Filmkritik: „Suicide Squad“ Auch Schurken retten mal die Welt

Von Christian Schlüter 

Gute Nacht, schöne Welt: In „Suicide Squad“ ist die nächste Krise so groß, dass Superschurkinnen und Megaverbrecher von der Kette gelassen werden müssen, um die Erde zu retten. David Ayers Film spielt im Universum von Batman und Superman. Aber die haben nichts zu melden.

Harley Quinn (Margot Robbie) geht hammerhart zur Sache. Foto: Warner Bros.
Harley Quinn (Margot Robbie) geht hammerhart zur Sache. Foto: Warner Bros.

Stuttgart - Geben wir’s zu, ein klein wenig Philosophisches enthält auch „Suicide Squad“. In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ entwickelte Immanuel Kant 1795 die These, dass sogar einem Volk von Teufeln nichts anderes übrig bliebe, als Gutes zu schaffen – falls die Teufel denn Verstand hätten. David Ayers Film „Suicide Squad“ stellt uns nun eine Reihe ausgesuchter Erzbösewichte vor und beschreibt ihren moralischen Bildungsweg. Sie schaffen Gutes, indem sie die Welt vor einem dämonischen Flaschengeist retten, der sich im Körper der Archäologin June Moone (Cara Delevingne) eingenistet und die Frau in die Superhexe Enchantress verwandelt hat. Die baut zusammen mit ihrem mächtigen Bruder Incubus (Robin Atkin Downes) eine magische Menschheitsvernichtungsmaschine.

Es geht ums radikal Böse, das nur mit radikal Bösem bekämpft werden kann. Davon ist jedenfalls die nicht minder böse, allerdings für die US-Regierung arbeitende Geheimagentin Amanda Waller (Viola Davis) überzeugt. Sie stellt eine Suicide Squad zusammen, ein Selbstmordkommando psychopathischer, amoralischer, ultrabrutaler Schwerstkrimineller, unter anderem Harley Quinn (Margot Robbie), Deadshot (Will Smith), Rick Flag (Joel Kinnaman) und Captain Boomerang (Jai Courtney).

Kaum mehr als Effektfeuerwerk

Der Film steht nicht für sich, er spielt im DC Extended Universe, also in jener Filmwelt, die von den Superhelden und -schurken aus den Comics des DC-Verlags bevölkert wird. „Man of Steel“ (2013) und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (2016) gehören ebenfalls zu diesem Universum. Ayer muss also gewisse Rücksichten nehmen.

Das führt unter anderem zum kurzen Auftritt von Batman (Ben Affleck), der lediglich dazu dient, den Bezug zum vorangegangenen Film herzustellen, in dem Superman starb, weshalb er jetzt im Kampf gegen das Böse fehlt – der Grund für die Rekrutierung der Suicide Squad. Ohne Batmans dauerhafte Anwesenheit wird auch sein Erzrivale Joker (mutig in der Nachfolge Heath Ledgers: Jared Leto) überflüssig. Dennoch liefert er sich in Ermangelung eines richtigen Feindes ein herzschmerzreiches Techtelmechtel mit der quirlig-tödlichen Harley Quinn.

Der Rest ist das übliche gigantomanische Effektfeuerwerk, das sich, als es der Superhexe Enchantress an den Kragen geht, in eine britzelnd-brutzelnde „Ghostbusters“-Kopie verwandelt. Schade, denn „Suicide Squad“ hätte die Gelegenheit geboten, das Böse endlich einmal wieder in maliziöser Schönheit strahlen zu lassen.

Suicide Squad. USA 2016. Regie: David Ayer. Mit Margot Robbie, Cara Delevingne, Will Smith, Scott Eastwood, Jared Leto, Jai Courtney, Viola Davis. 130 Minuten.




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