Stuttgarter Freibäder in der Coronazeit Schwimmen in geregelten Bahnen

Von Christoph Kutzer 

Das Wetter meint es gut mit den Freibadgängern in Stuttgart. In der ersten Woche nach der Eröffnung war es nur eine Handvoll Hartgesottene, die es ins Wasser zog. In dieser Sonnenschein-Woche sind es schon deutlich mehr Besucher geworden.

Die ersten Schwimmer ziehen wieder ihre Bahnen. Foto: Lg/Leif Piechowski
Die ersten Schwimmer ziehen wieder ihre Bahnen. Foto: Lg/Leif Piechowski

Stuttgart - Dienstag 11 Uhr. 26 Grad. Ideales Wetter um schwimmen zu gehen. Gelassen ziehen 15 Gäste ihre Bahnen im Becken des Möhringer Freibads. Immer auf Abstand und diszipliniert den Richtungspfeilen auf den Startblöcken folgend. Der Sprungturm ist gesperrt. Im kühlen Nass ist ausreichend Platz. „Ich finde das sehr angenehm“, kommentiert Ilona Bly die Ruhe. Die 70-Jährige ist seit Jahrzehnten Stammgast in der traditionsreichen Badeanstalt und in dieser Saison zum ersten Mal vor Ort. Sie sei sehr dankbar, dass das Bäderamt die Öffnung ermöglicht habe, sagt sie. Der Freibadbesuch sei ein Stück Lebensfreude.

Jens Böhm, Pressesprecher der Bäderbetriebe zeigt sich ebenfalls zufrieden mit dem Verlauf der Freibadöffnungen. Es gebe noch ein paar Kinderkrankheiten, etwa die temporären technischen Probleme beim Dienstleister für die Online-Ticket-Buchung. Angesichts der kurzen Vorlaufzeit, die man gehabt habe, um allen Auflagen gerecht zu werden, sei man aber auf einem guten Weg. Das schließt Anpassungen und Neuerungen ein.

Erst online buchen, dann ins Bad

So wird es vom 29. Juni an möglich sein, sich im Erdgeschoss der Zentralen Bäderverwaltung online für einen Freibadbesuch registrieren zu lassen. Damit sollen auch jene Schwimmer zu ihrem Recht kommen, die keinen Zugang zum Internet haben. Eine Alternative zum Online-Ticket sieht Böhm nicht: „Jeder Badegast muss seine persönlichen Daten angeben. Wenn wir es wie in der Gastronomie handhaben würden und sich alle am Eingang in eine Liste eintragen sollten, dann gäbe es vor den Bädern größere Menschenansammlungen.“ Die wolle man allerdings unbedingt vermeiden.

Thomas (68) freut sich zwar, wieder schwimmen gehen zu können, empfindet das Online-System für die Platzbuchung aber als steinzeitlich. Man müsse jedes Mal die kompletten Kontodaten neu eingeben, moniert er. Es sei keine Zahlung über Paypal möglich. Vor allem aber habe er das Gefühl, dass Dauerkarteninhaber geschröpft würden. „Wenn ich jeden Tag ein Ticket kaufen muss, kostet mich das wesentlich mehr“, urteilt er. „Warum kann man es nicht ähnlich handhaben wie in der Wilhelma, wo man sich mit seiner Dauerkarte online registrieren kann und diese dann am Eingang vorzeigen muss?“

Carolin ist mit ihrem Sohn am Nichtschwimmerbecken unterwegs. Es sei toll, dass weniger Trubel herrsche, betont sie. Mehr als fünf Kinder sind nicht im flachen Wasser zugange. Dass sie das Bad um zwölf Uhr wieder verlassen muss, stört die 35-Jährige wenig. „Wir würden ohnehin nicht den ganzen Tag hierbleiben“, gibt sie zu verstehen. „Schon wegen der Sonne.“

Coronabedingte Beschränkungen werden akzeptiert

Die Freude über die Öffnung ist allen Besuchern anzumerken. Die coronabedingten Einschränkungen nehmen sie gerne in Kauf. „Wir hatten bis jetzt keine Schwierigkeiten“, bestätigt Betriebsleiterin Regina Schreiber diesen Eindruck. „Unsere Gäste sind sehr einsichtig.“ Jens Böhm hofft, dass die Situation so entspannt bleibt.

Schon im vergangenen Sommer hatte die Gewaltbereitschaft einzelner Freibadgänger zu Überlegungen geführt, ob man zusätzliches Sicherheitspersonal einsetzen müsse. Die Ausschreitungen in der Innenstadt am vergangenen Wochenende machen dem Bäderamt nun zusätzlich Sorgen. Aktuell sind bereits zusätzliche Ordnungskräfte im Einsatz. „Die gesamte Öffnung ist sehr personalintensiv“, konstatiert Böhm. „Das liegt vor allem an den Corona-Auflagen.“ Aus diesem Grund habe man sich auch dafür entschieden, die Schließung der Hallenbäder bis auf Weiteres aufrecht zu erhalten. „Erschwerend kommt hinzu, dass wir nur unsere Stammbeschäftigten einsetzen können“, so der Sprecher der Stuttgarter Bäderbetriebe. „Saisonarbeiter haben wir kaum. Dafür war bis vor kurzem viel zu unsicher, ob und wie wir würden öffnen können.“

11.30 Uhr. Eine Durchsage fordert die Schwimmer in Möhringen auf, das Becken zu verlassen. Um zwölf Uhr müssen sie das Gelände verlassen haben. Ab 15.30 Uhr können dann die nächsten Besucher kommen. Die Nachfrage ist groß. „Ich bin froh, dass es hier noch geklappt hat“, berichtet eine junge Frau. „Die Bäder am Killesberg und im Sillenbuch waren bereits bis Ende der Woche ausgebucht.“




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