Frankfurter Buchmesse „Die blaue Frau“ ist Roman des Jahres

Antje Rávik Strubel bedankte sich mit einem flammenden Plädoyer für den Preis. Foto: AFP/Sebastian Gollnow
Antje Rávik Strubel bedankte sich mit einem flammenden Plädoyer für den Preis. Foto: AFP/Sebastian Gollnow

Überraschende Wahl: Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an Antje Rávik Strubel. „Blaue Frau“ heißt der beste Roman des Jahres, der um die sexuellen Gewalterfahrungen einer junger Frau kreist.

Kultur: Stefan Kister (kir)
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Frankfurt/Main - Eines muss man der Jury des Deutschen Buchpreises lassen: Sie schafft es immer wieder, nicht nur aus einer Vielzahl von Titeln eine akzeptable Bestenauswahl zu treffen, sondern zugleich innerhalb dieses Feldes die spannendsten Entscheidungen zu fällen. Das war im letzten Jahr mit Anne Webers Heldinnenepos „Annette“ so. Und dieses Jahr ist es nicht anders.

Nicht Christian Krachts gefeierte „Faserland“-Fortsetzung „Eurotrash“, nicht die kunstvollen Lebensverspiegelungen Norbert Gstreins oder Monika Helfers wurden erwählt, so gerne das vielleicht der ein oder andere Buchhändler gesehen hätte, und auch nicht Mithu Sanyals brandaktueller Debattenroman „Identitti“. Der beste Roman des Jahres ist die „Blaue Frau“ von Antje Rávik Strubel, der es ob dieser Auszeichnung kurz selbst die Sprache verschlagen hat. Überraschender wäre allenfalls wohl das Votum für Thomas Kunsts anarchischen, zwischen Lyrik und Prosa schillernden Aussteigertagtraum „Zandschower Klinken“ gewesen.

Krieg um die Sprache

„Die blaue Frau“ kreist um die sexuellen Gewalterfahrungen einer junger Frau, die auf der Suche nach Gerechtigkeit und getrieben von Panikattacken durch ein Europa irrt, in dem die Kollisionen seiner jüngeren Geschichte nachbeben. Antje Rávik Strubel spielt in ihrem Roman die Macht der Sprache gegen die Ohnmacht des Traumas aus. Und es dauerte auch nicht lange, bis sie bei der Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römers ihre Worte wieder gefunden hat.

In diesen zänkischen Zeiten könne man nicht sprachlos hier stehen. Es folgte ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Spielraum der Sprache, dessen berauschende Wandelbarkeit von dem hasserfüllt geführten Krieg gegen Benennungen und Bezeichnungen geführt werde. Mit Blick auf das „Gezerre und Gezeter“ um geschlechtergerechte Ausdrucksformen warnte sie davor, das Ende der Meinungshoheit zum Ende der Meinungsfreiheit zu deklarieren.




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