Filmkritik „White House Down“ Playmobil-Kino mit Charme

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Diese liberale Agenda von „White House down“ ist in den USA von Republikanern getadelt worden. Das dürfte aber nicht der Hauptgrund gewesen, warum der Film in den USA unter den Erwartungen lief. Bislang hat er dort 73 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Das liegt wohl daran, dass Antoine Fuquas „Olympus has fallen“ mit einigen Wochen Startvorsprung fast die gleiche Geschichte erzählt und dabei mit erstaunlich wenig Grips und einem völligen Mangel an Selbstironie enttäuscht hatte.

„White House down“ ist der um Klassen bessere Film, weil Emmerich und sein Drehbuchautor James Vanderbilt („Zodiac“, „The Amazing Spider-Man“) wissen, dass sie nicht mehr darauf setzen können, jede Demonstration der Verletzlichkeit des innersten Schutzzirkels der USA werde das Publikum automatisch in Bann schlagen. Emmerichs Angriff auf den Sitz der Macht Washington in „Independence Day“ war einst noch ein Tabubruch. Im Gefolge von 9/11 aber gehört die Verwandlung amerikanischer Städte in eine massiver Zerstörung ausgesetzte Heimatfront zum Kinoalltag.

Viel Augenzwinkern trotz Geballer

Und so hält Emmerich seinen Film nun mit mehr als einem Augenzwinkern beständig in Bewegung und über weite Strecken pathosfrei. Dies ist von Realismus­anspruch weit entferntes Playmobilfiguren-Kino, in dem die Männeken flugs von einem kniffligen Schusslinienaufbau in den nächsten geschoben werden. Aber obwohl Tatum immer wieder durch Schussgarben aus Automatikwaffen sprinten muss und so unbehelligt bleibt, als seien alle Schutzengel der nördlichen Halbkugel zum Geschossumlenken an seine Seite ­abkommandiert worden, wird dies kein Killerkino körperlicher Höchstleistungen und völlig hemmungsfreier Tötungsbereitschaft.

Kampfjets scheuen Kinder

Ganz anders als in den vielen Filmen mit dem Autor Dean Devlin kann Emmerich in „White House down“ den Figuren eine dünne, aber halbwegs charmante Charakterhülle geben, fließen die Dialoge, sitzen die Gags, können die Schauspieler atmen. Gegen Ende, wenn Tochter Emily die Flagge des Präsidenten auf dem Rasen des ­Weißen Hauses schwenkt, um anfliegende Kampfjets zum Abdrehen zu bringen, wird Emmerich richtig sülzig.

Aber dass amerikanische Piloten im Kampfeinsatz angesichts eines Kindes, das zum Kollateralschaden werden könnte, die Bombenklappen wieder schließen, das ist eine falsche Zusicherung, die der 1955 in Stuttgart geborene und in Sindelfingen aufgewachsene Emmerich den Amerikanern sichtlich geben wollte. Er möchte wohl mittlerweile, dass eine Nation sich an dem misst, was sie nicht zerstört.




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