FC Bayern verliert Alles dreht sich um Franck Ribéry

Von Thomas Näher 

Er war der Dreh- und Angelpunkt beim FC Bayern: Franck Ribéry (33) traf zweimal, dennoch verlor der Rekordmeister gegen den AC Mailand. Rückkehrer Holger Badstuber ist noch weit weg von seiner Topform.

Unwiderstehlich: Franck Ribéry gibt sich beim FC Bayern wild entschlossen Foto: dpa
Unwiderstehlich: Franck Ribéry gibt sich beim FC Bayern wild entschlossen Foto: dpa

Chicago - Für den Anfang war es gar nicht schlecht. Bayern München spielte zum Auftakt des International Champions Cup, der zurzeit mit mehreren europäischen Top-Teams in den USA und Asien läuft, 3:3 gegen den AC Mailand. 44 826 Fans in Chicago sahen Tore von Franck Ribéry (2) und David Alaba. Weil die Regeln bei Gleichstand ein Elfmeterschießen vorsehen, kam es zur Entscheidung vom Punkt – das der Rekordmeister mit 3:5 verlor. Doch das war Trainer Carlo Ancelotti egal. „Das Ergebnis ist zweitrangig. Unsere Leistung war gut. Ribéry war einer der Besten!“ Und Holger Badstuber war wieder mal der Pechvogel: Knapp sechs Monate nach seinem Knöchelbruch feierte der Innenverteidiger sein ersehntes Comeback, stand sogar in der Startelf – und patzte beim ersten Gegentor, als ihm der Ball versprang. Da war ihm die mangelnde Spielpraxis anzumerken, das holperige Spielfeld im Soldier-Field-Stadion tat ein Übriges.

Schwache Chancenverwertung, Wackel-Abwehr, dazu das Fehlen der acht EM-Teilnehmer: Viel mehr war gegen die Italiener, die nahezu in Bestbesetzung antraten, nicht drin. Und vor allem Franck Ribéry machte Hoffnung auf mehr. Der Franzose präsentierte sich bereits in Form. „Ich kann noch zwei Jahre auf diesem Niveau spielen“, hatte er schon vor der Partie gesagt, „am liebsten bei Bayern, aber wir haben noch Zeit, darüber zu sprechen. Ein Jahr ist lang.“ Im Juni 2017 läuft sein Vertrag aus. Bis dahin will Ribéry den Anführer gegeben, auf dem Platz, aber auch daneben. So wie in diesen Tagen.

Deutliche Kritk an Guardiola, viel Lob für Nachfolger Ancelotti

Ribéry teilt aus und trifft – auch verbal. In Chicago preschte er mit unverhohlener Kritik an Ancelottis Vorgänger Pep Guardiola aus der Deckung. „Er ist ein junger Trainer. Ihm fehlt Erfahrung! Manchmal redet er zu viel. Fußball ist ganz einfach“, sagte der Flügelflitzer über den Coach, der nach seinem Abschied aus München im Sommer nun Manchester City trainiert. Unverhohlen gab er Guardiola die Mitschuld am Halbfinal-Aus gegen Atlético Madrid in der vergangenen Saison. „Du kannst keinen Fehler machen in einem Champions-League-Halbfinale. Du musst große Namen, die Besten auf dem Platz haben“, sagte er mit Blick auf das verlorene Hinspiel in Madrid. Neben Ribéry hatte beim 0:1 auch Thomas Müller nicht von Anfang an gespielt. Dazu habe der von einer Verletzung genesene Abwehrchef Jérôme Boateng sogar auf der Tribüne gesessen, monierte Ribéry.

Umso zuversichtlicher stimmt ihn der Stil des neuen Bayern-Trainers Carlo Ancelotti (57). „Wenn du einen so wichtigen Titel wie die Champions League gewinnen willst, brauchst du einen Trainer, der dir ein gutes Gefühl gibt“, sagte Ribéry. Alle Spieler bräuchten „eine gute Beziehung zum Trainer“. Nach dem Abgang des unnahbaren Guardiola, zu dem Ribéry ein eher kühles Verhältnis hatte, spüre er „endlich wieder Vertrauen“. Ribéry: „Ich fühle mich frei, voll motiviert.“ Dem FC Bayern kann das nur gut tun.