Festnahme in Stuttgart Geldfälscher gehen gerne einkaufen

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Die Polizei nimmt einen Mann mit, der mit Falschgeld eingekauft haben soll. Insgesamt ist der Trend, Blüten in den Umlauf zu bringen, in Deutschland rückgängig.

Oft wird versucht, Falschgeld in Geschäften loszuwerden. Foto: dpa/Jens Büttner
Oft wird versucht, Falschgeld in Geschäften loszuwerden. Foto: dpa/Jens Büttner

Stuttgart - In zwei Lebensmittelgeschäften im Stuttgarter Osten ist ein Mann aufgefallen, der immer wieder mit Falschgeld bezahlt haben soll. Sieben mal soll er Blüten zum Bezahlen verwendet haben. Nach und nach haben die Ermittler Fakten zusammengetragen und waren nun so weit, dass sie einen Durchsuchungsbefehl für die Wohnung des Mannes bekamen. Dort fanden sie Beweismittel, die nun ausgewertet werden, meldet die Polizei. Nach der Festnahme am Dienstag kam der 30 Jahre alte Mann wieder auf freien Fuß.

Oft werden die Blüten über den Einzelhandel in den Umlauf gebracht

Viel verrät die Polizei noch nicht über den Mann. Nur, dass er ein Zimmer im Kreis Ludwigsburg gemietet hat und seine Einkäufe mit den gefälschten Banknoten im Stadtbezirk Ost der Landeshauptstadt tätigte. Ob es sich bei den gefundenen Beweismitteln um Druckplatten zur Herstellung weiterer Scheine oder um noch mehr Blüten handelte, das behält die Polizei beim jetzigen Stand der Ermittlungen noch für sich.

Der Einkauf ist eine beliebte Methode bei Tätern, die Blüten unters Volk bringen wollen: Sie kaufen relativ wenig für ein paar Euro ein und kassieren dann das Wechselgeld in echter Währung. Sie hoffen, dass in der Routine des Alltags die Fälschung nicht auffliegt – anders als wenn sie jemanden bitten würden, den Schein zu wechseln. Das würde vielleicht eher dazu führen, dass sich jemand den Fünfziger genauer anschaut. Erst Mitte des Monats hat jedoch eine Kassiererin in einem Geschäft in Weilimdorf eine Fälschung erkannt. Sie rief den Chef hinzu. Der Mann, der ihr die Blüte unterjubeln wollte, konnte flüchten. Manchmal können die Betreiber schnell genug die Polizei verständigen, sodass der Kunde festgenommen werden kann. Das gelang im März 2019 in einer Spielbank an der Lautenschlagerstraße. Die Bedienung benutzte dort ein Gerät, das Fälschungen erkennt. Der 50-jährige Kunde, der damit ein Getränk bezahlen wollte, konnte festgenommen werden. Auch hier handelte es sich um eine 50-Euro-Note.

Der Trend beim Vertrieb von Falschgeld geht ebenfalls zum Onlinehandel: Das belegt der Fall einer weiteren Festnahme, welche die Stuttgarter Polizei ebenfalls im März 2019 melden konnte: Ein 20 Jahre alter Tatverdächtiger aus Hedelfingen hatte ein ganzes Paket voller gefälschter Scheine im Netz bestellt. Weitere Währungskopien fanden die Ermittler dort nicht, aber einen Hinweis, dass der Mann es auch sonst nicht mit den gesetzlichen Vorschriften so genau nimmt: Die Beamten beschlagnahmten einen verbotenen Schlagring. Gleich mehrere Anzeigen handelte sich ein 38-jähriger Stuttgarter im Sommer 2018 ein: Er hatte im Osten der Stadt mit einem falschen Fünfziger bezahlt. Bei der Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei ganz andere Blüten, nämlich die einer ausgewachsenen Marihuanaplantage.

Insgesamt ist in Deutschland die Zahl der falschen Euroscheine im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. 559 000 wurden im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen – von Polizei, Handel und Banken. Das hat die Europäische Zentralbank bekannt gegeben. Damit sank die Zahl der Blüten zum Vorjahr um 4000 Stück. Der rechnerische Schaden lag im Jahr 2019 bei 29,2 Millionen Euro – nach 31,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor.




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