FDP-Spitzenkandidat Ulrich Goll "Mappus ist ein verkappter Liberaler"

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Ulrich Goll (FDP) würde im April der dienstälteste Justizminister in Deutschland. Was er tut, um es zu bleiben, sagt er im Interview.

Stuttgart - Wer regiert nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg? Fast alles erscheint möglich. Wir stellen die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Grünen, FDP und der Linken in loser Folge im Interview vor. Im heutigen zweiten Teil: Ulrich Goll, Spitzenkandidat der FDP.

 Herr Goll, Sie sind der einzige Spitzenkandidat, der im Freizeitlook mit Pullover auf den Großplakaten erscheint. Was sagt uns das?

Dass hinter dem Politiker auch ein Mensch steht.

Ein Mensch, der sich nach Freizeit sehnt?

(lacht) Nicht mehr als jeder andere auch. Wir wollen einen Wahlkampf führen, der nahe bei den Leuten ist - deswegen ein Bild aus dem Alltag.

Ihr Slogan "Vorn bleiben" ist an das "Oben bleiben" der Stuttgart-21-Gegner angelehnt, was zum Verändern einlädt. Haben Sie das bedacht?

Über einen solchen Slogan wird ja viel diskutiert, da werden Dinge gedreht und gewendet. Mir fällt eigentlich nur auf, dass die Plakate in der Stuttgarter Innenstadt von Stuttgart-21-Gegnern überklebt werden. Das gefällt mir fast schon wieder, weil sie sich dadurch entlarven. Die sind nicht in der Lage, die Meinung der anderen zu achten, deswegen werden die Plakate verschandelt.

Ein zweites Großplakat, das Sie auf dem Motorrad zeigen sollte, wurde wieder verworfen. Warum eigentlich?

Dank der Veröffentlichung in der Stuttgarter Zeitung stößt das Plakat jetzt auf solches Interesse, dass wir es auf Wunsch doch anbieten werden. Es gab zunächst den Einwand, dass unser Slogan "Motor: FDP" zu sehr mit dem Verbrennungsmotor verbunden werden könnte. Aber viele Parteifreunde haben mich angesprochen, dass es doch ein schönes Motiv sei.

Vielleicht hat auch die Sorge, Ihre Fortbewegungsmittel zu thematisieren, eine Rolle gespielt. Ihr Sportwagen und Ihre Waffen werden ja breit genug erörtert. Nervt es Sie, dass solche Themen eine solche öffentliche Resonanz finden?

Keine Frage, dass mich das nervt. Es tut schon ein bisschen weh, dass man mit solchen Sachen bekannter wird als mit jeder Sacharbeit. Aber gerade im Autoland Baden-Württemberg sollte es nachvollziehbar sein, dass man im Laufe vieler Jahre mal den einen oder anderen Wagen ausprobiert.

Andere Politiker blühen im Wahlkampf erst richtig auf, so Ihr Vorgänger Walter Döring. Täuscht der Eindruck, dass der Wahlkampf für Sie eher ein notwendiges Übel ist?

Der Wahlkampf ist für mich bestimmt kein notwendiges Übel. Jeder hat einen Entwurf, wie er Politik machen möchte. Meinem Stil steht vielleicht das, was typisch für Wahlkämpfe ist, mehr entgegen als irgendeinem anderen Stil. Aber ich will und kann ihn nicht anpassen. Ich werde auch kein Marktschreier. Dieser seit Jahrhunderten gleiche rhetorische Gestus, der den Zweck hat, irgendwelche Massen mitzunehmen - ich weiß gar nicht, ob ich das könnte, wenn ich es wollte. Aber ich will nicht. Dass wussten die Mitglieder, und sie wollten mich trotzdem zum zweiten Mal als Spitzenkandidaten. 

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