Film über Kunstfluglegende Der letzte Flug des Wolfgang Dallach

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Ein halbes Jahr nach seinem Absturz über Rechberghausen läuft am Messelberg ein Film über den Kunstflieger, Flugzeugkonstrukteur und Menschen Wolfgang Dallach. Die Donzdorfer Fliegerkameraden wollen damit ihrem bekanntesten Eigengewächs gedenken.

Am Steuerknüppel seiner Diabolo hat Wolfgang Dallach eigentlich alles gekonnt. Foto: Dorian Schmid
Am Steuerknüppel seiner Diabolo hat Wolfgang Dallach eigentlich alles gekonnt. Foto: Dorian Schmid

Donzdorf - Kein Jahr ist es her, da war der Auftritt von Wolfgang Dallach beim Flugtag am Donzdorfer Messelberg einer der Höhepunkte. Er zeigte Überkopfflüge, Salti oder seinen berühmten Rollenkreis, den keiner so exakt flog wie er. Wieder gelandet, machte er mit seiner selbst weiter entwickelten Diabolo die obligatorische Verbeugung. Eine falsche Bewegung und der Propeller hätte den Boden gestreift und die Maschine zerfetzt. Doch der Dallach, der konnte das. Der konnte eigentlich alles, wenn er am Steuerknüppel saß.

Viele zweifelten an ihrem Hobby

Ende August steht am Messelberg wieder ein Flugtag an. Doch Dallach wird fehlen, erstmals seit Jahren. Vor einem halben Jahr ist er über Rechberghausen abgestürzt. „Wir waren fassungslos“, erinnert sich Michael Baer, der als Moderator der Flugtage Dallachs Auftritte ansagte. Hier am Messelberg hat Dallach seinen ersten Alleinflug absolviert, irgendwann in den 70er Jahren. Er war Vizeeuropameister im Kunstflug und hat selbst Flieger konstruiert. So viele Flugstunden wie er hatte keiner. Dass ihm ein solcher Unfall passieren könnte, hätte niemand geglaubt. „Es gab hier einige, die danach überlegt haben, ob sie mit dem Fliegen aufhören“, sagt Baer.

Mit einer Filmvorführung gedenkt die Fliegergruppe Donzdorf am Samstag ihrem bekanntesten Eigengewächs. Gedreht hat den Streifen namens „Flieger“ der junge Heubacher Filmemacher Dorian Schmid. Mit seiner Firma Polytainment stellt er Imagefilme für Unternehmen her. Einmal im Jahr aber nimmt er sich die Freiheit, ein besonderes Projekt anzugehen. So kam es zum Kontakt zu Dallach, den er zufällig auf dem Heubacher Flugfeld kennengelernt hatte. Im Laufe der einjährigen Dreharbeiten wurde er für Schmid zu einem väterlichen Freund. „Wir haben beide früh unsere Väter verloren“, sagt Schmid.

Der Protagonist hat den Film nie gesehen

Der Film ist ungewollt ein Nachruf geworden. Der Protagonist, der Schmid bereitwillig Rede und Antwort stand und einige Liter Sprit verflog, hat den fertigen Film nie gesehen. Der Termin für die Privatvorführung einer ersten geschnittenen Fassung war vereinbart. Dann kam der tragische Absturz über Rechberghausen.

Was mache ich nun mit dem ganzen Material? Die Frage musste der 31-Jährige sich beantworten. Er solle die besten Szenen gewinnbringend an Fernsehsender und Onlineplattformen verhökern, so lange sich mit dem Thema Dallach Geld machen ließe, riet ihm ein Dozent der Münchner Filmhochschule, an der Schmid studiert hat. Ein anderer Professor meinte, er müsse die Aufnahmen nun einmotten.

Die Faszination der dritten Dimension

Letztlich hat sich Schmid über beide Ratschläge hinweggesetzt. Klar war ihm, dass der Film, so wie er ihn gemacht hatte, nicht bleiben konnte. Einige Kunstflugszenen flogen raus, stattdessen rückte er den Menschen Dallach in den Mittelpunkt, der sich wohl auch immer ein wenig verkannt gefühlt habe. „Es ist ein viel persönlicherer Film geworden“, sagt Schmid.

Es sei „diese dritte Dimension, die einem sonst keiner geben kann“, die ihn an seinem Sport so fasziniere, bekennt Dallach im Film: „Wenn man von der absoluten Schwerelosigkeit plötzlich mit dem neunfachen seines Körpergewichts in den Gurten hängt.“ Später redet seine Tochter über die Angst, die sie hat, wenn ihr Vater seine Pirouetten dreht. Dabei steht sie ausgerechnet vor jener Piper, mit der ihr Vater am 18. Januar 2015 abgestürzt ist. Dann setzt sich Dallach an das Klavier in seinem Hangar in Heubach, in dem er seine Flugzeuge konstruierte und spielt Bachs Präludium aus dem wohltemperierten Klavier. Es ist sein eigenes Ave Maria geworden.




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