Forschung zur künstlichen Intelligenz Facebook will allwissend werden

So ließ sich Mark Zuckerberg bei seinem  Chat fotografieren: Dabei konnte er aber nur eine Handvoll der mehr als 44.000 gestellten  Fragen beantworteten. Foto: Facebook
So ließ sich Mark Zuckerberg bei seinem Chat fotografieren: Dabei konnte er aber nur eine Handvoll der mehr als 44.000 gestellten Fragen beantworteten. Foto: Facebook

Facebook lässt sich in die Karten schauen: Mark Zuckerberg hat in einem Chat einige Geheimnisse seiner Forschung zur künstlichen Intelligenz gelüftet. Das soziale Netzwerk will demnach bei der Analyse menschlichen Verhaltens quasi allwissend werden.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Stuttgart - Künstliche Intelligenz – das ist seit Ende 2013 ein geheimnisumwittertes Forschungsprojekt für Facebook gewesen. In einem Facebook-Chat mit Nutzern – zu denen handverlesen die Publizistin Arianna Huffington, der Schauspieler und Ex-Politiker Arnold Schwarzenegger und der Physiker Stephen Hawking gehörten – hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg erstmals genauer enthüllt, wie das soziale Netzwerk seine Nutzer noch genauer ins Visier nehmen will als bisher.

Der Schwerpunkt der von Facebook betriebenen Forschung ziele darauf, noch besser zu verstehen, welche Inhalte die Nutzer auf dem sozialen Netzwerk teilen, sagte Zuckerberg. „Wenn sie beispielsweise ein Photo aufnehmen, in dem ein Freund auftaucht, dann sollten wir sicherstellen, dass dieser Freund es auch sieht“, antwortete er auf die Frage eines Nutzers, was Facebook sich von künstlicher Intelligenz verspreche: „Wenn Sie das Foto eines Hundes aufnehmen oder ein Posting über Politik schreiben, dann sollten wir dies so gut verstehen, dass wir Ihnen dank dieses Postings helfen, sich mit Leuten zu verbinden, die Hunde und Politik mögen.“

Wie Google forscht auch Facebook seit mehreren Jahren an Software, die selbstständig lernen und gewissermaßen intuitiv Zusammenhänge erkennen kann. Das Ziel ist klar: Am Ende soll das auch dabei helfen, Werbeangebote noch besser und zielgenauer zu platzieren. Technologisch liegen die beiden Internet-Giganten Kopf an Kopf. Doch im Gegensatz zu Google sitzt Facebook auf einem enormen Schatz an sozialen Interaktionen, die sich für eine entsprechende Analyse und Auswertung geradezu anbieten. Erst Anfang Juni hat Facebook eine neue Zweigstelle für diese Forschung in Paris eröffnet.

Riesige Fortschritte bei der Gesichtserkennung

Es geht hierbei nicht nur um die massenhafte Analyse von Daten, sondern darum, dem Computer auch Erfahrungswissen beizubringen. Bei der Gesichtserkennung hat Facebook inzwischen große Fortschritte gemacht, Selbst Gesichter, die elektronisch unkenntlich gemacht wurden, können inzwischen in den meisten Fällen treffsicher zugeordnet werden. Das System analysiert dafür zusätzliche Merkmale, etwa typische Kleidungsstücke oder den Körperbau. Vor einigen Tagen hat Facebook im Magazin New Scientist eine Studie vorgestellt, die besagt, dass seine Computer inzwischen in 83 Prozent der Fälle auch dann einen Treffer landen, wenn das Gesicht nicht klar und scharf von vorne zu erkennen ist, wie das bisher der Fall sein muss.

Dies sei ausschließlich ein wissenschaftliches Experiment, sagte Yann LeCun, der Chef des Facebook Forschungsbereichs für künstliche Intelligenz in einem Interview mit dem Technologieblog des US-Internetanbieters Yahoo. Man plane zurzeit nicht, diese Fähigkeiten in das eigene Produktangebot einzubauen. „Das allerwichtigste ist aber: wir publizieren all unsere Forschung. Es gibt keinen dunklen Keller, in dem irgendetwas Geheimes passiert.“ Vor allem im Hinblick auf das beim Thema Privatsphäre empfindliche europäische Publikum versuchte LeCun auch bei einem öffentlichen Vortrag in New York die Befürchtungen zu zerstreuen. Man werde selbst die bisher schon entwickelte, weniger leistungsfähige Gesichtserkennung nicht überall auf der Welt anbieten, sagte er: „Wir wollen die Leute nicht beunruhigen, deshalb haben wir keine Gesichtserkennung in Europa, wo die Leute dagegen Bedenken haben.“

In den USA bereits etabliert

In den USA ist allerdings diese Identifizierungsmethode bereits etabliert. Hier können die Nutzer Personen auf Bildern „taggen“ - also mit Namen versehen. Facebook gleicht die Gesichter dann mit anderen Bildern auf dem sozialen Netzwerk ab. Seit Mitte Juni bietet Facebook in den USA sogar eine neue App namens „Moments“ an, mit deren Hilfe sich Fotos teilen lassen. Da die Software die Menschen darauf erkennt, kann man mit einem Wisch auf den Bildschirm das Motiv an alle Freunde schicken, die darauf abgebildet sind.

Die lockere Art und Weise wie Zuckerberg in seinem Chat über diese Möglichkeiten sprach, zeigt wieder einmal, dass er einen solchen Blick auf das Leben seiner Nutzer für unproblematisch hält. „Unser Ziel ist es, Systeme künstlicher Intelligenz aufzubauen, die bei ihren Sinnesfähigkeiten, also beim Sehen oder Hören besser sind als jeder Mensch“ sagte er und machte keinen Hehl daraus, dass Facebook sogar in die Menschen hineinblicken wolle: „Ich glaube, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, einander vollständige reichhaltige Gedanken mit Hilfe von Technologie zu übermitteln“, schrieb der 31-Jährige: „Sie werden in der Lage sein, einfach an etwas zu denken - und Ihre Freunde werden das sofort ebenfalls erleben können, wenn Sie es wünschen.“

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