Feiern in Stuttgart Endlich Europameister – Das sagen italienische Fans am Tag danach

Piero Cuna (mit Italientrikot in der Mitte) mit Geschäftspartner Luigi Aracri (dritter von rechts) und Freunden. Foto: Ferdinando Iannone 6 Bilder
Piero Cuna (mit Italientrikot in der Mitte) mit Geschäftspartner Luigi Aracri (dritter von rechts) und Freunden. Foto: Ferdinando Iannone

Italien holt nach einer halben Fußballewigkeit mal wieder einen EM-Titel – und Stuttgart steht Kopf. Die italienischen Anhänger feiern den Triumph ausgelassen und im Beisein von Familie und Freunden.

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Stuttgart - Als die italienische Nationalhymne ertönt, steht Piero Cuna mit der Hand auf dem Herz vor dem Bildschirm in seinem Restaurant. Lautstark singt er mit Freunden, Familie und dem ganzen Lokal das Lied der Italiener, Il Canto degli Italiani. Rund drei Stunden später gibt es dann kein Halten mehr: Italien ist Fußballeuropameister – endlich, nach sage und schreibe 53 Jahren.

In einem packenden Finale inklusive Elfmeterschießen schlug das Team von Roberto Mancini England mit 3:2 in deren heimischem Wembley-Stadion. Auch in Stuttgart fieberten die Anhänger mit und kamen schließlich aus dem Jubeln gar nicht mehr raus.

Fußballfest für die ganze Familie

Angela De Cato, Friseurmeisterin aus Leonberg, schaute das Spiel mit ihrer ganzen Familie. Von den Großeltern bis zu den Enkeln, alle waren sie beisammen, um ihrem Team die Daumen zu drücken. „Es wurde gezittert und gebetet“, erzählt sie. Ihre Kinder zündeten sogar eine Kerze mit Italienflagge an, die bis nach dem Elfmeterschießen brannte. Auch Sossio Romano, Autosattler bei Porsche in Zuffenhausen, hatte „eine volle Bude“. Familie und Verwandtschaft, alle waren da. Nur groß feiern, das konnte er nach dem Triumph der Squadra Azzura nicht. Für ein Autokorso in der Stuttgarter Innenstadt hatte er keine Zeit, die Spätschicht rief. Sein Feuerwerk, das er vor dem Halbfinalspiel der Italiener gegen Spanien angekündigt hatte, machte er trotzdem. Das hatte er sich extra aufgehoben, sollte Italien den Titel holen. Die kleine Verspätung auf der Arbeit nahm er dafür guten Gewissens in Kauf. Piero Cuna wäre vielleicht auch nicht pünktlich zur Arbeit erschienen – mit Freunden feierte er bis vier Uhr morgens den italienischen Triumph. Gut, dass der Restaurantbesitzer sein eigener Chef ist. Außerdem müsse das Lokal erst einmal aufgeräumt werden, so Cuna.

Italien hatte es im Wembley nicht leicht

Für die italienischen Anhänger war das Finalspiel eine nervliche Zerrreisprobe. Vor allem das frühe Gegentor in der zweiten Minute war ein Schock. „Da habe ich gedacht: Oh Gott, jetzt wird der Albtraum wahr.“, sagt die Leonbergerin. Sie glaubt, dass die Buhrufe der über 60 000 englischen Fans im Stadion nicht spurlos an den Italienern vorbeigingen und sie deswegen Zeit gebraucht haben, um ins Spiel zu finden. „England, Wembley, das ist alles nicht einfach.“, meint auch Piero Cuna.

Englands Fans haben sich unbeliebt gemacht

Er hatte aber das Gefühl, dass im Finale „Europa gegen England“ gespielt habe. Viele seiner deutschen Gäste drückten den Italienern die Daumen. „Die Engländer haben sich unbeliebt gemacht“, sagt Cuna und meint damit zum Beispiel die Buhrufe der englischen Fans während der Nationalhymnen anderer Länder. „Das hat etwas mit Respekt zu tun.“, findet auch Friseurmeisterin De Cato.

Elfmeterkrimi ist nichts für schwache Nerven

Letztlich sei der Sieg verdient, so Sattlermeister Romano. Italien habe während des gesamten Turniers „den schöneren Fußball gespielt“. Trotzdem sind alle der Meinung, es hätte nicht unbedingt ein Elfmeterschießen gebraucht. De Cato hielt die Anspannung während des finalen Dramas nicht aus. Sie musste in der Zwischenzeit draußen vor der Tür warten – mit zugehaltenen Ohren. „So etwas verträgt mein Herz nicht.“, sagt sie. Cuna und Romano waren da härter im Nehmen und konnten gebannt auf den Bildschirm starren. Aber als Jorginho den letzten Elfmeter von Italien verschoss, stockte Romano der Atem. Dann aber hielt Gianluigi Donnarumma den entscheidenen Strafstoß, das Lokal von Gastronom Cuna stand Kopf – und war damit sicherlich nicht alleine.




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