Filmkritik: „Bridget Jones’ Baby“ Auf den Arm genommen

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Auch im dritten Film der Reihe bestimmen Männer über das Frauenglück. Dass Bridget ungeplant schwanger wird und die Vaterschaft unsicher ist, führt nicht zur Emanzipation der Figur, sondern verdoppelt ihre Abhängigkeit.

Was für ein trauriger Geburtstag: Bridget Jones (Renée Zellweger) feiert alleine. Foto: Verleih
Was für ein trauriger Geburtstag: Bridget Jones (Renée Zellweger) feiert alleine. Foto: Verleih

Stuttgart - „Aber ich will mich nicht beschweren“, sagt Bridget Jones, kurz nachdem sie zum Generalüberblick über ihr derzeitiges Leben angesetzt hat. Wir wissen ja schon aus dem wirklichen Leben, was solch einer Behauptung unweigerlich folgen wird: eine Flut von Klagen, Beschwerden, Jammereien und Hilfsbitten. Aber dies ist nicht das wirkliche Leben, sondern das von Bridget Jones. Und diese tapfere kleine Schmerzensfrau der Popkultur hat sich nicht deshalb zur innig geliebten Frustrationsikone entwickelt, weil bei ihr das meiste glatt liefe und sie über den Rest einfach hinweglächeln könnte.

Sie sei wieder Single, erklärt sie, das sei auch okay so, und sie produziere eine Nachrichtensendung beim Fernsehen, das sei spannend. Aber noch während sie auf der Tonspur eine Glücksfassadenvariante ihres Unglücks zu zimmern versucht, zeigen die Bilder der von Sharon Maguire inszenierten Komödie „Bridget Jones’ Baby“, dass es ganz so prima nicht läuft.

Heulen, bis das Parkett quillt

An ihrem Geburtstag sitzt Jones mutterseelenallein in ihrer Bude und starrt auf eine sehr symbolisch einsame Kerze auf einem jämmerlichen Alice-im-Wunderland-Törtlein. Bridget mimt die Gefasste, aber man nimmt Renée Zellweger sofort ab, dass ihre Figur am liebsten heulen würde, bis das Parkett quillt.

Maguire, Jahrgang 1960, hat 2001 schon den ersten Bridget-Jones-Film „Schokolade zum Frühstück“ in Szene gesetzt. Renée Zellweger hat schon damals und auch im Nachfolger „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ die von der Autorin Helen Fielding 1995 für eine Zeitungskolumne ­ersonnene Figur gespielt. Es war der größte, aber auch der letzte Erfolg der 1969 in Texas geborenen Schauspielerin. Auf ihr imageprägendes Jones-Engagement folgten nur ein paar miserable sowie ein paar passable, aber übersehene Filme, dafür aber viele Klatschmedienberichte über Schönheitsoperationen.

Zellwegers nachgebessertes Gesicht ­erschien ihren alten Fans als Musterbeispiel seelenloser Künstlichkeit. Dass sie nun in etlichen Animationsfilmen nur noch ihre Stimme präsentierte, schien einem fiesen Gag von Gegnern kosmetischer Chirurgie entlehnt. Die Eigenschaften der erfundenen Figur schienen die reale Schauspielerin infiziert zu haben, vor ­allem die Unterordnung unter fremde ­Regeln und Normen, das verzweifelte Bemühen, den Maßstäben der anderen auch da zu entsprechen, wo das eigene Ich nach einem ganz anderen Zollstock geformt ist.

Es dauert nicht lange, da ist Bridget Jones wieder so hilf- und haltlos wie einst

„Bridget Jones’ Baby“ hätte der beste ­aller Bridget-Filme werden können, dank des gewonnenen Abstands zum großen Boom rund um die Figur und dank der ­Lebenserfahrung der Macherinnen. Er hätte zurückkehren können zu den satirischen Wurzeln dieses Franchise, zu Fieldings ­Ansatz, weibliche Fremdbestimmtheit zu karikieren zwischen Styling-, Ratgeber- und Zeitgeistmoden, zwischen klassischen Rollenzwängen, romantischen Idealen und modernen Karriereanforderungen.

Aber es dauert nicht lange, da steht Bridget Jones ihrer alten Liebe Mark (Colin Firth) gegenüber. Und sie ist wieder so hilf- und haltlos wie einst, so fixiert auf die Frage, ob genau und einzig dieser Mann es ist, der als lebende Entschlüsselungsformel das bedrückende Chaos ihres Lebens in eine lesbare frohe Botschaft verwandeln kann. Dass es einen weiteren Kerl in ihrem Leben gibt, den Amerikaner Jack (Patrick Dempsey), dass Bridget ungeplant schwanger wird und die Vaterschaft unsicher ist, führt nicht zur Emanzipation der Figur. Es verdoppelt ihre Abhängigkeit, lähmt sie noch mehr durch das Hin-und-her-gerissen-Werden zwischen Mark und Jack.

Flottheit aus der Jukebox

Es gibt ein paar nette Szenen mit Komödienbiss, vor allem wenn die Drehbuch-Koautorin Emma Thompson als Frauenärztin vor die Kamera tritt. Aber meist imitiert „Bridget Jones’ Baby“ Flottheit nur, indem es seine Tonspur zur Endlos-Jukebox für Pophits macht. Geschenkt, dass alle Szenen, die im Sender spielen, wo ein neues, zynisch quotenorientiertes Management Jones zusetzt, nicht einmal als Abklatsch der großartigen TV-Serie „The Newsroom“ durchgehen: „Bridget Jones’ Baby“ will in keinem Moment in dieser Liga spielen.

Aber auch wenn sie „nur“ von Frauenbildern und nicht vom Wertekampf in der Medienwelt erzählen will, ist es doch ein wenig dürftig, dass diese Komödie ihre Schlüsselbilder in der Sequenz findet, in der die in die Wehen gekommene Jones nicht mehr auf eigenen Beinen stehen kann, sondern getragen werden muss – nun eben nicht mehr von einem Mr. Right, sondern von zwei Männern im Team. Das moderne Leben sah schon mal moderner aus.




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