Flüwo in Stuttgart-Degerloch Dieses Projekt hat nach wie vor eine gewisse Brisanz

Von Tilman Baur 

Im Westen von Stuttgart-Degerloch will die Flüwo 98 Wohnungen bauen. Dafür müssen alte aber erst einmal weg. Zu dem ganzen Projekt gibt es viele Fragen – das war in der Vergangenheit nicht anders.

Die Bauten aus den 50er Jahren entsprächen nicht mehr den Wohnanforderungen, begründet die Flüwo ihre Pläne, im Degerlocher Zentrum neu bauen zu wollen. Foto: Tilman Baur
Die Bauten aus den 50er Jahren entsprächen nicht mehr den Wohnanforderungen, begründet die Flüwo ihre Pläne, im Degerlocher Zentrum neu bauen zu wollen. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Der nächste Schritt ist getan, doch Mieter und Lokalpolitiker warten noch immer auf die Antworten auf entscheidende Fragen. Die Rede ist vom Neubauprojekt der Wohnbaugesellschaft Flüwo an der Gohl-, Straif- und Albstraße, ein Vorhaben, das Degerloch bereits seit einigen Jahren immer wieder beschäftigt. Mit neun Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen hat der Bezirksbeirat am Dienstag nun dem Antrag zugestimmt, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Areal aufzustellen. Eine Änderung des Plans wurde nötig, weil das Projekt auf Grundlage des alten Plans von 1986 nicht genehmigungsfähig war.

Zur Erinnerung: Derzeit stehen drei siebengeschossige Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren auf dem Areal, dazu ein dreigeschossiges Bürogebäude. Die Flüwo argumentiert, dass die Bauten den Wohnanforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht würden. Deshalb will sie alle Häuser abreißen lassen und dafür drei neue und eine Tiefgarage bauen. Die Verwaltung soll an die Löffelstraße umziehen.

Alteingesessene Mieter üben Kritik

Schon früh hatte sich Protest gegen das Vorhaben formiert. Alteingesessene Mieter unterstellten der Flüwo, sie treibe den Neubau vor allem wegen der Aussicht auf höhere Renditen voran, und erhielten dafür Beifall und Unterstützung aus der Bevölkerung. In der Degerlocher Lokalpolitik stieß das Projekt von Beginn an auf geteiltes Echo. Am Dienstag konnte Ingrid Huber vom Stadtplanungsamt mit Zahlen aufwarten: 98 Wohneinheiten sieht der Entwurf des Stuttgarter Büros Wittfoth Architekten vor, davon 68 frei finanziert und 30 im Rahmen des Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM) für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Alle 98 Wohnungen sind als Mietwohnungen konzipiert, von Fünf-Zimmer-Wohnungen bis hin zu kleinen, kompakten Ein-Zimmer-Einheiten. Am 3. März wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik sein Votum abgeben. Anschließend liegt das Modell für einen Monat im Stadtplanungsamt und im Bezirksamt Degerloch aus, zudem können es Bürger online ansehen. Auch ein Erörterungstermin ist vorgesehen, an dem sich die Öffentlichkeit zu Wort melden kann, das Datum steht aber noch nicht fest.

Der Baubeginn ist noch unklar

Diese Maßnahmen zeigen, dass sich Stadt und Flüwo der Brisanz des Projekts bewusst sind. So betonte Anne-Caroline Brandenstein, bei der Flüwo zuständig für Neubauprojekte, dass man im Januar noch einmal persönlich auf die Mieter zugegangen sei und sie auf dem Laufenden halte. Außerdem habe man bislang bereits drei Info-Veranstaltungen durchgeführt, so Brandenstein. Die Flüwo hat auch in der Vergangenheit stets betont, Mieter, die ausziehen mussten, in eigenen Objekten untergebracht und die Umzugskosten übernommen zu haben.

Noch keine Antworten konnten Huber und Brandenstein auf die Frage nach den Kosten der neuen Wohnungen liefern. Für Mieter, die derzeit im Areal wohnen und nach einem temporären Umzug wieder zurückziehen wollen, ist diese Frage jedoch entscheidend. „Mit diesem Thema befassen wir uns“, versicherte Anne-Caroline Brandenstein. Derzeit gebe es in den Häusern 45 Mieter mit unbefristeten Mietverträgen und 24 mit befristeten. Noch unklar ist außerdem, wann denn nun die Bagger anrollen. Ingrid Huber sagte, der Abbruch der Häuser stehe 2022 an, der Neubau solle 2023 beginnen. Flüwo-Vertreterin Brandenstein hingegen sprach von 2024 oder 2025.

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