Folgen der Corona-Pandemie Die Wirtschaftsweisen korrigieren ihre Prognose

Wegweiser zum Impfzentrum: Wenn möglichst viele Menschen in den kommenden Monaten das rettende Serum erhalten, können die Corona-Beschränkungen  schrittweise fallen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Wegweiser zum Impfzentrum: Wenn möglichst viele Menschen in den kommenden Monaten das rettende Serum erhalten, können die Corona-Beschränkungen schrittweise fallen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die Experten rechnen jetzt mit einem Wachstum von 3,1 Prozent und warnen eindringlich vor Verzögerungen beim Impfen.

Korrespondenten: Thorsten Knuf (thk)
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Berlin - Die Wirtschaftsweisen dringen auf eine deutliche Beschleunigung der Impfkampagne in Deutschland und warnen zugleich davor, dass längere Verzögerungen durch die Aussetzung des Impfstoffs von Astrazeneca die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen könnten. Dies hätte „ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats, Veronika Grimm, am Mittwoch.

In diesem Fall müssten zum Beispiel Hilfsmaßnahmen für Unternehmen verlängert werden. Es sei auch mit mehr Firmenpleiten zu rechnen. Ausfälle des Vakzins von Astrazeneca wiederum könnten erst mittelfristig von anderen Herstellern ausgeglichen werden. Zugleich betonte Grimm jedoch, ein zügiger Impffortschritt sei „eine große Chance für die Konjunktur“.

Industrie wieder in Fahrt

Die Wirtschaftsweisen – offiziell heißt das Gremium „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – legten am Mittwoch eine überarbeitete Konjunkturprognose für 2021 und eine erste Schätzung für 2022 vor. Für das laufende Jahr revidierten die Ökonomen ihre Vorhersage aufgrund der anhaltenden Coronapandemie nach unten: Sie rechnen jetzt damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent zunehmen wird. Bisher waren die Regierungsberater von einem Wachstum in Höhe von 3,7 Prozent ausgegangen.

Für das kommende Jahr sei dann eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von vier Prozent zu erwarten. Während es in der Industrie längst wieder aufwärtsgeht, leiden Branchen wie die Gastronomie, der Handel oder die Reise- und Freizeitwirtschaft weiterhin stark unter den geltenden Beschränkungen.

Ratsmitglied Volker Wieland sagte, die Wirtschaft sei „weit weg“ von der schwierigen Situation des Frühjahrs 2020, als die Konjunktur infolge der ersten Coronawelle regelrecht eingebrochen war. Der Welthandel habe sich stabilisiert. Die Nachfrage aus wichtigen Exportmärkten wie China und den USA sei hoch. In Europa stagniere das Geschehen jedoch. Auch der Brexit macht vielen hiesigen Unternehmen zu schaffen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sei noch mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung in Höhe von zwei Prozent zu rechnen, sagen die Ökonomen voraus.

Warnung vor dritter Welle

Der Sachverständigenrat unterstellt in seiner Prognose, dass Deutschland das Pandemiegeschehen in den Griff bekommt und die geltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens nach und nach aufheben kann.

Zum Ende des laufenden Jahres könne Deutschlands Wirtschaft wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Eine dritte Coronawelle mit einer Verlängerung des Lockdowns dürfte die Erholung aber verzögern, betonen die Wirtschaftsexperten. Komme es wegen stark steigender Infektionszahlen etwa zu umfangreichen Betriebs- oder Grenzschließungen, seien „beträchtliche Störungen der innereuropäischen Lieferketten und der Produktion zu befürchten“.

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