Feuerwerk zu Silvester im Strohgäu Nicht überall ist die Knallerei erlaubt

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An Silvester wird geböllert. In Ditzingen gab es schon drei Tage zuvor ein Feuerwerk. Zur Verkaufsförderung.

Feuerwerk vor der Silvesternacht: Der Baumarkt zeigt seine Angebote. Foto: factum/Jürgen Bach
Feuerwerk vor der Silvesternacht: Der Baumarkt zeigt seine Angebote. Foto: factum/Jürgen Bach

Strohgäu - „Ah“ und „oh“ zu Hunderten, dazu Dutzende Male „mega“ oder „geil“: Die Menschen schauen dabei in den Himmel. Früher Samstagabend auf dem Parkplatz eines Baumarkts in Ditzingen. Ja, ist denn schon Silvester? Es kracht und knallt, silberne, rote oder grüne Streifen ziehen mit Getöse über den Himmel. Und Qualm zieht ab. Der Baumarkt zeigt Feuerwerk – so, wie es die Zuschauer auch selbst abbrennen können. Pyrotechniker Patrick Entenmann zündet eine Batterie nach der anderen. Die Ansagerin beschreibt die Effekte von „Volles Rohr“ zu 14,99 Euro über „Black Box“ bis zu „ProfiLine 4XL“ (139 Euro).

Nach dem Schaufeuerwerk wird es voll an den Verkaufstischen. Schon zuvor suchen sich Manuela Walter und Stefan Münz ein paar Dinge „zum Rumknallen“. „Ich will nur einmal anzünden“, sagt er, und sie meint „ich genieße es lieber“. Nach der halbstündigen Ballerei ist Familie Scherle aus Ditzingen am Rand des Parkplatzes noch unschlüssig: Soll man nun „wegen der Kinder“ ein paar Raketen kaufen oder nicht? Was viele Feuerwerksfreunde nicht wissen: Es darf nicht überall geböllert werden. Hier ein Überblick über Strohgäu und Landkreis.

Tierschützer schlagen „Knallzonen“ vor

In Ditzingen gibt es in der Neujahrsnacht keine speziellen Sperrgebiete für das Abbrennen von Feuerwerk. Die Feuerwehr rückte seit 2010 im Durchschnitt einmal pro Neujahrsnacht aus. Wobei vor allem private Rauchmelder Fehlalarme auslösen. Der Feuerwehrsprecher Andreas Häcker rät deshalb, Fenster zu schließen – so könne kein Rauch in die Wohnung eindringen, der einen Fehlalarm auslöse.

Für Tierschützer ist der Jahreswechsel ein Graus – wenn sie an ihre Schützlinge denken. „Silvester ist für Tiere eine sehr schwere Nacht“, sagt Giesela Mayer vom Tierschutzverein Ditzingen. Im nächsten Jahr will sie dem Gemeinderat einen konkreten Vorschlag unterbreiten: Die Stadt solle „Böllerzonen“ und „Ruhezonen“ ausweisen. Sie könne sich drei Zonen vorstellen, in denen die Knallerei erlaubt werde: an der Korntaler Straße in Richtung Grüner Heiner, beim Sportplatz Lehmgrube und oberhalb der Panoramastraße.

Tierhalter sollten an Silvester ihre Lieblinge ins Haus holen und das Gassigehen spätestens um 17 Uhr beenden, rät Giesela Mayer – danach werde die Knallerei stärker und für die Tiere immer unerträglicher. Für das Schaufeuerwerk des Baumarkts hat Mayer Verständnis: Die Händler wollten mit Pyrotechnik Umsatz machen – andererseits unterstütze der Markt den Tierschutzverein mit Futterspenden.

Sperrgebiete rund um Altenheime

In Korntal-Münchingen sind etliche Sperrgebiete für Raketen und Kanonenschläge ausgewiesen. Dazu gehören in Korntal die großen Bereiche um den Saalplatz und die Altenheime in der Friederichstraße und auf dem Roßbühl, sowie um die Volkshochschule. In Münchingen gibt es Sperrzonen am Rathaus, in der Schloßgasse und am Altenheim beim Spitalhof.

