Flughafen Stuttgart Die neuen Panther fahren ihre Krallen aus

Von Frank Wahlenmaier 

Der Stuttgarter Flughafen erweitert den Fuhrpark ihrer Feuerwehr um vier neue Löschfahrzeuge der Firma Rosenbauer Typ „Panther 6x6“. Während der offiziellen Präsentation kommt es zum Ernstfall.

Manchmal muss es schnell gehen. Die Männer der Flughafenfeuerwehr haben genau 180 Sekunden, bis sie am Einsatzort sein müssen. Foto: Frank Wahlenmaier 10 Bilder
Manchmal muss es schnell gehen. Die Männer der Flughafenfeuerwehr haben genau 180 Sekunden, bis sie am Einsatzort sein müssen. Foto: Frank Wahlenmaier

Stuttgart - Eigentlich sollten die neuen Panther nur über den Asphalt streunen. Nun müssen sie ihre Krallen zeigen. Der Alarm macht der Choreografie einen Strich durch die Rechnung. Ernstfall auf dem Flughafen Stuttgart. Die Feuerwehrmänner fackeln nicht lange, lassen den Flughafenchef und die Gäste links liegen, sprinten zu ihren Fahrzeugen, die Garagentore öffnen sich.

Das hier ist keine Übung, sondern brenzlige Realität. „Ein Pilot fordert aus der Luft einen ‚Local Stand-By‘ an“, sagt der Leiter der Flughafensicherheit, Andreas Rudlof. Beim Anflug habe er einen technischen Mangel am Flugzeug bemerkt. Niemand weiß, ob er eine Bruchlandung hinlegen wird.

Um für genau solche Einsätze auch künftig gewappnet zu sein, hat die Flughafenfeuerwehr nun Verstärkung bekommen – vier neue Löschfahrzeuge der Firma Rosenbauer mit dem klangvollen Namen Panther. „Spätestens alle 20 Jahre erneuert man den Fuhrpark einer Flughafenfeuerwehr, um den Vorgaben für internationale Verkehrsflughäfen zu entsprechen“, sagt der Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer. „Damit sind wir auch zukünftig auf dem neuesten Stand der Technik.“ Das Luftverkehrszentrum in Stuttgart entspricht nämlich allen Kriterien eines internationalen Flughafens der Kategorie zehn, mehr geht nicht.

Von der Cessna bis zur Antonow landet hier alles

Mehr als 14 Millionen Fluggäste verzeichnet man hier am Airport pro Jahr. Von der Cessna bis zur Antonow – auf der Start- und Landebahn bewegt sich fast alles, was Flügel hat, und sie ist die Zuflucht für strandende Flieger, die im Notfall eine alternative Route einschlagen müssen.

„Zeichnet sich eine drohende Katastrophe ab, bleiben uns genau drei Minuten, um am Ort des Geschehens zu sein“, sagt Rudlof. Die Hilfsfrist bei einem typischen Haus- oder Wohnungsbrand liegt bei maximal 15 Minuten. Undenkbar auf einem Flughafen, wo Hunderte Menschen in langen Aluminiumschläuchen sitzen, umgeben von tonnenweise Kerosin, und sich im Notfall einer nach dem andern durch kleine Türen ins Freie zwängen muss.

„Ohne funktionierende Flughafenfeuerwehr kann auch kein Flugverkehr stattfinden“, sagt Walter Schoefer. „Sicherheit hat im Flugverkehr höchste Priorität.“ Mit den neuen Panthern und der Kraft von 750 Pferdestärken, die die Fahrzeuge samt ihrer zwölf Tonnen Wasser auf 120 Kilometer pro Stunde katapultieren, sind die Brandbekämpfer des Stuttgarter Flughafen auf solche Eventualitäten bestens vorbereitet. Hinzu kommt ein schwenkbarer Löscharm, der auf dem Dach des Panthers montiert ist, und das Wasser bis zu 100 Meter weiter schießt. Bei Bränden oder Rauchentwicklungen im Inneren eines Flugzeuge stößt eine am Löscharm montierte Lanze ein Loch in die Außenfassade.

Die Löschkolosse samt Simulator kosten vier Millionen Euro

Gleich vier motorisierte Flammenbekämpfer hat man geordert. Kostenpunkt: vier Millionen Euro. Für den respektablen Preis lieferte die Firma Rosenbauer auch einen Lernsimulator für die rund 90 Mitarbeiter, um den Umgang mit dem zwölf Meter langen Löschkoloss zu trainieren. Eine Nachbildung des Original-Cockpits mit insgesamt fünf Bildschirmen an der Stirnfront simuliert den Stuttgarter Flughafen, ermöglicht es, realitätsnahe Einsätze zu fahren. Das spart Treibstoff und Löschmittel.

Die Entwarnung kommt so plötzlich wie der Alarm. Das Flugzeug, das die Präsentation der neuen Panther durcheinander gebracht hat, ist doch noch ohne Zwischenfall gelandet. Nachdem die Sirenen ihr letztes Geheule von sich gegeben haben, fällt die Anspannung samt Arbeitskleidung von den Feuerwehrleuten ab. „Das war so nicht geplant“, sagt Andreas Rudlof, „ehrlich nicht“.

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