Anzeige

Frankreich Paris nach den Anschlägen

Von Sandra Ehegartner 

Verstärkte Kontrollen, aber auch neue Kunst und Kultur: Worauf sich Reisende in der französischen Hauptstadt einstellen müssen - und worauf es sich zu freuen lohnt.

Paris - Wer Urlaub in Paris machen möchte, der fragt sich nach den Terroranschlägen, was ihn bei seinem Besuch in der französischen Metropole erwartet. Ganz klar verstärkte Sicherheitskontrollen, aber auch viel neue Kunst und Kultur - und ein halbwegs normales Alltagsleben. Die aktuelle Situation:

Flughäfen und Bahnhöfe
„Plan Vigipirate“, ein Paket aus Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz gegen Terrorismus, wurde nach den Anschlägen auf die höchste von vier Gefahrenstufen angehoben. Für Reisende bedeutet das: Personen und Gepäck an Flughäfen und Bahnhöfen werden besonders gründlich kontrolliert. Gerade im internationalen Zugverkehr sollten Gepäckstücke daher unbedingt mit Namensetiketten versehen sein und in Sichtweite verstaut werden. Koffer, Reisetaschen und Rucksäcke stellt man keinesfalls unbeaufsichtigt ab, auch nicht für kurze Zeit. Und Scherze oder flapsige Bemerkungen gegenüber dem Sicherheitspersonal an Flughäfen und Bahnhöfen à la „Schauen Sie nur gründlich, da hab ich eine Bombe versteckt“ spart man sich besser. Das Stresslevel der Beamten und Soldaten ist hoch, zeitintensive Zusatzkontrollen könnten die Folge sein. Generell tun Reisende gut daran, mehr Zeit und etwas Geduld einplanen.

Sehenswürdigkeiten und öffentliche Plätze
Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen gelten auch für Touristenattraktionen wie Louvre, Musée d’Orsay und Eiffelturm. Für Besucher gibt es - außer dem Sicherheitsaspekt - wenig Änderungen. Kontrollen und die Durchleuchtung von Handtaschen sowie Rucksäcken zählen etwa im Louvre ohnehin zum Standard. Momentan patrouillieren bewaffnete Soldaten vor und um die Hauptsehenswürdigkeiten. An keinem öffentlichen Ort ist es ratsam, Taschen oder Rucksäcke abzustellen, um zum Beispiel Fotos zu machen. Es kann sein, dass die abgestellte Tasche kontrolliert oder entfernt wird. Zu Einschränkungen kann es auch bei der Gepäck- und Garderobenaufbewahrung an den Bahnhöfen kommen.

Strassenverkehr
Besonders verstärkt wurde die Polizeipräsenz auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Kein Wunder, Nummer 55 ist der Amtssitz des Staatspräsidenten, der Élysée-Palast. Die luxuriösen Geschäfte und Juweliere rund um die benachbarte Place Vendôme sind ohnehin seit jeher gut bewacht. Vereinzelt werden öffentliche Abfalleimer versiegelt. Die Polizisten und Soldaten, die im Duo die Straße entlanggehen oder auf Inlineskatern fahren, sollen keine Panik, sondern Ruhe und Sicherheit für Einheimische und Besucher vermitteln. Im angesagten Concept-Store Colette hat man sich an die Besuche der Uniformierten gewöhnt. Die Besitzer von Kleinlastern, die am Straßenrand geparkt haben, nehmen die vermehrten Kontrollen ihrer Fahrzeuge meist mit Gleichmut und Verständnis hin. Gleiches gilt rund um das Centre Pompidou, Les Halles und das trendige ehemalige jüdische Viertel Marais.

Grosse Kaufhäuser
Zu einem Parisbesuch gehört ein Abstecher zu den Grands Magasins auf dem Boulevard Haussmann. Printemps und Galeries Lafayette locken mit gigantischen Dekorationen und einem Angebot, das kaum Wünsche offenlässt. Diese Dreh- und Angelpunkte des Konsums und Tourismus werden nun noch gründlicher bewacht, die hauseigenen Sicherheitskräfte wurden verstärkt. Auch hier gilt, möglichst keine Rucksäcke unbewacht stehen zu lassen.

Neues Museum Fondation Louis Vuitton
Wer jetzt nach Paris kommt, der muss aber nicht nur Einschränkungen in Kauf nehmen, sondern er darf sich auch auf Neues freuen. Gerade erst eröffnet wurde die Fondation Louis Vuitton. Spektakulär an dem neuen Museum zeitgenössischer Kunst im Bois de Boulogne ist nicht nur die Architektur von Frank Gehry, die an glänzende Wolkenberge und Schiffssegel erinnert. Unter der glitzernden Haut aus wie zerborsten wirkendem Glas und Stahl hat Louis-Vuitton-Eigner und Milliardär Bernard Arnault seine berühmte Privatsammlung von Jeff Koons bis Elsworth Kelly der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu kommen Sonderausstellungen, etwa im Augenblick zu Olafur Eliasson.

Neue Philharmonie
Hamburg wird neidisch sein: Mit der Pariser Philharmonie hat Paris seinen neuen Musiktempel tatsächlich eröffnet. Die Premiere eine Woche nach den Anschlägen schreibt dem 380 Millionen Euro teuren Kulturprojekt im Parc de la Villette eine neue Symbolik zu: Kunst verbindet. Mehr Rock- und Popkonzerte und nicht nur Klassik, das sind die Forderungen an die Philharmonie de Paris, um ein junges, multikulturelles Publikum anzulocken. Wer sich für Musikinstrumente aus aller Welt interessiert, für den ist das dort untergebrachte Musée de la Musique genau richtig.

Unsere Empfehlung für Sie