Filmkritik: „Arrival“ Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

Von Gebhard Hölzl 

Kommunikation statt Kampf, Worte statt Waffen. Der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve („Sicario“) lässt Aliens auf der Erde landen, deren Absichten und Sprache eine von Amy Adams gespielte Linguistin entschlüsseln soll.

Die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) versucht, friedlichen Kontakt zu Aliens herzustellen. Foto: Sony Pictures 18 Bilder
Die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) versucht, friedlichen Kontakt zu Aliens herzustellen. Foto: Sony Pictures

Stuttgart - Wieder einmal sind Aliens auf der Erde gelandet. Weltweit, in mehreren Ländern. Mit zwölf muschelförmigen Raumschiffen, „mindestens 450 Meter hoch“, wie ein Nachrichtensprecher atemlos vor einer TV-Kamera vermeldet. Ein gängiges Szenario – man erinnere sich nur an jene die Sonne verdunkelnden Raumschiffe aus Roland Emmerichs „Independence Day“. Lautlos schwebende Vorboten einer gigantischen Schlacht, Effektzauber made in Hollywood. Popcornkino pur, Rettung in letzter Minute inbegriffen. Ein neuer Versuch eines bombastischen SciFi-Knallers?

Mitnichten. Nicht bei „Arrival“. Nicht mit dem Regisseur Denis Villeneuve. Der Frankokanadier ist ein Intellektueller des Kinos. Ein Denker, ein Visionär, der sich als perfekter Handwerker tarnt. Ein Mann, der sich auf Genrefilme versteht, dessen Regeln bestens kennt und sie konsequent bricht. Oberflächenkino interessiert Villeneuve nicht. Er bedient sich lediglich bekannter Strukturen und Versatzstücke und konnotiert diese neu. Als kafkaeskes Doppelgänger-Vexierspiel verblüffte „Enemy“ (2013), als existenzialistisches Drama entpuppte sich der beinharte Entführungskrimi „Prisoners“ (2013), als nihilistischer Höllentrip der bittere Drogenthriller „Sicario“ (2015).

Geforderte Schauspieler

Die Story dient Villeneuve eigentlich nur dazu, um von seinen Figuren und deren Innenleben zu erzählen. Sorgfältig gestaltete Psychogramme seiner Helden liefert er ab, weshalb in erster Linie die Schauspieler gefordert sind: Jake Gyllenhaal und Mélanie Laurent in „Enemy“, Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal in „Prisoners“, Emily Blunt und Benicio Del Toro in „Sicario“. Und jetzt Amy Adams und Jeremy Renner, die bereits in „American Hustle“ gemeinsam vor der Kamera standen. Sie Kopfmensch, er Mann der Tat. Ein „odd couple“ in einem Buddy Movie, das man so nicht kennt.

Zunächst kommt die Heldin ins Spiel, Adams als Linguistin Louise Banks. Vor einer Gruppe Studenten steht sie, über romanische Sprachen will sie referieren. Kurz darauf klopft ein Offizier namens G.T. Weber (Forest Whitaker) an ihre Tür. Der Colonel weiß: „Wenn es um Übersetzungen geht, stehen Sie bei allen ganz oben auf der Liste...“ Eine Frau mit vielen Fähigkeiten. Eine gefragte Frau mit einer tragischen Geschichte. In der virtuosen Opener-Montage erfährt man von Momenten kurzen (Mutter-)Glücks – in den farbenfrohsten, leichtesten, heitersten Momente des Films – und vom tragischen Tod ihrer Teenagertochter. Man wähnt sich in einem Melodram.




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