Frauen in der Kommunalpolitik Von Haus aus liberal

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Ehrlichkeit und Effizienz sind für Helga Schneller die wichtigsten Eigenschaften einer Gemeinderätin. Die ehemalige Bankangestellt sieht sich als Vertreterin von Wirtschaft und Hausbesitzern.

Helga Schneller kennt in Hoheneck alles und jeden Foto: factum/Granville
Helga Schneller kennt in Hoheneck alles und jeden Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Ehrlichkeit und Effizienz sind wichtige Bausteine für Helga Schneller. Ganz gleich, ob es um die Arbeit in der Bank geht oder um das Engagement im Ludwigsburger Gemeinderat. Aber leider, so ihr Resümee nach fast vier Jahrzehnten in der Bank und bald zehn Jahren im Stadtparlament: beides ist im Verschwinden begriffen. Die kriminellen Finanzjongleure haben das Geldwesen so sehr beschädigt, dass auch die Kleinen nicht mehr völlig sauber agieren können, und die Gesprächskultur im Ratssaal führe immer mehr dazu, dass zwar viel gestritten, aber nur wenig beschlossen werde. Fehle hier die Effizienz, vermisse sie dort die Ehrlichkeit.

Im Einsatz für die Wirtschaft und die Hausbesitzer

Auch wenn sie trotzig behauptet, „wenn man wie ich aus einer Landwirtschaft stammt, wirft einen so rasch nichts um“, wird rasch klar, dass sie diese Enttäuschungen erst noch wegstecken muss. „Die Leute denken heute sehr viel eigennütziger als früher.“ Helga Schneller sieht sich an einem Wendepunkt angekommen: Ihre Stelle bei der Bank hat sie schon gekündigt. Ob sie 2014 noch einmal für den Gemeinderat kandidieren wird, weiß sie noch nicht. „Das hängt auch davon ab, wen die Freien Wähler auf der Liste haben werden.“ Sprich: ob genügend Frauen kandidieren. Außerdem hält sie es für unerlässlich, dass jemand da ist, der wie sie die Wirtschaft und die Hausbesitzer vertritt. Als Gegenpart zum Vertreter des Mietervereins, Eckart Bohn (SPD), und zu den Sozialarbeitern, Architekten und Handwerkern, die ihrer Ansicht nach das Ludwigsburger Gremium dominieren.

„Ich bin zur Verantwortung erzogen worden“, sagt Schneller, die sich und ihre Handlungen gern mit Hilfe von Lebensmaximen und Formeln der Selbstbehauptung erklärt. Das sei auch der Antrieb für ihr ehrenamtliches Engagement, sagt sie: „Ich will etwas bewirken.“

Durch Arbeit im Gemeinderat Stadt kennengelernt

Als Frau habe sie dort kaum Nachteilte erfahren. „Als ich in den Gemeinderat kam, war das ja nichts Besonderes mehr.“ Ganz anders hat sie dagegen die Zeit in Erinnerung, in der sie in der Bankenbranche Fuß gefasst hat – die siebziger Jahre: „Ich war immer die einzige Frau in den Fortbildungsseminaren“, sagt sie. Erst ein Jahrzehnt später sei wenigstens etwas Bewegung in die Sache gekommen: „Als ich 1987 das Führungsseminar besuchte, waren von 20 Teilnehmern immerhin vier Frauen.“ Helga Schneller hat gelernt, sich durchzusetzen. Sie bedauert aber auch, „dass Frauen weniger nach der Macht streben als Männer“ – leider auch im Gemeinderat.

Die Prokuristin vermisst vor allem jüngere Frauen im Stadtparlament. „Aber natürlich lässt sich das für die meisten einfach nicht mit Kindern und Beruf vereinbaren“, sagt sie. Das Ludwigsburger Gremium sei einfach sehr debattierfreudig, das sei für Ehrenamtliche generell kaum zu leisten.

Helga Schneller ist 1955 in Hoheneck hinter dem Neckardamm geboren, dort aufgewachsen und lebt auch heute dort: im eigenen Haus im alten Ortskern. „Wir waren von Haus aus immer liberal“, sagt sie. Und sie kann auch gar nicht verstehen, warum die Deutschen immer wieder bereit sind, „so viele Freiheiten aufzugeben“. Schneller kennt in Hoheneck alles und jeden, das ist ihr auch sehr wichtig. Dennoch ist sie nicht der Versuchung erlegen, diesen Eindruck auf die Gesamtstadt zu übertragen. „Viel davon habe ich erst über die Arbeit im Gemeinderat kennengelernt“, sagt sie. „Ich habe dadurch bessere Einblicke in die Strukturen erhalten.“

Die Freunde kommen ein wenig zu kurz

Die Ehrlichkeit, die sie von anderen erwartet, bringt sie selbst auf, wenn sie freimütig von fachlichen Grenzen spricht: „Ich tue mich schwer mit dem Bereich Kindergarten und Schule.“ Da fehle einfach die eigene Erfahrung, sagt die Stadträtin, die seit 39 Jahren mit Eugen Weinmann zusammenlebt und kinderlos ist. Im Juni endet ihre Tätigkeit in der Möglinger Bank. Ein Großteil der gewonnenen Zeit werde sie in die Arbeit für den Verein Haus und Grund stecken. Die vielen Abendtermine aber ist sie damit noch lange nicht los. „Ich bin sehr gern mit Freunden zusammen“, sagt Helga Schneller. Als sie Stadträtin wurde, sank die Frequenz der gemeinsamen Treffen dramatisch. Wie gesagt: Sie hat sich noch nicht entschieden, ob und wie es für sie im Gemeinderat weitergeht.




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