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Fossilien Jurassic Park ist überall

Von Heike Weichler 

Auf der Jagd nach Urzeitschätzen: Ergiebige Fundstellen für Fossilien gibt es in Deutschland in Hülle und Fülle.

Eine ganze Handvoll Versteinerungen: Am Brodtener Ufer an der Ostsee werden auch Anfänger fündig. Foto: Thomas Flügge
Eine ganze Handvoll Versteinerungen: Am Brodtener Ufer an der Ostsee werden auch Anfänger fündig. Foto: Thomas Flügge

Die Suche nach Fossilien kommt einer Schatzjagd nach Relikten aus der Urwelt gleich. Kinder sind besonders leicht dafür zu begeistern - und oft viel geschickter und ausdauernder beim Aufspüren von Versteinerungen als ihre Eltern. Fundstellen gibt es fast überall in Deutschland - immer dort, wo Gesteinsschichten oder Sedimentablagerungen zutage treten. Oft bewegen sich Fossiliensammler an diesen Stellen in einer rechtlichen Grauzone. Denn Steinbrüche, Straßengräben, Äcker, Felder, Baustellen und sonstige Plätze, an denen sich die Erde auftut, haben einen Besitzer. Und den muss man vor der Suche um Erlaubnis bitten, schon aus Sicherheitsgründen. Da das nicht immer möglich ist, sollten vor allem Anfänger am besten auf offiziell zugelassenen Flächen suchen. Die besten und für Familien geeigneten Plätze stellen wir hier vor.

Schieferbruch Kromer in Ohmden, Baden-Württemberg
„Auf dem Boden Hand und Knie, kriecht man fort, oh süße Müh’!“, besang schon der schwäbische Lyriker Eduard Mörike (1804- 1875) die Leidenschaft des Fossiliensuchens in einem Gedicht. Baden-Württemberg ist ein Paradies für Fossilienfreunde. Gut 60 Millionen Jahre lag diese Region im Erdmittelalter unter einem tropischen Meer. Später falteten sich die Alpen auf und stauchten die Gesteine in ihrem Vorland. Diese kippten und gaben Sedimentschichten des früheren Meeresbodens mit all seinen Fossilien frei. Es gibt viele Fundstellen auf der Schwäbischen Alb und in ihrer Umgebung. Besonders interessant sind die Schieferbrüche etwa 40 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Sensationelle Entdeckungen waren die 13 vollständig erhaltenen Skelette von Plesiosauriern. Sie wurden bis zu vier Meter lang und hatten paddelförmige Flossen. Beeindruckend auch die Versteinerungen von delfinähnlichen Fischsauriern, Meereskrokodilen oder Flugsauriern. Im Schieferbruch Kromer in Ohmden werden Hobbysammler garantiert etwas finden. Er ist der einzige in der Umgebung, der noch in Betrieb ist, um Steinplatten für Tische, Wand- und Bodenfliesen zu gewinnen. Dadurch wird ständig neues Material gefördert, das durchsucht werden darf. Eine prima Ergänzung zum Steineklopfen ist der Besuch im nahen Urweltzentrum Hauff. Info: Schieferbruch Kromer, www.schieferbruch-kromer.de

Kalksteinbruch Rüdersdorf, Märkisches Oderland, Brandenburg
Was haben der Berliner Reichstag, das Brandenburger Tor und das Olympiastadion von 1936 gemeinsam? Wie viele andere prominente Gebäude in der Hauptstadt sind sie aus Rüdersdorfer Kalkstein gebaut. Der wird schon seit dem 13. Jahrhundert in dem östlichen Vorort Berlins gewonnen. So entstand der größte geologische Aufschluss in Norddeutschland, vier Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Neben dem aktiven Kalk­tagebau ist auf einem 17 Hektar großen Areal ein Museumspark um historische Industriegebäude errichtet. Besucher können auf Land-Rover-Touren das Außengelände erkunden. Unterwegs erklärt der Führer, wie der Kalkstein vor gut 240 Millionen Jahren entstanden ist, wie er abgebaut und verarbeitet wird. Am spannendsten sind natürlich die Stopps zum Suchen nach Versteinerungen. Sozusagen auf dem Boden eines Urzeitmeeres lassen sich Muscheln, Schnecken, Schlangensterne, muschelähnliche Armfüßer, Seelilien und die Zähne kleiner Haie finden - und mit sehr viel Glück auch Wirbel oder Rippen eines Nothosauriers. Das berühmteste Fossil aus dem Rüdersdorfer Kalksteinbruch ist das 1904 entdeckte vollständige Skelett dieses Meeres­reptils. Die etwa zwei Meter lange Schwimmechse lebte entlang der Küste und konnte sich auch an Land bewegen. Heute ist das Skelett im Berliner Naturkundemuseum zu sehen. Das „Haus der Steine“ im Museumspark zeigt einen Abguss des Fundes. Nach der Exkursion können die Teilnehmer ihre gesammelten Fossilien bestimmen lassen und auf Wunsch selbst präparieren. Info: Museumspark Rüdersdorf, www.museumspark.de

