Freier Eintritt ins Landesmuseum Württemberg Kostenlos Kulturgeschichte genießen

Von Petra Mostbacher-Dix 

Seit 1. Januar können die Schausammlungen des Landesmuseum Württemberg ohne Eintritt besucht werden. Das freute viele Besucher am Feiertag.

Die Schausammlungen im Alten Schloss und den dazu gehörenden Standorten sind seit 1. Januar kostenfrei zu sehen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 6 Bilder
Die Schausammlungen im Alten Schloss und den dazu gehörenden Standorten sind seit 1. Januar kostenfrei zu sehen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Ein Pärchen sitzt auf einer Bank, Augen geschlossen, Köpfe aneinander und an das Mauerwerk gelehnt. Auf einer anderen hölzernen Sitzgelegenheit wartet ein Mann auf seine Familie, seinen Hund streichelnd. Und auf einer dritten erklären Mama und Papa ihren drei Kindern, was sie nun hinter den Mauern sehen werden. Dorthin sind bereits viele Familien, Gruppen, Paare und Einzelne verschwunden. Es ist lebhaftes Kommen und Gehen an diesem Heilige Drei Könige-Samstag im Renaissancehof des Alten Schlosses Stuttgart und im Landesmuseum Württemberg. „In den Ferien und an den Feiertagen ist bei uns immer so viel los“, bestätigen Museumsmitarbeiter.

Ist es nun noch mehr, weil seit 1. Januar 2018 die Schausammlungen im Alten Schloss – und den dazu gehörenden Standorten Haus der Musik im Fruchtkasten, Römisches Lapidarium sowie Museum der Alltagskultur des Schlosses Waldenbuch – kostenfrei zu sehen sind? Das müsse man abwarten, meint eine. Eine Kollegin indes erklärt, dass die Besucher im Alten Schloss sich freuten, wenn sie davon an der Kasse erführen. Dort müssen sie aus Gründen der Sicherheit und der Statistik noch ein Ticket lösen, indes nichts dafür bezahlen. Das gilt zunächst einmal bis Ende 2018 für die Sammlungen. Sonderausstellungen kosten noch, wie etwa die Schau „Die Ritter. Leben auf der Burg“, die derzeit im Kindermuseum Junges Schloss läuft.

Vorbild ist Großbritannien

An dessen Kasse standen Familien dennoch Schlange. „Gerade erst haben wir erfahren, dass die Schausammlungen gratis sind“; so eine Mutter, die mit ihren kleinen Töchtern nach der Ritterschau noch die anderen Abteilungen des Hauses besuchte. „Das ist super. Wir werden nun öfter kommen.“ So erging es einigen Besuchern, die man bei den „Wahren Schätzen“ der Antike, Kelten und Kunstkammer, beim Glas aus vier Jahrtausenden oder den Legendären Meisterwerken aus der Stein-, Bronze- Eisenzeit, dem Mittelalter oder der Ära des Herzogtums und Königreich Württembergs antraf. „Auch wir haben davon noch nichts gewusst“, so ein älteres Paar unisono. „Es war eine schöne Überraschung!“ Und ein Vater betonte, dass er nun auch mal in der Mittagspause Kulturgeschichte genießen könne, er sei ein Keltenfan.

Zu verdanken ist das der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg und der Adolf Würth GmbH 6 Co. KG, die hierfür 160.000 Euro zur Verfügung stellen. Vorbild war Großbritannien, wo staatliche Museen keinen Eintritt kosten. Unternehmer Reinhold Würth, seit 1998 Erster Vorsitzender der Fördergesellschaft, betont, dass Menschen der Zugang zur Kultur so einfach wie möglich gemacht werden müsse. Und Cornelia Ewigleben, Direktorin des Landesmuseums Württemberg, unterstreicht, dank des kostenfreien Eintritts könne das Haus seinem Bildungsauftrag verstärkt nachkommen. „Er ermöglicht Kunstgenuss und kulturelle Teilhabe für alle.“

Einrichtungen für neues Publikum öffnen

Auch Petra Olschowski, Staatssekretärin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, begrüßte die Initiative der Fördergesellschaft und Würths. Freier Eintritt könne ein Baustein sein – neben Kunstvermittlung, interessanten Ausstellungen, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder neuen digitalen Vermittlungsmöglichkeiten –, um Kultureinrichtungen auch für ein neues Publikum zu öffnen. „Wir werden das Projekt des Landesmuseums im Kunstministerium eng begleiten und professionell auswerten lassen“, so Olschowski. „Wir arbeiten aktuell an einem Gesamtkonzept zur Öffnung unserer Häuser und an der Frage, wie wir neue Zielgruppen für Kunst und Kultur erreichen.“

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