Frauen in der Kommunalpolitik Rundum-Blick auf das große Ganze

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Zwölf Stadträtinnen gibt es in Ludwigsburg. Was motiviert sie, was trägt sie? Anita Klett-Heuchert schätzt den guten Überblick über lokale Themen.

  Foto: factum/Granville
  Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Als wolle sie ihre Parteizugehörigkeit demonstrativ zur Schau stellen, erscheint Anita Klett-Heuchert zum Termin mit unserer Zeitung von Kopf bis Fuß in Grün gekleidet. Und natürlich hat sie sich auch die passende Umgebung für das Gespräch ausgesucht: Es geht ins Grüne. Direkt hinter ihrem Haus in Eglosheim beginnen die Wiesen und Felder, durch die die Grünen-Fraktionsvorsitzende gerne bis nach Freiberg läuft. „Seit ich im Gemeinderat bin, jogge ich“, sagt die 63-Jährige. Für Vereinssport habe sie keine Zeit mehr.

Genau dieser Zeitaufwand ist aus ihrer Sicht der Grund für viele Frauen, sich eben nicht in der Politik zu engagieren: „Frauen haben fast immer ein schlechtes Gewissen gegenüber der Familie, Männer weniger“, sagt Klett-Heuchert. Zwar habe es ein gewisses Umdenken gegeben, aber sie habe das Gefühl, in letzter Zeit gebe es eher wieder Rückschritte in Sachen Emanzipation. Allerdings ist es auch gar nicht ihr Anliegen, explizit mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern: „Ich unterscheide nicht so zwischen Frauen und Männern. Mir ist wichtig, dass man sich überhaupt für das Gemeinwohl engagiert.“ Entscheidend sei aber die Chancengerechtigkeit: Frauen sollten genauso die Möglichkeit haben, sich zu engagieren oder ihren Beruf auszuüben wie Männer.

Per Zufall in die Politik gerutscht

Klett-Heuchert selbst ist zu Hause geblieben, als die Kinder kamen – obwohl sie gelernte Rechtspflegerin sowie studierte Kunst- und Englischlehrerin war. „Der Einstieg hat nicht mehr geklappt“, sagt sie. Allerdings sei sie nebenher immer in der Erwachsenenbildung aktiv gewesen. Und nach der Familienphase kam das Engagement als Stadträtin.

Sie sei eher per Zufall in die Politik gerutscht, erzählt die gebürtige Ludwigsburgerin. Ihr früherer Kunstprofessor an der Pädagogischen Hochschule habe sie immer wieder gefragt, ob sie sich nicht als Stadträtin aufstellen lassen wolle. Letztlich habe sie zugestimmt, sich auf einen hinteren Listenplatz setzen zu lassen und sei tatsächlich gewählt worden. Das war im Jahr 1999. Fünf Jahre lang saß Klett-Heuchert daraufhin für die Lubu im Gemeinderat. Dann wollte sie ihr Engagement eigentlich an den Nagel hängen – hätten sich nicht die Grünen um sie bemüht. „Von den Grünen war ich schon lange fasziniert“, sagt die Fraktionschefin. Insbesondere in der Bildungs- und Familienpolitik der Partei habe sie sich wieder gefunden. Sie kandidierte erneut, diesmal für die Grünen. Sie wurde wieder gewählt, und schließlich auch noch Fraktionsvorsitzende. Besondere Hürden als Frau im Vergleich zu Männern habe sie dabei nicht wahrgenommen. „Ich hatte noch nie das Problem, nicht ernst genommen zu werden“, sagt Klett-Heuchert.

Das Verständnis für kommunalpolitische Entscheidungen steigt

Die Grünen-Chefin sieht ihr Engagement nicht nur als Geben, sondern auch als Nehmen: „Ich habe sehr viel mitbekommen im Gemeinderat.“ Als Stadträtin bekomme man einen „wahnsinnigen Überblick“ über die Politik vor Ort. Das ist ihr wichtig. Schließlich könne man nicht bei jedem Thema in die Tiefe gehen. Dieser Überblick habe auch dazu geführt, dass sie sich mehr mit ihrer Heimatstadt identifiziere als vorher. „Mein Verständnis für die Entscheidungen der Verwaltung sind gestiegen, weil ich die Hintergründe kenne.“

Der Wunsch nach dem Rundum-Blick auf das große Ganze treibt Klett-Heuchert auch in der Freizeit an. Sie kennt den Punkt auf ihrer Jogging-Strecke genau, von dem aus man die beste Aussicht nach allen Seiten hat. Von dort aus ist nicht nur Eglosheim zu sehen, sondern auch der Hohen-asperg, Bietigheim-Bissingen und das Ingersheimer Windrad. Das gefällt der Grünen. Diesen Blick wird sie auch künftig genießen, doch der Überblick über die Kommunalpolitik wird wohl kleiner werden. Denn Klett-Heuchert will 2014 nicht mehr für den Stadtrat kandidieren: „Ich gehe in den Ehrenamtsruhestand“, sagt sie.




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