Fridays for Future Globaler Klimastreik – auch in Stuttgart

Bereits im vergangenen September fanden – trotz Coronapandemie – deutschlandweit große Proteste gegen die aktuelle Klimapolitik statt. Foto: AP/Michael Sohn
Bereits im vergangenen September fanden – trotz Coronapandemie – deutschlandweit große Proteste gegen die aktuelle Klimapolitik statt. Foto: AP/Michael Sohn

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future ruft für diesen Freitag zum siebten globalen Klimastreik auf. Auch in Stuttgart sind Aktionen geplant. Wann und wo finden diese statt – und was bedeutet das an dem Nachmittag für den Verkehr in der Innenstadt?

Wissen: Hanna Spanhel (hsp)
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Stuttgart - Keine leeren Versprechungen mehr – #NoMoreEmptyPromises: Unter diesem Motto ruft die Klimaschutzbewegung Fridays for Future an diesem Freitag zum siebten globalen Klimastreik auf. In über 50 Ländern weltweit sind für diesen Tag Proteste angesetzt, in Deutschland sollen nach Angaben von Fridays for Future in mehr als 210 Städten Aktionen stattfinden. Im Zentrum steht dabei die Forderung nach konsequenten, politischen Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. „Geplant sind vielfältige, kreative Aktionen wie Fahrraddemos, Sit-Ins, Kreide- oder Kunstaktionen“, heißt es in einer Ankündigung. Um 12 Uhr gibt es zudem einen bundesweiten Livestream. Doch auch in Stuttgart sind Aktionen geplant: Ein Überblick.

Was konkret ist am Freitag für den Klimastreik in Stuttgart geplant?

Einen Demozug durch die Innenstadt wird es dieses Mal nicht geben: Auftakt des Klimastreiks in Stuttgart ist am Freitag um 14 Uhr mit einer Kundgebung im Oberen Schlossgarten bei der Staatsoper. Geplant sind dafür laut dem Organisationsteam Reden von verschiedenen Organisationen und von Aktivistinnen und Aktivisten. „Wir wollen mit unterschiedlichen Beteiligungsformen zeigen, dass wir immer noch viele sind“, sagt Valeria Anselm von Fridays for Future Stuttgart. Die Kundgebung soll auch im Internet gestreamt werden.

Ab 16 Uhr wird demnach zudem eine Kunstaktion am Schicksalsbrunnen vor der Oper stattfinden. „Zusammen mit Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und anderen Gruppen haben wir Wünsche und Forderungen gesammelt“, sagt Valeria Anselm. Hunderte solcher schriftlicher Botschaften etwa von Kindern oder Menschen in Pflegeheimen seien zusammengekommen und in Flaschen gefüllt worden.

In einer Kunstperformance tragen Künstlerinnen und Künstlern sowie Stuttgarter Theatergruppen diese befüllten Flaschen durch die Stadt und bis zur Kundgebung - und stellen sie dort zu einem Symbolbild auf. Die Ergebnisse sollen anschließend in einem Video zu sehen sein. Beteiligt ist an der Aktion unter anderem das Junge Ensemble Stuttgart (JES).

Die Corona-Infektionszahlen steigen in der Region gerade wieder an. Wie soll der Protest in Zeiten der Corona-Krise aussehen?

„Die Kundgebung ist unter strengen Hygienevorgaben geplant, sodass alle infektionssicher an dem Protest teilnehmen können“, kündigt Fridays for Future Stuttgart an. Das Ordnungsamt hat die Aktionen demnach genehmigt. Während der Kundgebung sollen Mund-Nasen-Schutz getragen und die Mindestabstände von 1,5 Metern eingehalten werden. Ordnerinnen und Ordner werden demnach auf die Einhaltung dieser Regeln achten.

Auch für die Proteste anderswo in Deutschland gilt das laut einer Sprecherin: „Alle Aktionen finden auf der Straße unter Beachtung strenger Hygienekonzepte statt“, heißt es in der Ankündigung. Geplant sind demnach an diesem Tag keine großen Demozüge wie in der Vergangenheit, sondern eben Aktionen wie Fahrraddemos, Sit-Ins, Kreide- oder Kunstaktionen.

Ist am Freitagnachmittag mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen?

Die Stuttgarter Polizei rechnet laut einer Sprecherin im Zusammenhang mit den geplanten Aktionen am Freitagnachmittag nicht mit großen Beeinträchtigungen des Verkehrs. Da kein großer Demozug, sondern nur ein kleiner Aufzug mit 30 Personen angemeldet sei, „wird es wahrscheinlich zu keinen nennenswerten Behinderungen kommen“, sagt die Sprecherin. Dieser Aufzug betrifft die geplante Kunstperformance, bei der die Flaschen mit gesammelten Wünschen durch die Stadt getragen werden sollen.

Auch im Hinblick auf die Hygienevorschriften im Zusammenhang mit der Coronaverordnung gehe man bei der Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht von Problemen aus: „Es ist bei stationären Kundgebungen leichter, sich an die Vorschriften zu halten, als bei einem großen Demozug, der in Bewegung ist.“ Für die Kundgebung im oberen Schlossgarten seien demnach bis zu 500 Menschen angemeldet.

Welche Forderungen kommen am Freitag von der Bewegung?

Die Forderungen der Aktivistinnen und Aktivisten sind im Prinzip nicht neu, im Fokus stehen etwa der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 Netto-Null Treibhausgasemissionen und eine Energieversorgung komplett aus erneuerbaren Quellen bis 2035. „Seit zwei Jahren gehen wir auf die Straßen und trotzdem verläuft jede kleinste Veränderung schleppend“, sagt Cosima Rade von Fridays for Future Stuttgart. „Wir dürfen mit dem Handeln nicht warten. Gegen Klimakatastrophen wird es keinen Impfstoff geben, aber die Wissenschaft und das Pariser Klimaabkommen liefern uns die Pläne die globale Katastrophe abzuwenden“, so Cosima Rade.

Dafür brauche es eine Politik, „die aufhört mit ihren leeren Versprechungen und stattdessen Verantwortung übernimmt“. Mit den Forderungen wolle man sich explizit an Stuttgarts neuen Oberbürgermeister Frank Nopper sowie an die Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung richten, heißt es.

Mit der Kunstaktion in Stuttgart sowie den gesammelten Wünschen und Forderungen soll dem Motto dieses Klimastreiks Ausdruck verliehen werden: „Wir füllen die leeren Versprechungen der Politik“, sagt Valeria Anselm. „Nun ist es an ihnen, wirkliche Klimagerechtigkeitspolitik umzusetzen.“ Die Klimakrise betreffe schon heute tausende Menschen weltweit – und werde diejenigen stärker treffen, die schon jetzt unter Ungerechtigkeiten leiden, so die Stuttgarter Schülerin.

Welche Aktionen gibt es in Baden-Württemberg noch?

Die Evangelische Landeskirche in Baden hat laut der Deutschen Presseagentur alle Kirchengemeinden dazu eingeladen, sich mit einem Klimagebet, einer Andacht, dem Läuten von Kirchenglocken um „5 vor 12“ Uhr oder einer ähnlichen Aktion am weltweiten Klimaaktionstag von „Fridays for Future“ am 19. März zu beteiligen. Für diese Aktionen habe der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh extra ein Klimagebet formuliert, teilte die badische Landeskirche am Mittwoch mit.




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