Film über einen Trip bis zum Corona-Stopp „Friendz in a Benz“: Zwei Stuttgarter reisen ins Ungewisse

Lars Fischer (links) und Kevin Wimmer sind auf der  Panamericana, der längsten Straße der Welt, gefahren – mussten aber nach acht Monaten vorzeitig wegen Corona ihre Reise aufgeben. Foto: Wimmer/Fischer 18 Bilder
Lars Fischer (links) und Kevin Wimmer sind auf der Panamericana, der längsten Straße der Welt, gefahren – mussten aber nach acht Monaten vorzeitig wegen Corona ihre Reise aufgeben. Foto: Wimmer/Fischer

Die Panamericana ist die längste Straße der Welt – ein Mythos. Zwei junge Stuttgarter wollten vier Klimazonen in einer E-Klasse durchqueren – Corona stoppte sie nach acht Monaten. Jetzt erscheint ihr Film „Friendz in a Benz“.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Ein kleines, aufklappbares Zelt auf dem Dach einer weißen E-Klasse von 1991 war ihr Schlafplatz für acht Monate. Kevin Wimmer und Lars Fischer aus Degerloch und Sonnenberg, zwei Freunde seit Schülertagen, sind jünger als das Auto mit dem Stern. Schweren Herzens mussten sie es in Peru zurücklassen, als die britische Botschaft half, die in der Pandemie gestrandeten Stuttgarter nach wochenlanger Ungewissheit in die Heimat zurückzuholen.

Als die Freunde im September 2019 in ihrem Benz, der zur ersten Generation der E-Klasse zählt, in Hamburg auf dem Frachtschiff nach Uruguay loslegten, war die Vorfreude riesig. Auf dem Tacho des damals 29-jährigen Fast-Oldtimers (jetzt mit 30 gibt’s ein H-Kennzeichen) standen 155 000 Kilometer. Eine über 90-jährige Nachbarin hatten ihnen das Auto günstig verkauft – für eine Reise ins Ungewisse.

„Wir haben nie negative Erfahrungen mit Menschen gemacht“

Vier Klimazonen, dichter Dschungel, Pässe des Hochgebirges – die Panamericana ist Legende. Die Traumstraße führt vom südlichsten Punkt in Südamerika bis zum nördlichsten Punkt in Nordamerika über 25 000 Kilometer. Corona war noch weit weg. In den ersten Monaten genossen sie ein Leben in fremden Welten, etwa in der Salzwüste de Uyuni, am über 5900 Meter hohen Vulkan Licancabur, zwischen Bolivien und Chile. Es war ein Leben in einfachen Verhältnissen. „Wir haben nicht eine einzig negative Erfahrung mit Menschen gemacht“, berichtet Wimmer. Vorgesorgt hatten sie immer. „Unsere Wertsachen haben wir nie offen gezeigt“, sagt der heute 25-Jährige, „und sie beim Schlafen in Fahrzeugteile verbaut.“ Keiner hätte sie finden können. Ein Pfefferspray lag griffbereit am Schlafplatz – es wurde nie gebraucht.

Der Tourismuskaufmann Kevin und der Industriekaufmann Lars – für die Reise ihres Lebens hatten sie, damals waren beide noch Singles, ihren Job aufgegeben – freuten sich über die Lebenslust von Menschen, die wohl wenig zum Glück brauchen. Kevin, ein Halb-Brasilianer, und Lars, ein Finne, konnten mit ihnen gut Spanisch sprechen.

Am Rio Ucayali, das hat beide geschockt, haben Eltern ihre Kinder aufgefordert, den Plastikmüll einfach in den Amazonas-Fluss zu werfen. Gar nicht lustig fanden sie, wenn etliche beim Anblick von Deutschen die Hand zum Hitlergruß erhoben. „Wir haben ihnen gesagt, dass dies bei uns verboten ist.“

Wie die Flucht aus Peru gelang

Wochenlang ging’s durch den Amazonas ohne Handyverbindung, die „Friendz vom Benz“ genossen die Natur- und Tierwelt in völliger Abgeschiedenheit, weit weg vom Netz. Als sie nach drei Wochen zurück in die Zivilisation kamen, war die Welt eine andere geworden. „Wir wussten wenig über Corona“, sagt Kevin Wimmer, „hatten Angst davor und saßen nun fest.“ Man schickte die Jungs aus Stuttgart in Quarantäne in ein Youth Hostel. Die Reise war damit beendet.

Gestrandet waren Kevin und Lars mit etlichen Briten. Man freundete sich an, verbrachte die Zeit mit Nichtstun, in Sorge, wann die Heimreise gelingen könnte. Die britische Botschaft handelte schneller als das deutsche Außenministerium.

Nach Wochen des Wartens erfuhren die Engländer, dass ihr Staat sie zurückfliegen werde. Zwei Plätze waren noch frei. Die Briten nahmen – Brexit hin, Brexit her – ohne bürokratische Hürden die Deutschen mit. So landeten die Stuttgarter in London. Daheim! Sechs Monate früher als geplant.

Gelingt es, den Benz aus Peru zurückzuholen?

Ihr Benz aber fehlt. Der blieb in der Obhut von Freunden in Peru. Diese waren es auch, die Festplatten mit Bildmaterial aus der E-Klasse holten und nach Deutschland schickten. Daraus ist nun der faszinierende Film „Friendz in a Benz“ entstanden, der an diesem Samstag ins Netz geht. Mehr Geschichten und Bilder findet man auf ihrem Instagram-Kanal kevinundlars.

Um das tolle Auto, den treuen Begleiter in acht Monaten, zurückholen zu können, bleibt nicht viel Zeit. Peru wird die E-Klasse im April beschlagnahmen. Dann läuft die „Aufenthaltsgenehmigung“ aus. Wegen Corona hat der Staat die Grenzen dicht gemacht. Wer den Film sieht, wird sich in den Benz verlieben – und auch in die Freiheit, andere Kulturen und Kontinente kennenzulernen. Die Pandemie engt nun die Welt beängstigend ein. Solange wir nicht reisen können, sind Reisefilme wie „Friendz in a Benz“ wie ein kleiner Urlaub zwischendurch.




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