Filmkritik „Diana“ Die liebende Zerrissene

So traurig, so berühmt, so schwer zu fassen: Naomi Watts spielt in Oliver Hirschbiegels Biopic Prinzessin Diana. Foto: Concorde Filmverleih
So traurig, so berühmt, so schwer zu fassen: Naomi Watts spielt in Oliver Hirschbiegels Biopic Prinzessin Diana. Foto: Concorde Filmverleih

Zu Prinzessin Diana hat jeder von uns fertige Bilder im Kopf. Der Regisseur Oliver Hirschbiegel bemüht sich um ein originelleres Porträt der weltbekannten Unglücklichen.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Man mag es kaum glauben, doch für viele Briten gleicht alles, was mit Prinzessin Diana zu tun hat, noch immer einem kulturhistorischen Wespennest. In eben dieses tritt nun der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“). Schon als er sein Filmprojekt „Diana“ vorstellte, rümpfte man auf der Insel die Nase. Pünktlich zum Kinostart hagelte es dann derart einheitlich vernichtende Kritiken, wie man es sonst selten erlebt. Warum, wird hierzulande wohl kaum jemand richtig begreifen, denn Hirschbiegels Film ist alles andere als eine Katastrophe.

Allerdings entwickelt sich „Diana“ etwas anders, als man angesichts des Filmtitels vermuten könnte. Inhaltlich ist der Film weniger Biopic denn die Liebesgeschichte einer Prinzessin mit gebrochenem Herzen und eines Normalsterblichen, der ironischerweise Herzchirurg ist.

Undercover mit Perücke

Hasnat Khan (Naveen Andrews) stolpert mitten in den royalen Wahnsinn, als er sich bei einer zufälligen Begegnung ausgerechnet in die frisch getrennte Prinzessin Diana (Naomi Watts) verliebt. Die setzt von da an alles daran, dem Blitzlichtgewitter zu entkommen und sich von den Royals abzukoppeln – inklusive Undercover-Dates mit brauner Perücke und gemeinsamen Wochenendtrips im scheppernden Wagen.

Hirschbiegel erzählt die Geschichte der beiden Protagonisten weich, vermeidet Ecken und Kanten und schafft gleichzeitig, ein Bewusstsein dafür, wie einsam es werden kann, wenn die ganze Welt einen zu kennen glaubt, man selbst am Ende aber doch irgendwie immer allein dasteht.

Genau das zeigt besonders eindrucksvoll die erste Szene des Films. Man sieht Diana von hinten im Hotel Ritz in Paris, kurz bevor sie in den berüchtigten Aufzug steigt. Sie wirkt zerrissen. Mal erkennt man nur einen Fuß, mal die Hände, mal den blonden Hinterkopf – beinahe so, als könne der Zuschauer noch gar nicht richtig sagen, wer diese Frau eigentlich ist. Kann er auch nicht, denn zu diesem Zeitpunkt scheint noch nicht einmal sie selbst sich richtig zu kennen. Diana wirkt umso menschlicher und zerbrechlicher, je näher der Zuschauer der Liebesbeziehung ihrer letzten beiden Lebensjahre kommt.

Das Gewicht der Historie

Dieser menschelnden Prinzessin setzt Hirschbiegel pflichtbewusst die öffentliche Ikone entgegen – ein bisschen Biopic muss dann eben doch sein. Denn wer ihren Namen hört, hat sofort oft kopierte und medial reproduzierte Bilder im Kopf: Darum kommt kein Filmemacher herum. Auch Hirschbiegel rackert sich zeitweise damit ab, das historische Gewicht seiner Hauptfigur mitzuschleppen und Momente aus dem öffentlichen Gedächtnis nachbilden zu müssen: Diana im schwarzen Badeanzug auf Dody Fayets Jacht, Diana mit großen traurigen Augen im Interview mit der BBC, Diana als Anwältin der Minenopfer in Angola.

Doch so richtig nah kommen wir seiner Protagonistin erst, wenn Hirschbiegel den Mythos beiseite lässt. Ob das, was darunter zum Vorschein kommt, immer so ganz der Realität entspricht, sei dahingestellt. Eins ist es aber auf jeden Fall: eine souverän erzählte Geschichte – und wirklich kein Grund, sich so aufzuregen.Diana. Großbritannien 2013. Regie: Oliver Hirschbiegel. Mit Naomi Watts, Naveen Andrews. 113 Minuten. Ab sechs Jahren.




Unsere Empfehlung für Sie