-Weisheit ,Einer für alle, alle für einen' wieder aus dem Hut zaubern."

Lautes Gebrüll in der Kabine

Mario Gomez wollte die Besänftigungstour von Anfang an nicht mitmachen. "Wenn wir jetzt keine Krise haben, wann dann?", fragte er gereizt. Die Lage sei ernst, jeder Spieler schleppe einen Rucksack mit sich herum, "vielleicht nicht viele Kilo schwer, aber einen Rucksack".

In der Kabine sei es laut geworden, wird später berichtet. Mancher will angesichts gegenseitiger Beschuldigungen der Spieler von lautem Gebrüll erfahren haben. Auf der Tribüne saß Bayerns Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld und sah die Münchner Mannschaft "ein bisschen auseinanderfallen".

Ohne zu einem in sich schlüssigen Spielzug fähig zu sein, schob man sich vor dem Basler Strafraum die Bälle zu und hoffte gegen den taktisch disziplinierten Schweizerischen Meister auf einen Geniestreich der Künstler Robben und Ribéry. Bei jedem schnellen Basler Konter reagierte die Abwehr kopflos wie bei Valentin Stockers Gegentor (86.). Es sei "bedenklich", was da passiere, analysierte Franz Beckenbauer. "Bayern steht ganz gewaltig unter Druck, sie reden doch alle ständig vom Finale", meinte der ehemalige Stuttgarter und heutige Kapitän des FC Basel, Marco Streller. Dessen Trainer, der Deutsche Heiko Vogel, ließ die Bemerkung fallen: "Wir haben in dieser Champions-League-Kampagne gezeigt, dass wir auch auswärts wissen, wo das Tor steht."

Bleibt noch die Reaktion von Franck Ribéry aufzuarbeiten, der in der 71. Minute ausgewechselt wurde. Der Franzose marschierte angesäuert an Heynckes vorbei. Kein Handschlag, kein Blick, kein Wort. "Da scheint einiges nicht zu stimmen", vermutete Hitzfeld, was Hoeneß als Unsinn abtat. "Ihr immer mit eurem Scheißhandschlag" polterte er. "Da ärgert man sich übers Spiel und über sich selbst und denkt nicht an einen Handschlag. Wir sind doch nicht im Mädchenpensionat." Eben, sondern beim FC Bayern, der riskiert, im Rennen um den Finaleinzug gefährlich früh auszuscheiden. "Jetzt ist ein wichtiger Moment in der Saison des FC Bayern gekommen", mahnte Rummenigge und wies den Weg aus der Krise: "Wir müssen gemeinsam und hart arbeiten, um aus dieser Scheiße, die wir uns in den letzten Wochen eingebrockt haben, rauszukommen."