Im benachbarten Gerlingen gilt heuer erstmals ein Böllerverbot auf dem Rathausplatz. Damit will man die Eisbahn und die Holzbuden drumherum schützen. Im Feuerwehrhaus wird es keine Party in Einsatzkleidung geben. „Wir sind so schnell draußen wie sonst auch“, sagt der stellvertretende Kommandant Denis Blos. „Die letzten Silvester waren so ruhig, dass wir keine Bereitschaft brauchen.“ Kleinere Brände in der Neujahrsnacht gab es zuletzt 2018, 2014, 2012 und 2011.

In Hemmingen gebe es keinen „Hotspot“, sagt der Feuerwehrkommandant Marco Spera. In den vergangenen Jahren sind laut dem Bürgermeister Thomas Schäfer einige kleinere Brände, meist in Mülleimern, glimpflich abgegangen.

Immer wieder Brände durch Raketen

In Ludwigsburg gibt es außer den Sperrzonen um die Kirchen und Krankenhäuser laut der Stadt „keine weiteren Einschränkungen“. Die Feuerwehr sei in Bereitschaft wie immer. Die hatte einen größeren Einsatz am 1. Januar 2017 um 0.45 Uhr in der Leonberger Straße, als eine Rakete einen Dachstuhlbrand auslöste.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen weist darauf hin, dass auch in der Silvesternacht das Schießen mit Signal- oder Schreckschusswaffen nur auf dem eigenen Grundstück erlaubt ist – aber nur senkrecht nach oben und wenn keine leicht brennbaren Objekte in der Nähe sind. Silvesterböller oder Raketen sind in großen Teilen der Bietigheimer Altstadt verboten.

In Vaihingen an der Enz gibt es keine besonderen Feuerwerk-Sperrgebiete außer den gesetzlich definierten Bereichen von Kliniken und Altenheimen.

Kornwestheim weist darauf hin, dass gesetzliche Sperrzonen um jedes Fachwerkhaus gelten. Das letzte große Feuer gab es in der Silvesternacht 2000/2001, als eine Rakete den Dachstuhl einer Scheune in der Altstadt in Brand steckte.

In Remseck gibt es keine besonderen Sperrzonen für die Silvesterböllerei. Die Feuerwehr ist in besonderer Bereitschaft.

Gesetzliches Verbot rings um Fachwerkhäuser

In den Fachwerkstädtchen Markgröningen und Besigheim greift das gesetzliche Feuerwerksverbot rings um Fachwerkhäuser. In Markgröningen gibt es laut dem Bürgermeister Rudolf Kürner zudem eine Sperrzone in der Innenstadt, worauf das Rathaus mehrfach hinweise. In Besigheim erinnert man sich an zwei Wohnhausbrände, die mutmaßlich durch Silvesterraketen ausgelöst wurden.

Wegen der vielen Fachwerkhäuser ist per Gesetz auch die Altstadt von Marbach quasi komplett eine Sperrzone für Böllerei. Ein Sicherheitsdienst wache darüber, dass das Verbot auch eingehalten werde. In Steinheim gibt es kein besonderes Feuerwerksverbot im Ort.

Die evangelische Kirche hat mit „Brot statt Böller“ wieder bundesweit dazu aufgerufen, auf Feuerwerk zu verzichten. Das Geld dafür sei als Spende für Arme in der Welt sinnvoller angelegt. Die Stimmung einer Silvesterparty richte sich nicht nach der Zahl der abgefeuerten Knaller, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin der Hilfsaktion „Brot für die Welt“.

Was erlaubt ist

Verkauf
Nach gesetzlichen Bestimmungen ist der Verkauf nur erlaubt vom 29. bis zum 31. Dezember. Weil in diesem Jahr der 29.12. ein Sonntag war, durften die Verkaufsstellen Feuerwerk bereits am Samstag davor anbieten. Experten raten dazu, nur Feuerwerkskörper mit dem Prüfzeichen CE zu kaufen.

Abschießen
Laut dem Sprengstoffgesetz dürfen Feuerwerkskörper nur gezündet werden am 31. Dezember sowie am 1. Januar. Generell verboten ist Feuerwerk in der Nähe von Krankenhäusern, Altenheimen und Kirchen. Kommunen können begrenzte Gebiete für Feuerwerk sperren – wie dieses Jahr den Rathausplatz in Gerlingen. Ein Feuerwerksverbot gilt übrigens auch rings um das Schloss Solitude. Dort kontrolliert ein Sicherheitsdienst.