FDP-Stadtrat Heinz Lübbe Peinliche Debatte um den Professorentitel

Von Jörg Nauke 

Muss der FDP-Stadtrat Heinz Lübbe seinem Titel Professor ein „h.c.“ hinzufügen? Die Stadt zweifelt und prüft – schon sehr lange.

Heinz Lübbe hat in Indien mehrere Gesundheitszentren aufgebaut und Hunderte Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert. Dafür wurde er gewürdigt. Foto: Achim Zweygarth
Heinz Lübbe hat in Indien mehrere Gesundheitszentren aufgebaut und Hunderte Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert. Dafür wurde er gewürdigt. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Gäbe es in der Stuttgarter Stadtverwaltung nicht Beamte mit unverstelltem Blick aufs Wesentliche, wäre der Fernsehturm wohl nie geschlossen worden – und FDP-Stadtrat Heinz Lübbe nicht in den Genuss gekommen, in einer Boulevardzeitung eine Seite über sich und seinen angeblich umstrittenen Professorentitel lesen zu müssen.

Dass sich ausgerechnet die mit zwei Doktortiteln ausgestattete Koryphäe im Bereich der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie nach einem erfüllten Arbeitsleben und unermüdlichem Einsatz für entstellte Kinder in der Dritten Welt wegen einer vom Statistischen Amt vermuteten Ungenauigkeit durch den Kakao ziehen lassen muss („Titel-Zoff im Rathaus“), bereitet den Liberalen Verdruss: „Herr Lübbe wird in der Öffentlichkeit mit Politikern wie Schavan, Koch-Merin oder zu Guttenberg gleichgesetzt. Das ist ein Skandal“, klagt Fraktionschef Bernd Klingler. Er macht dafür die Stadtverwaltung verantwortlich, die die Debatte eröffnet hat und „ohne jegliches Fingerspitzengefühl bearbeitet und auf die lange Bank schiebt“.

Heinz Lübbe engagiert sich seit 14 Jahren als Vorstand der Deutschen Cleft Kinderhilfe für den Aufbau von Gesundheitszentren und die Behandlung missgebildeter Kinder. Für seinen Einsatz in Indien wurde ihm 2009 von der Uni Bangalore der Titel eines Honorarprofessors verliehen. Mit dabei beim Indientrip: Bürgermeister Martin Schairer (CDU), qua Amt Kreiswahlleiter, der Lübbe spontan und freundschaftlich darauf aufmerksam machte, sich, um in der Heimat Ärger zu vermeiden, bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen in Bonn die Berechtigung zum Führen des Ehrentitels einzuholen.

Es geht nicht um den Professorentitel an sich

Innerhalb von drei Tagen nach Einreichen der Unterlagen aus Indien sei damals die Genehmigung aus Bonn schon da gewesen, erinnert sich Lübbe, der fortan in städtischen Publikationen als Professor Dr. Dr. Heinz Lübbe firmierte. Auf der Internetseite der Cleft Kinderhilfe wird er als „Honorarprofessor der Universität Bangalore“ und als „Honorarprofessor CDIS aff R.g. Univ. H.S. Bangalore, Indien“ geführt.

Es gäbe gar keine Aufwallung, hätte sich Heinz Lübbe nicht um eine weitere Amtszeit als Stadtrat beworben. Laut städtischem Pressesprecher hatte das Statistische Amt den Vorschlag zur Kommunalwahl im Sommer 2014 geprüft und die Berechtigung zum Führen des Titels gleich mit unter die Lupe genommen. Dabei kamen den Wahlamtsbeamten Zweifel, „ob der Titel nach deutschem Recht ohne Zusatz zur Herkunft geführt werden darf“. Es geht also nicht um den Professorentitel an sich, sondern nur um den Anhang.

In Absprache mit den FDP-Vertrauensleuten sei auf die Nennung des Professorentitels verzichtet worden, Lübbe habe in seiner Zustimmungserklärung zur Aufnahme in den Wahlvorschlag nur seine Doktortitel angeführt, so die Stadt. Heinz Lübbe sagt, das stimme, denn man habe ihm mitgeteilt, der „Professor“ passe nicht mehr auf den Wahlzettel. Dieses Argument wäre in Anbetracht des Umstandes, dass bei der CDU „Prof. Dr. Loos, Dorit, Professorin für Volkswirtschaftslehre, Vaihingen, Buchenländer Str. 60“ in eine Zeile gequetscht wurde, schwer nachvollziehbar. Der FDP-Kreisvorsitzende Armin Serwani versteht nicht, was das Amt überhaupt veranlasste zu prüfen, da er den Kandidaten Lübbe ohne Professorenzusatz gemeldet hatte. Warum er so vorgegangen sei, vermag Serwani allerdings nicht mehr zu sagen.

„Mir ist der Professor doch wurst“, betont Lübbe.

Der Vorgang wäre auch unbemerkt geblieben, hätten die Professor-freien Unterlagen der Verwaltung nicht auch nach der Wahl als Grundlage für Bekanntmachungen gedient, etwa der Auflistung aller Stadträte für die Öffentlichkeit. Bei der Überprüfung der Daten war FDP-Chef Klingler das Fehlen des Professorentitels aufgefallen. Lübbe pochte deshalb erst auf „Rückgabe“, erklärte sich allerdings Anfang September bereit, bis zur „abschließenden Klärung der Berechtigung zum Führen des Titels Professors“ ein h.c. – ehrenhalber – hinzuzufügen, obwohl er in Indien Vorlesungen hält und damit eher als Honorarprofessor durchgehen müsste. Der interne Hinweis auf die redaktionelle Änderung muss dann den Weg zum Boulevardblatt gefunden haben.

„Mir ist der Professor doch wurst“, betont Lübbe, „in Stuttgart kennt man mich seit Jahrzehnten als den Kieferchirurgen Lübbe.“ Was ihn und Fraktionschef Klingler ärgert, ist der laxe Umgang mit seiner Ehre. Zwischen der Prüfung durch das Amt im Mai und der Flyer-Korrektur im Juli wäre ausreichend Zeit gewesen, eine Antwort auf die Frage zu liefern, ob sich an der Haltung der Bonner Zentralstelle seit der ersten Bestätigung etwas geändert hat. Statt in der alten Hauptstadt nun in Indien Nachforschungen zu betreiben sei ja völlig daneben. Die Internetredaktion des Rathauses hat die Antwort der Titelprüfer übrigens bereits vorweggenommen: Sie gönnt dem Stadtrat Dr. Dr. Heinz Lübbe seinen Professor ohne jeglichen Zusatz.

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