Wandel, vor allem hin zu mehr Nachhaltigkeit, ist das Schlüsselwort des diesjährigen Architekturnovembers. Was bietet das Festival der Architekten?

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)

Stuttgart - Auch in diesem Jahr prägt die Pandemie den Architekturnovember. Immer noch finden eine ganze Reihe Veranstaltungen digital oder hybrid statt. Die Corona-Zeit und ihre Auswirkungen schlagen sich zudem auch inhaltlich in dem Format nieder, mit dem der Bund Deutscher Architekten (BDA) Baden-Württemberg nun bereits zum sechsten Mal die Baukultur des Landes in den Fokus rückt.

Der Auftakt ist analog

Den Wandel der Innenstädte etwa hat die Pandemie beschleunigt. Wie sieht die Stadt der Zukunft aus, wer bespielt sie, wovon lebt sie? Fragen, die beim Auftaktabend diskutiert werden, der komplett analog stattfindet. Mit seinem „Pop-Up-Architekturforum“ geht der BDA Baden-Württemberg am 8. November genau dahin, wo’s passiert: in die Stuttgarter City ins ehemalige Sport-Arena-Kaufhaus in der Königstraße 23/25.

Wandel als roter Faden

„Wandel wann denn?“ Das klingt nicht ungewollt ungeduldig und ist die Frage, die sich bis 15. Dezember als roter Faden durch das traditionell knallgelb gefärbte Programm zieht. Wohnformen, Arbeitswelten, Mobilität, alles ist in Bewegung. Wandel sei allgegenwärtig, sagt die BDA-Landesvorsitzende Liza Heilmeyer. Vor allem aber der Veränderungsdruck, der durch die Klimakrise auf der Architektur lastet, ist enorm. so ist es nahezu zwingend für das von baden-württembergischen Hochschulen, Galerien und Architekturinstitutionen bestückte Festival, mit Werkvorträgen, Diskussionen und Ausstellungen Strategien für den Schwenk in Richtung Nachhaltigkeit aufzuzeigen.

Ein Bürogebäude als Energieproduzent

Beim ersten Vortrag der „Novemberreihe“ der Architekturfakultät der Universität Stuttgart“ lässt sich das Schweizer Renommier-Büro Herzog & de Meuron in die Karten schauen, wenn Stefan Marbach am 3. November im K2 das Projekt Hortus vorstellt, ein Bürobau, der seine Erstellungsenergie nach weniger als dreißig Jahren „zurückgezahlt“ haben will und komplett recyclingfähig ist. Der Münchner Architekt Florian Nagler will hingegen mit „Einfachem Bauen“ den Planeten schonen (10. November), Roger Boltshauser aus Zürich setzt auf Lehm (17. November), Minna Riska von Mdh Arkitekter aus Oslo (24. November) auf Holz.

Intelligent und sozial gerecht

Wie bauen wir die Welt zum Besseren? Dieser Leitfrage ordnet sich das hybride Symposium „Post Carbon Material Practices“ der AA London an der Akademie für Bildende Künste Stuttgart am 5. November genauso unter wie etwa „All Tomorrow’s Places“, der Vortragszyklus der Karlsruher KIT-Fakultät der Architektur. Es geht um intelligente und sozial gerechte, um ästhetisch raffinierte und originelle Architektur. Alle Vorträge sind auf Englisch, den Beginn macht am 3. November die indische Architektin Anupama Kundoo; am 24. November ist beispielsweise Marusa Zorec vom Büro Arrea arhitektura d.o.o. aus Ljubljana zu Gast. Ihr Ansatz ist regional, sparsam und nachhaltig, so gelingt es ihr, signifikante, qualitätvolle und vielfach preisgekrönte Orte zu entwickeln.

Starke Architektinnen

Erfreulich, dass wieder eine ganze Reihe starker Architektinnen ihre Arbeit präsentieren, so etwa auch die Lehmbaupionierin Anna Heringer aus Laufen (25. November) in der Punkt-7-Reihe der Hochschule für Technik Stuttgart sowie Mechthild Stuhlmacher vom Rotterdamer Büro Korteknie Stuhlmacher Architecten, das für die intelligente Transformation von Gebäudebestand bekannt ist (15. Dezember, Karlsruher Architekturvorträge).

Die „Großen Hugos“ werden vergeben

Höhepunkt des Festivals: die Verleihung des Hugo-Häring-Landespreises. Die salopp „Großen Hugos“ genannten Ehrungen werden in dem zweistufigen Verfahren alle drei Jahre vergeben, am 19. November im Alten E-Werk in Baden-Baden ist es wieder soweit. Was der Südwesten an preiswürdiger Baukultur zu bieten hat – von 22. November an sind die Gewinnerprojekte in einer Ausstellung im BDA-Wechselraum in Stuttgart zu sehen.

So geht’s los!

Auftakt
Bei der Auftaktveranstaltung am 8. November im ehemaligen Sport-Arena-Kaufhaus in der Stuttgarter Königstraße 23/25 findet ab 18 Uhr die Verleihung der Hugo-Häring-Auszeichnungen Stuttgart/Mittlerer Neckar 2020/21 wie auch des Nachwuchspreises Die*JungenHugos 2021 statt. Die Podiumsdiskussion zum „Wandel der Innenstädte“ im Anschluss bestreiten Thomas Krüger, HCU Hamburg, Anne-Julchen Bernhardt, RWTH Aachen/BeL Köln, Marc Gegenfurtner, Leiter Kulturamt Stuttgart. David Kasparek moderiert. Die Veranstaltung ist mit 2G (geimpft oder genesen)- Zugangsvoraussetzung geplant.

Programm
Das gesamte Programm des Architekturnovembers unter www.architekturnovember.de