Frisbee Den Feinschliff gibt’s in der Glemsaue

Von Luca Kraus 

Die deutsche Ultimate-Frisbee-Nationalmannschaft absolviert vor der Weltmeisterschaft in Japan ein Trainingslager in Ditzingen.

Ohne Einsatz geht es auch im körperlosen Sport Ultimate Frisbee nicht: Die Spieler entscheiden selbst, welche Aktion ein Foul ist. Foto: Gorr
Ohne Einsatz geht es auch im körperlosen Sport Ultimate Frisbee nicht: Die Spieler entscheiden selbst, welche Aktion ein Foul ist. Foto: Gorr

Ditzingen - Hier finden wir gute Rahmenbedingungen und eine tolle Anlage vor, um noch einmal an der Abstimmung zu arbeiten und einige Positionen auszuprobieren“, sagt Stefan Rekitt, Trainer der deutschen Ultimate-Frisbee-Nationalmannschaft. Vor dem Höhepunkt des Frisbee-Sportjahres hat er seine Schützlinge zum Trainingslager in die Glemsaue gebeten. Die Weltmeisterschaft im japanischen Sakai vom 7. bis zum 14. Juli steht kurz bevor. In der 850 000-Einwohner-Stadt nahe Osaka geht es für sein Team in der Vorrunde gegen Italien, Südafrika, Singapur und den Topfavoriten USA um einen der ersten drei Plätze für die Zwischenrunde. Die Reise machen auch drei für die 2011 neu gegründete Frisbee-Abteilung der TSF Ditzingen spielende Akteure mit: Philipp Haas (Herren), Ellen Obenland und Marcel Klingel (beide Mixed)

„Wir wollen auf jeden Fall das Viertel­finale erreichen, mit ein bisschen Losglück ist vielleicht auch eine Runde mehr drin“, gibt Rekitt die Marschroute vor. Denn bei der Weltmeisterschaft geht es nicht nur um Medaillen, sondern auch um die Qualifikation für die World Games 2013 in Kolumbien. Um diese von hohem Öffentlichkeitsinteresse geprägte Veranstaltung nichtolympischer Sportarten, bei der das Ultimate Frisbee aufgrund des schiedsrichterlosen Spiels Botschaftersportart ist, zu erreichen, muss seine Mannschaft einen der ersten fünf Plätze belegen.

„Das Spiel ohne Schiedsrichter ist ein zentraler Punkt unserer Sportart. Das ist zwar bei internationalen Spielen herausfordernd, aber durch den Grundgedanken, dass alle fair spielen wollen, gibt es da eigentlich keine Einigungsprobleme“, so der ehemalige Nationalspieler. Anstelle eines Unparteiischen sagt der angreifende beziehungsweise angegriffene Akteur ein Foul an. Akzeptiert das der Verteidiger, wird der Spielzug wiederholt, ansonsten geht die Scheibe zurück an den Punkt, an dem sich beide Mannschaften zuletzt einig waren (siehe auch nebenstehende Rubrik: Sportart ohne Schiedsrichter).

Für Rekitt ist das allerdings nicht das einzig Faszinierende: „Die verschiedenen Eigenschaften der Frisbee-Scheibe im Flugverhalten und was man alles mit ihr anstellen kann, beeindruckt mich.“ Es ist nicht unüblich, dass das Spielgerät 100 Meter weit geworfen wird. Der Weltrekord liegt sogar bei 250 Metern. Diese unter speziellen Bedingungen erreichte Spitzenweite spielt in einer Partie jedoch keine Rolle, da das Spielfeld nur 100 Meter lang ist. Deshalb kommt es beim Ultimate Frisbee eher auf einen genauen Wurf an. „Außerdem ist es wichtig, physisch topfit zu sein, selbstbewusst aufzutreten und sich auch schwierige Würfe zuzutrauen. Aber immer mit kalkuliertem Risiko und kontrollierter Offensive“, sagt der gebürtige Norddeutsche, der zurzeit in München lebt und seinen Akteuren an diesem Wochenende noch einmal alles abverlangte.

Am Samstag standen die Spieler, die sich einmal im Monat treffen und ansonsten in den Vereinen trainieren, über den Tag verteilt mehr als sechs Stunden auf dem Platz. Nach der Vormittagseinheit gestern gab’s für Neugierige und Interessierte ein Showspiel zwischen dem Offensiv- und dem Defensiv-Team In einer packenden Partie gewann die Offensiv-Mannschaft knapp mit 15:14. Für Rettig Anlass genug, optimistisch zu sein: „Wir sind gerüstet für Japan.“




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