Feyenoord Rotterdam gegen 1. FC Union Berlin Was bedeuten die Fan-Ausschreitungen für das Spiel beim VfB Stuttgart?

Manche Union-Anhänger wurden erst weit nach Spielbeginn ins Stadion gelassen. Foto: dpa
Manche Union-Anhänger wurden erst weit nach Spielbeginn ins Stadion gelassen. Foto: dpa

Rund um das Spiel zwischen Feyenoord Rotterdam und Union Berlin gab es Verletzte und Festnahmen – an diesem Sonntag treten die Eisernen nun beim VfB an.

Sport: Marco Seliger (sem)
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Stuttgart/Rotterdam - Wenn das, um was es eigentlich geht, in den Hintergrund rückt und es nach einem Fußballspiel nur noch um das geht, was darum herum passiert ist, war das noch selten ein gutes Zeichen. Erst recht nicht, wenn sich Protagonisten und Verantwortliche hinterher darüber streiten, wer an allem schuld gewesen ist.

Am Donnerstagabend in Rotterdam war es mal wieder so weit. Der Fußball zeigte sein hässliches Gesicht, so heißt es dann in solchen Fällen immer genauso hässlich – das Ergebnis des Spiels in der Conference League zwischen Feyenoord und dem 1. FC Union Berlin, das die Gastgeber 3:1 gewonnen hatten, interessierte hinterher jedenfalls keinen mehr. Es ging stattdessen um die Deutungshoheit über die Geschehnisse fernab des grünen Rasens in dieser Fußballnacht. Und in diesem Fall ging es um diese Frage: Wer zeigte sein hässliches Gesicht – war es die Polizei in Rotterdam, oder waren es die mitgereisten Fans des 1. FC Union?

Was also ist passiert?

Die dramatischen Bilder von blutenden Anhängern und chaotischen Szenen rund um das Stadion rückten den Einsatz der niederländischen Polizei und das Verhalten der mitgereisten Union-Anhänger in den Fokus – die Darstellungen darüber, was genau abgelaufen ist, gehen weit auseinander.

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Unions Kommunikationschef Christian Arbeit war einer der Ersten, der die Deutungshoheit für sich beanspruchte. Er sagte: „Es gibt Bilder von zahlreichen Verletzten von einem offensichtlich sehr harten Polizeieinsatz – das ist in der Gesamtheit einfach inakzeptabel.“ Insgesamt 75 Personen wurden rund um die Begegnung im Stadion De Kuip festgenommen.

Andere Darstellung

Während Union-Fans in sozialen Medien später von gezielten Angriffen und willkürlichen Festnahmen vor dem Spiel berichteten, stellte die Polizei die Vorfälle anders dar. Demnach habe zunächst eine Gruppe von 59 Union-Anhängern die Konfrontation mit Fans von Feyenoord gesucht. Sie standen laut Polizei im Verdacht, „offene Gewalt vorzubereiten“. Weitere 16 Personen werden unter anderem des Vandalismus verdächtigt.

Die Berliner Fan-Solidargemeinschaft „Eiserne Hilfe“ bewertet die Geschehnisse vor der Partie anders. Sie rief Betroffene dazu auf, Gedächtnisprotokolle zu erstellen, um die Vorfälle aufzuklären. Auf dem Twitter-Account der Solidargemeinschaft wurden auch Fotos der Verletzten gezeigt. Der Polizei wurde vorgeworfen, gezielt die Köpfe attackiert zu haben.

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In einem Wohngebiet vor dem Stadion habe es laut Andreas Lattemann, dem Vorsitzenden der „Eisernen Hilfe“, Übergriffe seitens der Polizei mit Hunden und Schlagstöcken gegeben, bei denen mehrere Menschen verletzt worden seien. Dies bestätigten die Beamten – sie sahen den Auslöser für die Eskalation aber bei den Berlinern. Laut Polizei wurden drei Union-Fans und ein Polizist von einem Hund gebissen und medizinisch versorgt. Lattemann berichtete außerdem von „mindestens fünf Leuten mit Platzwunden“.

Klare Worte

Vor dem Einlass in den Gästeblock kam es später zu langen Wartezeiten. Die 2400 mitgereisten Berliner waren teilweise bis lange nach Spielbeginn nicht auf ihren Plätzen. „Es ist eine katastrophale Einsatzsituation, wenn mehrere Hundert Menschen mit Eintrittskarten bis zur Halbzeitpause nicht im Stadion sind. Dann kann irgendetwas nicht stimmen“, sagte Union-Sprecher Arbeit.

Der Club kündigte später als Folge der gesamten Vorfälle in Rotterdam Gespräche mit Feyenoord und der Europäischen Fußball-Union Uefa an. „Wir werden darüber reden müssen, wie so etwas auf europäischem Niveau passieren kann. So ist das nicht hinnehmbar“, sagte Arbeit weiter.

Attacke auf die Union-Delegation

Insgesamt war der Trip nach Rotterdam für Union eine Reise zum Vergessen. Bereits nach der Ankunft am Mittwoch war eine Delegation um Präsident Dirk Zingler von einer Gruppe niederländischer Hooligans bei einem Besuch in einer Bar nahe des Teamhotels tätlich angegriffen worden. Die Berliner wurden mit Tischen und Stühlen beworfen, die Polizei muste eingreifen. Feyenoord entschuldigte sich und versprach Aufklärung.

An diesem Sonntag nun gastiert der 1. FC Union in der Bundesliga beim VfB Stuttgart. Der VfB erwartet rund 750 Gästefans der Eisernen – nach Angaben eines VfB-Sprechers hat die Krawallnacht von Rotterdam nach einem Austausch mit den Sicherheitsbeauftragten des 1. FC Union keine Auswirkungen auf das bestehende Sicherheitskonzept in der Mercedes-Benz-Arena.




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