Nettersheim in der Eifel, Nordrhein-Westfalen
Kaum zu glauben, aber vor etwa 380 Millionen Jahren lag die Eifel in Äquatornähe. Erst die Kontinentalverschiebung rückte diese Region an ihre heutige Stelle nahe der Grenze zu Belgien. Und wo jetzt Wanderer durch die Mittelgebirgslandschaft streifen, breitete sich in grauer Vorzeit ein warmes tropisches Meer aus. In einem riesigen Korallenriff lebten Panzerfische, Schnecken, Armfüßer, Tintenfische und Organismen wie Schwämme und Seelilien. Im „Naturzentrum Eifel“ in Nettersheim bekommen Besucher beim Betrachten des Korallenriff-Aquariums eine Vorstellung, wie es einst dort ausgesehen haben mag. Im benachbarten „Haus der Fossilien“ zeigen diverse Sammlungen, was von dieser einstigen Vielfalt marinen Lebens heute noch zu finden ist. Auf Äckern, Feldern, Baustellen und in Straßenböschungen treten immer wieder Versteinerungen zutage. Offiziell erlaubt ist das Suchen auf dem „Fossilienacker“, der zum Naturzentrum gehört. Dieses Feld wird immer wieder umgegraben, auch der Regen wäscht stets neue Fundstücke an die Oberfläche. Man kann dort auf eigene Faust suchen oder vormittags mit einem Führer des Naturzentrums auf Sammeltour gehen. Dazu sollte man sich zwei Tage vorher anmelden. Der Experte hilft beim Aufspüren und Bestimmen der Schätze. Am Nachmittag können die Funde dann in einem Kurs unter Anleitung präpariert werden. Aufgesägt kann man oft die Struktur der Versteinerungen erkennen. Danach wird per Hand geschliffen, des schöneren Glanzes wegen. Info: Naturzentrum Eifel, www.naturzentrum-eifel.de

Eichstätt im Altmühltal, Bayern
Wer hier mit Hammer und Flachmeißel Kalkplatten spaltet, fiebert nach einem Sensationsfund: dem berühmten Urvogel Archäopteryx. Weltweit wurden erst zehn Versteinerungen des Zwittertieres aus Saurier und Vogel entdeckt, alle im bayerischen Altmühltal. Im eigenen Steinbruch des Museums Bergér in Eichstätt dürfen auch Kinder Forscher spielen. Zuvor aber ist es sinnvoll, einen Rundgang durchs Museum mit seinen über 2000 ausgestellten Fossilien zu machen. Die Funde stammen alle aus den Steinbrüchen der Familie Bergér. Während einer kostenlosen Führung erfährt man viel über die Entstehung von Versteinerungen, Fundmöglichkeiten und die richtige Technik beim Umgang mit dem Werkzeug. Dann geht es los, mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Die weichen Kalksteinschichten lassen sich leicht und sauber trennen. Gute Suchplätze sind natürlich die, wo nicht schon andere ihren Abraum aufgehäuft haben. Ab und zu legt ein Bagger unberührte Schichten frei, das sind die besten Stellen. Meist findet man fingernagelgroße Haarsterne, kleine Fische, Krebse, Schnecken, Libellen, Ammoniten oder Wasserlilien. Seltener Rochen oder Meeresschildkröten, denn in der Jurazeit vor 150 Millionen Jahren war das Altmühltal die Lagune eines tropischen Ozeans. Sollten Sie einen Archäopteryx oder eine andere Rarität entdecken: Melden Sie sich im Museum. Dort hilft man Ihnen bei der Bergung, Bestimmung und Präparation des Fundes. Die Chancen auf einen Finderlohn stehen gut, vielleicht wird das Stück auch angekauft. Info: Museum Bergér, www.museum-berger.de

Brodtener Ufer bei Travemünde an der Ostsee, Schleswig-Holstein
Jetzt ist eine gute Zeit, um am Brodtener Ufer zwischen Travemünde und Niendorf an der Ostsee nach Fossilien zu suchen. Besonders Winterstürme, heftige Regenfälle und die Brandung verursachen an dem 15 bis 20 Meter hohen Steilkliff Abbrüche. Jedes Jahr weicht die Küstenlinie bis zu 60 Zentimeter zurück. In den Eiszeiten hatten die Gletscher am heutigen Ufer Gesteinsmassen aus verschiedenen Erdzeitaltern aufgetürmt. Interessant ist, dass die Strömung hier aus dem Geschiebemergel Sand löst und zu den Badeorten Niendorf und Travemünde transportiert. Die schwereren Steine bleiben zurück. Zwischen Kalkstein, Granit, Sandstein, Gneis, Feuerstein und Kreide lässt sich so manches Fossil finden. Am besten sucht man systematisch immer ein, zwei Quadratmeter ab. So kann man versteinerte Seeigel, Kalkschwämme, Reste von Trilobiten, Schnecken, Korallen, Muscheln und „Donnerkeile“ entdecken. Diese patronenförmigen braunen Fossilien waren einst der harte Teil einer Tintenfischart. Im ganz feinen Kies liegen oft Segmente von Seelilien und Armfüßergehäuse. Übrigens lohnt sich ein Spaziergang am Steilufer schon wegen einer der wichtigsten Uferschwalbenkolonien in Europa. Info: Lübeck Tourismus, www.luebeck-tourismus.de

Fossilien-Reisen: z. B. Geologisch erleben, www.geologisch-erleben.de oder Richter-Fossilien-Reisen, www.richter-fossilien-reisen.de Internetseite für Fossilienfans: www.fossilienatlas.de

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