Ferienhaus-Suche im Netz Die großen Portale im Test

Von Christian Haas 

Was bei Flügen und Hotels seit Langem möglich ist, etabliert sich auch für Ferienhäuser. Anbieter wie Holidu und Hometogo übernehmen für die Reisenden die zeitintensive Suche nach dem passenden Feriendomizil. Das macht vieles bequemer.

Als Unterkunft ür den Urlaub – wie hier auf Norderney – eignet sich ein Ferienhaus. Foto: dpa
Als Unterkunft ür den Urlaub – wie hier auf Norderney – eignet sich ein Ferienhaus. Foto: dpa

Stuttgart - „Mit ihrer warmen Ausstattung in diesem Haus, das Sie hier vom ersten Moment an werden Sie betreten, fühlen sich ganz wie zu Hause!“, verspricht das Ferienhaus Curlew in Cornwall. Das deutlich noblere Anwesen namens Clovertown beteuert: „Dieses schöne Einfamilienhaus mit großem Garten und gemütliche Sonnen Zimmer wird Ihnen den Urlaub Ihrer Träume!“

Die Übersetzungsprogramme haben noch so ihre Tücken. Doch die mitunter holprigen Eins-zu-eins-Wiedergaben aus dem Englischen bringen einen nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch – eine rudimentäre Objektbeschreibung ist schließlich besser als keine – Licht in den Dschungel von unzähligen privaten Ferienhäusern und -wohnungen. Genau diese Orientierungshilfe haben sich auch Vergleichsportale auf die Fahnen geschrieben. Die gibt es, anders als man annehmen könnte, erst seit Kurzem. Während Flüge und Hotels sich schon lange preislich gegenüberstellen lassen, war das mit den Ferienwohnungen bis vor drei Jahren nur mit viel Zeit- und Energieaufwand möglich. Denn man musste umständlich auf die diversen Anbieterseiten wie Fewo-direkt, Novasol, Booking.com, Tripadvisor und Co. gehen und dort vergleichen. Bei so einem Suchmarathon – es ging um ein Feriendomizil in Portugal – stellten die Brüder Johannes und Michael Siebers fest, dass eklatante Preisunterschiede herrschen, für ein und dasselbe Objekt und zum selben Zeitraum. Diese betragen aufgrund unterschiedlicher Gebührenstrukturen der Vermittler bis zu 55 Prozent! Warum gibt es keine Metasuchmaschine, die das lästige Preisevergleichen abnimmt, fragten sich die Siebers-Brüder. Antwort: weil die dahinter stehende Technologie deutlich komplexer ist als bei Hotel- oder Flugsuchen. „Es gibt keine eindeutigen IDs wie bei Flügen oder Namen wie bei Hotels“, erklärt Johannes Siebers. Zudem existieren für jede Ferienregion zahlreiche Anbieter und Webseiten, die keine gemeinsame Schnittstelle haben.

Eine Herausforderung, der sich die beiden stellten. Sie gründeten 2014 das Start-up Holidu, mit dem Ziel, die Planung und das Buchen eines Ferienhausurlaubs so einfach wie möglich zu machen. „Wir mussten eine Technologie entwickeln, die identische Objekte erkennt“, so Siebers. Und das gelang mittels einer selbst entwickelten Bilderkennungstechnologie. Diese identifiziert etwa ein Wohnzimmer, auch wenn es zu einem anderen Zeitpunkt und aus einem anderen Winkel fotografiert wurde. In Kombination mit weiteren Datenpunkten können so dieselben Objekte auf unterschiedlichen Plattformen erkannt und Preise verglichen werden.

Sieben Millionen Ferienwohnungen

Drei Jahre nach dem Start sind auf Holidu über sieben Millionen Ferienwohnungen und -häuser von Hunderten Anbietern zu finden, darunter auch ausgefallene Domizile wie Hausboote, Bauernhöfe, Landhäuser, Ferienwohnungen, Lofts und sogar ganze Schlösser und Residenzen. Egal, wohin es geht, das Versprechen lautet: „Sie brauchen auf keiner weiteren Seite mehr suchen und finden garantiert die richtige Unterkunft.“

Diesen Anspruch haben auch zwei andere deutsche Portale. Das eine, Vacaleo, ist im Frühjahr 2017 vom Privatvermietgiganten Airbnb geschluckt worden, und es ist anzunehmen, dass sich demnächst auch auf deren Seite das Ferienhaussegment verstärkt widerspiegelt. Das andere, Hometogo, hat sich, was das Angebot anbelangt, mit über zehn Millionen angegebenen Ferienwohnungen und -häusern an die weltweite Spitze geschoben. Das Berliner Start-up, hinter dem die Macher der erfolgreichen Flugmetasuche Swoodoo stecken, profitiert von einem generellen Boom der Ferienhausbranche. Vor allem in der Zielgruppe der 30- bis 39-Jährigen werden überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten festgestellt. Die neuen Portale könnten diese Entwicklung weiter befördern.

Testbesuch auf www.hometogo.de, auch hier geht es zum Vergleich nach Cornwall. Was sofort auffällt: Die niedrigeren Preise, die sich jedoch, selbst wenn eine ganze Woche als Wunschtermin eingegeben ist, auf die einzelne Nacht beziehen – trick-, aber nicht unbedingt hilfreich. Immerhin wird blass daneben auch die Endsumme angegeben. Wenig hilfreich ist auch die in der Übersichtsliste bei jedem Objekt hinzugefügte Top-Bewertung. Denn da steht quasi bei allen entweder „exzellent“, „hervorragend“ oder „sehr gut“, eine genauere Beschreibung der Bewertungen findet dann erst auf der weitergeleiteten Webseite des jeweiligen Anbieters statt, also extern (und mitunter auf Englisch). Was hier aber wie bei Holidu gut gelöst wurde, ist die Möglichkeit, nach bestimmten Kategorien zu filtern (Haustier erlaubt, Pool, Entfernung zum Meer; bei Holidu gibt es noch weitere, wenn auch zum Teil recht schwammige Suchkategorien wie „familienfreundlich“). Ebenfalls gut: die einfache, aber übersichtliche Navigation, die Lokalisierung der einzelnen Objekte auf einer Karte (wobei Holidu mit einer Street-View-Ansicht noch deutlich weitergeht). Nur der Vollständigkeit halber: Auch bei Hometogo stößt man – klar, weil die Texte ja von den externen Anbietern kommen – auf lustige Übersetzungen und manche irritierende Angabe wie „0 Quadratmeter Wohnfläche“.

App mit Merkliste

Was die beiden Mitbewerber neben dem Geschäftsmodell einer Provision bei erfolgreicher Vermittlung ebenfalls eint: Sie sind auch als App zu haben, wobei insbesondere das neue gemeinsame Such-Feature von Holidu interessant ist. Da können sämtliche Lieblingsangebote von allen Urlaubsteilnehmern in einer Merkliste gesammelt, bearbeitet sowie geliked werden. So sehen die Gruppenmitglieder auf einen Blick, wem welche Unterkunft am besten gefällt und welches Ferienhaus das Rennen macht. Doch auch bei dieser Variante bleibt ein Nachteil der Vergleichsportale: Sie können, was in der Natur der Sache liegt, nur auf die Daten zurückgreifen, die sie von den externen Anbietern erhalten. Sprich: Bietet ein Hausbesitzer auf seiner eigenen Website spezielle Konditionen an, dann findet keine der Metasuchen diesen Preis. Wer also sichergehen möchte, wirklich den allergünstigsten Preis zu bekommen, der wird auch in Zukunft länger mit der Suche nach der passenden Ferienunterkunft beschäftigt sein.




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