Fragen zur Pandemie Auch in Corona-Zeiten gut beraten

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Die meisten Menschen, die die Angebote des Stadtseniorenrats und des Sozialverbands VdK in Anspruch nehmen, gehören zur Risikogruppe. Dennoch haben sie gerade jetzt viele Fragen, etwa zum Thema Patientenverfügung. Wie laufen Beratungen derzeit ab?

Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Persönliche Beratungstermine sind deswegen nur unter strengen Vorschriften möglich. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Persönliche Beratungstermine sind deswegen nur unter strengen Vorschriften möglich. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Filder - Werde ich im Falle eines gravierenden Verlaufs von Covid-19 nicht künstlich beatmet, weil ich in meiner Patientenverfügung angegeben habe, dass ich keine lebenserhaltenden Maßnahmen möchte? Gelten meine Angaben in der Verfügung in Corona-Zeiten auch, oder muss ich das Formular nun anpassen? Solche und ähnliche Fragen hat Ingrid Schulte in den vergangenen Wochen immer wieder gehört. Die Möhringer Delegierte ist die Sprecherin des Stuttgarter Stadtseniorenrats für die Fildervororte Degerloch, Plieningen, Birkach, Sillenbuch, Vaihingen und Möhringen.

„Die Menschen haben Angst, dass sie im Falle einer Corona-Erkrankung nicht beatmet werden, weil sie den Passus in der Patientenverfügung ausgefüllt haben“, sagt Schulte. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, die Verfügung zu ergänzen, damit eine Beatmung durchgeführt wird, sofern dies aus medizinischer Sicht nötig ist und die Chance besteht, eine Covid-19-Erkrankung zu überstehen. Genauso kann man aber auch vermerken, wenn man im Falle einer Corona-Infektion explizit nicht beatmet werden möchte. Der Stadtseniorenrat kann Auskunft zu den entsprechenden Formularen geben.

Klientel gehört zur Risikogruppe

Ingrid Schulte und die Delegierten in den Bezirken stehen seit dem Lockdown allerdings nur telefonisch zur Verfügung. Alle persönlichen Gespräche mussten bis auf Weiteres abgesagt werden. Die monatlichen Sprechstunden entfielen. „90 Prozent der Menschen, die unsere Beratung in Anspruch nehmen, gehören der Risikogruppe an“, schätzt Schulte. Ähnlich ist es beim Sozialverband VdK. „Unser Klientel ist fast ausschließlich Teil der Risikogruppe“, sagt Joachim Sigel, Vorstandsvorsitzender des Ortsverbands Plieningen-Birkach-Fasanenhof. Informationsveranstaltungen, Mitgliedertreffen sowie Ausflüge können derzeit nicht stattfinden. „Bei uns ruht alles. Wir wollen unsere Mitglieder nicht der Gefahr einer möglichen Ansteckung aussetzen“, sagt Sigel. Nicht nur das Alter, sondern auch Vorerkrankungen machen persönliche Kontakte gefährlich. Viele zögerten, aus dem Haus zu gehen, berichtet Ingrid Schulte. „Die Ängste sind da.“

Die Möhringer Delegierte hofft, dass die Sprechstunden des Stadtseniorenrats bald wieder stattfinden können. Mit vorheriger Terminabsprache am Telefon könne gewährleistet werden, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig zu den Sprechstunden kommen und die geltenden Corona-Regeln eingehalten werden können. „Wir sind bereit“, sagt Schulte. Sie plant die nächste Sprechstunde für Möhringer, Sonnenberger und Fasanenhofer Bürger für den Dienstag, 4. August, zwischen 15 und 17 Uhr im Bürgerhaus am Filderbahnplatz. Eine Anmeldung ist Pflicht und möglich unter der Telefonnummer 0711/2 56 66 74. Für die telefonische Beratung stehen die Delegierten der Stadtbezirke nach wie vor unter den gewohnten Telefonnummern zur Verfügung.

Persönliche Termine nur unter strengen Vorgaben

Auch die Ortsverbände und die Geschäftsstelle des VdK in der Stuttgarter Innenstadt waren seit dem Lockdown nur telefonisch zu erreichen. Seit dem 15. Juni bietet der VdK nun wieder Präsenzsprechstunden in der Geschäftsstelle – inklusive VdK-Reisebüro und Servicegesellschaft – sowie der ebenfalls in Stuttgart ansässigen VdK Patienten- und Wohnberatung an. „Es dürfen sich aber grundsätzlich nicht mehr als drei Besucher gleichzeitig in der Geschäftsstelle aufhalten“, sagt Britta Bühler von der Pressestelle des VdK. Im Gebäude gilt nach wie vor: Abstand halten und Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Zudem sind Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt. „Und schon seit Februar verzichten wir aus Infektionsschutzgründen auf das Händeschütteln“, sagt Bühler. Das wolle man auch vorerst beibehalten. Zwingend notwendig ist zudem eine vorherige Anmeldung per Telefon. Und – das sollte selbstverständlich sein – wer grippeähnliche Symptome zeigt, darf nicht in die Büros und Sprechstunden kommen.

Die Mitgliederversammlung des VdK-Ortsverbands Plieningen-Birkach-Fasanenhof, die für Ende März geplant gewesen war, musste ebenfalls entfallen. Sie hätte in der Zehntscheuer in Plieningen stattfinden sollen. „Da ist es schwierig, die Corona-Vorgaben einzuhalten“, sagt Sigel. Er hofft, dass die Versammlung noch nachgeholt werden kann. „Aber wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, sagt der Vorsitzende. Vor den Sommerferien, ergänzt Britta Bühler, sei das unwahrscheinlich. „Wir empfehlen, bis auf Weiteres keine größeren Veranstaltungen durchzuführen.“ Einen Zeitplan, wann die Ortsverbände wieder in den Normalbetrieb gehen können, gibt es nicht. „Wir hoffen jetzt, dass es keine zweite Infektionswelle gibt und wir nach dem Sommer wieder einzelne Veranstaltungen anbieten können“, sagt Bühler.

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