Film- und Sportkonzern Machtkampf bei Constantin Medien

Von Thomas Magenheim 

Bei dem Film- und Sportkonzern Constantin Medien tobt ein filmreifer Aktionärsstreit. Zum Eignertreffen droht ein Eklat. Es geht um Strategie, Macht und viel Geld – und um die mögliche Zerschlagung des Konzerns.

Die von Constantin Film produzierte Komödie „Fack ju Göhte“  mit Schauspielerin Katja Riemann war 2013 ein Kassenschlager. Foto: dpa
Die von Constantin Film produzierte Komödie „Fack ju Göhte“ mit Schauspielerin Katja Riemann war 2013 ein Kassenschlager. Foto: dpa

München - Manche Drehbücher schreibt das Leben, und sie sind schmutzig. Schauplatz des Geschehens ist die Münchner Constantin Medien, ein Zerfallsprodukt der 2002 spektakulär untergegangenen Kirch-Gruppe. Die Protagonisten sind schillernd. Auf der einen Seite steht Dieter Hahn, der einmal als die rechte Hand des verstorbenen Pleitiers Leo Kirch galt. Auf der anderen Seite agiert der Schweizer Geschäftsmann Bernhard Bur­gener, bis Ende des vorigen Jahres Constantin-Vorstandschef. Beide haben sich teils über Mittelsmänner jeweils knapp 30 Prozent am Medienkonzern gesichert, sagen Börsianer. Beide werden an diesem Mittwoch zum zweiten Mal dieses Jahr zur Constantin-Hauptversammlung aufeinanderprallen.

„Es wird zum Showdown kommen“, sagt ein intimer Kenner der Verhältnisse voraus. Schon jetzt stehen sich beide Parteien unversöhnlich vor diversen Gerichten in Deutschland und der Schweiz gegenüber. Sollte sich die Hahn-Seite beim kommenden Aktionärstreffen durchsetzen, werden Burgener und ein Kompagnon von Constantin Medien auf Schadenersatz verklagt. Es kann aber auch anders kommen, und Burgener schafft es, die Hauptversammlung auf seine Seite zu ziehen. Dann wird er den Constantin-Aufsichtsrat mit Vertrauten besetzen, und die Tage von Konzernchef Fred Kogel sind gezählt, weil dieser sich auf Hahns Seite geschlagen hat. Das ist der Spannungsbogen, zu dem auch der Hauptversammlungsort passt. Getagt wird im Wirtshaus Paulaner am Nockherberg, dem Starkbiertempel Münchens schlechthin.

Schon im Juli ging es bei der Hauptversammlung deftig zu

Deftig ist es schon zur im Chaos versunkenen Hauptversammlung Anfang Juli zugegangen, die nun eine Neuauflage erfährt. „Einige Frösche versuchen, die Trockenlegung ihres Teichs zu verhindern, indem sie es sich auf Kosten unseres Unternehmens über Jahre gemütlich gemacht haben“, hat Hahn damals gepoltert. Mit den Fröschen waren Burgener und Mitstreiter gemeint. Um das zu verstehen, muss man Constantin kennen. Der Medienkonzern besteht aus drei Teilen. Da ist Deutschlands führender Sportsender Sport 1, das überaus lukrative Geschäft mit dem Sportrechtehandel über die Tochterfirma Team (Fußball-Champions-League) sowie der hierzulande größte unabhängige Hersteller und Verleiher von Kinofilmen Constantin Film mit Kassenschlagern wie „Fack ju Göhte“ oder „Der Schuh des Manitu“.

Einen inhaltlichen Zusammenhang haben die drei Teile nicht, finden Hahn und Kogel. Deshalb wollen sie Constantin Film verkaufen, was 200 Millionen Euro in die Kassen bringen könnte. Dieses Geld wollen sie in den Ausbau des Sportrechtehandels stecken, um dort eine große Nummer zu werden.

Burgener will Zerschlagung des Konzerns verhindern

Eine solche Zerschlagung des Konzerns will Burgener verhindern, weil alles doch gut laufe und der Strategieschwenk zu riskant sei. Nun wird es kompliziert. Der Gesamtkonzern ist ein verschachteltes Gebilde. Constantin Film und Team gehören nicht der Constantin-Holding direkt, sondern dem schweizerischen Highlight-Konzern. An dem hält Constantin Medien gut 60 Prozent und hat dort damit das Sagen – theoretisch. Denn bei Highlight bestimmt Burgener.

Zudem hat Constantin Medien von einer Firma namens Stella ein Darlehen erhalten und dafür Highlight-Aktien als Sicherheit verpfändet. Stella wird von einem Burgener-Vertrauten kontrolliert und sagt, dass mit den Highlight-Aktien auch deren Stimmrechte abgetreten wurden. Das ist rechtlich umstritten. Constantin Medien aber braucht diese Stimmrechte, um Constantin Film verkaufen zu können.

Erbittert gestritten wird auch über eine Bereinigung der Holding-Strukturen. Während beide Parteien sich einig sind, dass es mit Constantin Medien und Highlight eine Aktiengesellschaft zu viel gibt, gehen die Meinungen auseinander, welche es ist. Highlight kostet die Constantin Medien jährlich rund sechs Millionen Euro an Personal- und Verwaltungsaufwand, sagt die Hahn-Seite. In der Schweiz kommt man dagegen auf 2,5 Millionen Euro, und das sei doch nicht überzogen dafür, dass Highlight über die Hälfte aller Umsätze und praktisch den ganzen Gewinn beisteuert.

Ende des Machtkampfes gefordert

Mit Sport 1 und der auf Sportsendungen spezialisierten Produktionsgesellschaft Plazamedia steuert Constantin Medien in der Tat nur einen geringen Teil des operativen Geschäfts direkt. Und hier droht Ungemach. Plazamedia-Großkunde Sky ist abgesprungen. Der Bezahlsender produziert seine Sendungen künftig selbst und hat zudem in Konkurrenz zu Sport 1 einen frei empfangbaren Sportsender gegründet. Mitaktionären, die zwischen den streitenden Blöcken stehen, wird mittlerweile mulmig.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert eine Ende des Machtkampfes. Wegen der Pattsituation sei Constantin momentan führungslos, und der Börsenkurs verfällt immer weiter, warnen die Aktionärsschützer. Friede ist aber nicht in Sicht. „Es wird mit harten Bandagen gekämpft“, stellt ein Insider klar. Eigentlich sei es egal, wer sich beim Eignertreffen durchsetzt, denn der Unterlegene sei jeweils stark genug, den vermeintlichen Sieger auflaufen zu lassen. „Lösbar ist der Konflikt nur, wenn sich eine Seite zurückzieht und die andere sie herauskauft“, sagt einer, der beide Streitparteien kennt. Noch spielen aber beide Seiten auf Sieg.