Fellbacher Bahnhof Rüffel für den Umgangsstil der Bahn

Von Dirk Herrmann 

Der FW/FD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Lenk rügt den Schienenkonzern, der die Aktionen zum Erhalt des persönlichen Serviceschalters „rigoros unterbunden“ habe. Fellbachs OB Zull sagt zu, einen Bahn-Beauftragten ins Gremium zu bitten.

Die Zukunft des  Reisezentrums im Fellbacher Bahnhof wird in der Lokalpolitik derzeit ausgiebig diskutiert. Foto: Patricia Sigerist
Die Zukunft des Reisezentrums im Fellbacher Bahnhof wird in der Lokalpolitik derzeit ausgiebig diskutiert. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Die heftige Kritik an der Deutschen Bahn setzt sich in Fellbach unvermindert fort: Es geht um die Pläne des Schienenkonzerns, den seitherigen persönlichen Service mit direkter Beratung am Schalter im Fellbacher Bahnhofsgebäude durch eine Videoberatung zu ersetzen. Nach der jüngsten Berichterstattung in unserer Zeitung, wonach die Bahn die diversen Aktivitäten boykottierte, indem sie etwa die von Initiatorin Marianne Kühlwein im Reisezentrum aufgehängten Plakate entfernte und Unterschriftenlisten einkassierte, sah sich nun Stadtrat Ulrich Lenk aus Schmiden zu einer längeren Einlassung in der Sitzung des Gemeinderats veranlasst.

Und auch aus Sicht der Bahn sei dies die „völlig falsche Methode“, wenn man neue Kunden gewinnen und die vielgepriesene Verkehrswende bewerkstelligen wolle

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/Freien Demokraten rügt vehement, dass die Bahn ohne Rücksprache mit der Stadt oder der Betroffenen selbst die Aktionen von Marianne Kühlwein „eigenmächtig und rigoros unterbunden“ habe. Die Bahn habe sich dabei auf ihr Hausrecht berufen und vor allem die bislang eingegangenen Rückmeldungen einfach konfisziert. „Wir halten dieses obrigkeitsstaatliche Vorgehen für nicht mehr zeitgemäß“, wettert Lenk.

Und auch aus Sicht der Bahn sei dies die „völlig falsche Methode“, wenn man neue Kunden gewinnen und die vielgepriesene Verkehrswende bewerkstelligen wolle. Als öffentliches oder zumindest halbstaatliches Unternehmen sollte die Bahn die Meinungen und Beschwerden ihrer Kunden „nicht unterdrücken, sondern offensiv aufgreifen und ernst nehmen“ und über „ehrliche Rückmeldungen und Feedbacks“ froh sein. Denn, „wie wir alle wissen“, habe die Bahn gerade diesbezüglich auf vielen Feldern einen riesengroßen Nachholbedarf.

Im Widerspruch dazu stehen die aktuellen Pläne, den persönlichen Bahnservice in Fellbach ganz einzustellen

Lenk erinnert zudem an das merkwürdige „Hin und Her der vergangenen Jahre“: So wollte man zum Beispiel noch vor drei Jahren am angekündigten Fellbacher Bahnhof der Zukunft eine Mobilitätszentrale mit zusätzlichem Personal einrichten.

Im Widerspruch dazu stehen die aktuellen Pläne, den persönlichen Bahnservice in Fellbach ganz einzustellen. Die Freien Wähler/Freien Demokraten halten es deshalb für angebracht, dass eine Vertreterin oder ein Vertreter der Bahn im Gemeinderat ihre Planungen vorstellt und dem Gremium Rede und Antwort steht.

Fraktionschef Ulrich Lenk sorgt sich im Übrigen auch um die „nach meiner Kenntnis mittlerweile erkrankte Bahnserviceschalter-Mitarbeiterin im Fellbacher Bahnhof“. Dieser sei ja von ihrem Arbeitgeber, der Bahn, über die Fellbacher Zeitung und damit auf öffentliche Weise Fehlverhalten vorgeworfen worden. Habe die Frau nun „mit arbeitsrechtlichen oder disziplinarischen Konsequenzen zu rechnen?“, erhofft sich Lenk Auskunft von der Fellbacher Oberbürgermeisterin.

Ähnliche Diskussionen und Proteste wie jetzt in Fellbach gab es auch schon in anderen Kommunen in der Region Stuttgart

Die FW/FD-Fraktion plädiert als Ideallösung dafür, den personenbesetzten Schalter im Fellbacher Bahnhof zu belassen und außerhalb der Öffnungszeiten den Beratungsservice mittels eines Video-Reisezentrums anzubieten. „Das wäre ein echter zusätzlicher Service“, so Lenk.

Das wäre dann jenes sogenannte Hybrid-Modell, wie es etwa in der Nachbarstadt Waiblingen eingeführt wurde – also die persönliche Auskunft per direktem Gegenüber im lokalen Reisezentrum wie auch per Video-Chat, der durch einen Mitarbeiter in der Auskunftszentrale in Ludwigsburg angeboten wird.

Ähnliche Diskussionen und Proteste wie jetzt in Fellbach gab es auch schon in anderen Kommunen in der Region Stuttgart. In Korntal-Münchingen unterschrieben im vergangenen Oktober fast 2500 Bürgerinnen und Bürger eine Petition gegen die Schließung des DB-Reisezentrums am Korntaler Bahnhof. In Zuffenhausen stemmt sich die Lokalpolitik gegen die Pläne der Bahn; die Bezirksbeiräte stimmten einstimmig für einen Antrag, das Zuffenhäuser Reisezentrum in seiner „bisherigen Form“ zu erhalten.

Und in Fellbach? Die Verwaltungsspitze will sich da nicht so eindeutig festlegen. Oberbürgermeisterin Gabriele Zull erklärte im Gemeinderat in ihrer Reaktion auf Ulrich Lenks Vorstoß, dass bereits „mehrere Termine vereinbart“ seien – zunächst mit der Interessensgruppe für den Erhalt des Serviceschalters und mit Fellbacher Seniorenvertretern. Auch mit der Bahn werde es einen Termin geben. Sie wolle „alle Seiten hören“ und „alles anschauen“ sowie „Vorteile und Nachteile“ herausfinden, sagte Zull und versprach, Bahnvertreter zu einem Auftritt in den Gemeinderat zu bitten. „Ansonsten möchte ich keine Stellung nehmen“, lautete Gabriele Zulls kurzes Statement.