Feuerwehr Leonberg Auf den Brand des Jahrhunderts folgt die Baustelle der Superlative

Von Ulrike Otto 

Die Feuerwehr blickt auf ein einsatzreiches Jahr zurück. Für die Arbeiten am Engelbergtunnel sieht der Kommandant seine Truppe gut gerüstet.

Auf rund 114 Stunden Einsatz am Stück brachten es die Einsatzkräfte der Leonberger Feuerwehr beim Brand in der Vergärungsanlage. Foto: SDMG/Dettenmeyer
Auf rund 114 Stunden Einsatz am Stück brachten es die Einsatzkräfte der Leonberger Feuerwehr beim Brand in der Vergärungsanlage. Foto: SDMG/Dettenmeyer

Leonberg - Und dann macht es Boom! Eine Feuerwolke steigt auf, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ein kurzes Video, ein Foto wie oben – ein ­Ereignis für die Geschichtsbücher. Kein Einsatz hat das vergangene Jahr für die Leonberger Feuerwehr so sehr geprägt wie der Brand der Vergärungsanlage. Rund 114 Stunden waren die Einsatzkräfte im Einsatz – am Stück.

Kommandant Wolfgang Zimmermann nimmt sich während der Jahreshauptversammlung am Freitagabend in der Höfinger Strohgäuhalle ausführlich Zeit, die Ereignisse vom 11. September 2019 und folgenden Tagen zu schildern. Beim größten Einsatz der Leonberger Wehr seit dem großen Brand in der Altstadt im Jahr 1895 – welcher damals zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr führte – war am späten Abend des Vortags ein Feuer in der Anlage ausgebrochen. Erst gegen 2 Uhr war der Brand gemeldet worden. Da standen große Teile der Gebäude schon lichterloh in Flammen, teilweise war ein Hallendach schon eingestürzt.

Gefährliche Gase

Doch viel größere Gefahr ging von Gasen aus, die bei den Vergärungsprozessen entstehen und aus denen in verschiedenen Anlagenteilen Strom und Wärme erzeugt werden. So gab es mehrere Explosionen, die größte davon zeigte das Video. „Die Kameraden haben sich die Böschung hinunter geschmissen. Und sind anschließend wieder hochgekrabbelt und haben weiter gemacht“, erinnert sich der Kommandant in seiner Rede. Bis auf ein paar Schürfwunden ging alles glimpflich aus. Wie sehr so ein Erlebnis nachhängt, aber auch die Hochachtung und Dankbarkeit sind spürbar. „Das war eine tolle Mannschaftsleistung“, sagt Zimmermann.

Rund 200 000 Euro hat der Einsatz insgesamt gekostet, an dem weitere Feuerwehren aus dem Umkreis beteiligt waren, aber auch verschiedene DRK-Ortsvereine sowie das THW aus Leonberg und Böblingen. Die Kosten muss die Stadt Leonberg tragen. In Verhandlungen mit dem Kreis Böblingen, der die Anlage betreibt, wurde erreicht, dass dieser 140 000 Euro übernimmt. Insgesamt beläuft sich der Schaden durch den Brand auf 22 Millionen Euro.

Weniger Einsätze, mehr Freiwillige

Der Einsatz an der Vergärungsanlage war indes nur einer unter 468. Damit verzeichneten die Leonberger einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (501). Die magische Zahl von 500 ist in diesem Jahrtausend indes erst zwei Mal überschritten worden. Künftig könnte die Höhe weiter zurückgehen. So hat die Stadtverwaltung einen Vertrag mit einer Firma geschlossen, die sich künftig darum kümmert, Ölspuren im Stadtgebiet zu beseitigen.

„Vor fünf Jahren waren es noch 160 Mitglieder, jetzt sind es schon 203 in der aktiven Feuerwehr“, lobte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Als positives Beispiel hob er eine Kooperation mit der Verwaltung im vergangenen Jahr ­hervor, in der städtische Mitarbeiter zu Feuerwehrleuten ausgebildet wurden. ­Immerhin zwölf traten dadurch der Leonberger Feuerwehr bei.

Seine Feuertaufe meisterte das Luf beim Brand in der Vergärungsanlage. Foto: Feuerwehr Leonberg

Kostenlos ins Bad als Dank

Der Höfinger Abteilungskommandant Klaus Schmid konnte seinen Kameraden noch eine freudige Botschaft verkünden. „Alle Mitglieder haben jetzt freien Eintritt in die Leonberger Bäder.“ In seiner Wache in Höfingen durfte er zudem einen weiteren neuen „Mitarbeiter“ aufnehmen. Luf heißt dieser – das steht für Löschunterstützungsfahrzeug und ist seit vergangenem Februar im Dienst. Seine erste Bewährungsprobe hatte der Löschroboter, der per Fernbedienung gesteuert wird, beim Brand in der Vergärungsanlage. ­Angeschafft wurde er jedoch wegen der anstehenden, auf vier Jahre angelegten Sanierungsarbeiten in den Röhren des Engelbergtunnels.

Bereit für die Tunnel-Baustelle

Für dieses Großprojekt sieht sich der Kommandant Wolfgang Zimmermann gut gerüstet. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt er. Bereits im Vorfeld waren für neun ­Millionen Euro der Brandschutz und die Sicherheitstechnik erneuert worden. Demnächst erfolgt ein letzter Test, dann wird alles scharf geschalten. Regelmäßig finden zudem Besprechungen mit allen Einsatzkräften der Feuerwehren Leonberg und Gerlingen, der Polizei, des Rettungsdienstes, der Autobahnmeisterei sowie des Regierungspräsidiums (RP) statt. Im März 2019 wurde der Ernstfall simuliert.

So wurden das Luf und ein Abrollbehälter „Tunnel“ vom RP angeschafft und ein dazugehöriger Wechsellader teilfinanziert. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, sagt Zimmermann. Durch die Vorbereitungen für die Tunnelbaustelle arbeite man mittlerweile Hand in Hand. Zuvor seien beide Wehren sehr auf sich ­allein gestellt gewesen. Angst vor der Baustelle habe man keine. Allerdings stelle man sich darauf ein, dass durch den zu erwartenden häufigeren Stau die Ausrückzeiten länger werden.




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