InterviewFrisch-Auf-Göppingen-Aufsichtsratschef Weiß „Vielleicht sind wir alle ein bisschen zu weich“

Sport: Jürgen Frey (jüf)
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Warum?
Da bin ich ein stückweit ratlos.
Liegt es vielleicht daran, dass nach ein paar Erfolgen die Aufbruchstimmung schnell wieder einschläft, man sich zufrieden zurücklehnt und sich alle wieder lieb haben?
Vielleicht sind wir alle ein bisschen zu weich. Grundsätzlich weiß aber auch bei uns jeder Einzelne, dass Stillstand Rückschritt ist. Wir wollen schon weiter nach oben. Aber selbst den Erfolg, den wir viele Jahre lang hatten, zu verstetigen, ist im Spitzensport eine Kunst, die die nur wenige beherrschen.
Braucht nicht die Mannschaft und die Führungsetage mehr Typen, die bedingungsloser nach Erfolgen jagen und Niederlagen auch persönlich nehmen?
Frisch Auf braucht frischen Wind. Wir werden alles hinterfragen. Und da fange ich grundsätzlich bei mir selbst an. Wobei ich damit nicht andeuten will, dass ich amtsmüde bin.
Früher hat Ex-Trainer Velimir Petkovic ständig Druck gemacht, der Frisch Auf antrieb. Jetzt wird immer wieder auch der Name des Handballexperten Rolf Brackins Spiel gebracht, bei Frisch Auf ein Amt zu übernehmen?
Alle beide haben meiner Ansicht nach viel zu viel Druck gemacht und sind auch darüber gestolpert.
Die Verkrustungen eines Vereins lassen sich nicht auf Knopfdruck lösen. Aber braucht das System Frisch Auf nicht auch sportfachliche Kompetenz im Aufsichtsrat?
Darüber werden wir sprechen.
Kommen wir noch einmal zum Final Four. Was erwarten Sie von der Mannschaft?
Dass sie bei diesem Handballfest ein gutes Bild abgibt und möglichst den Titel verteidigt.
Glauben Sie ernsthaft daran? Ihr Halbfinalgegner SC Magdeburg ist wettbewerbsübergreifend seit 22 Spielen ungeschlagen.
Wenn man die aktuelle Form als Maßstab nimmt und unsere Verletztenliste anschaut, dann sind wir gegen Magdeburg sicher nicht der Favorit. In einem möglichen Endspiel gegen die Füchse Berlin noch viel weniger. Doch ich traue unserem Trainer Magnus Andersson mit seiner Mannschaft zu, dass sie mit den Fans im Rücken in zwei Spielen etwas Außergewöhnliches erreichen.
Das kostet Kraft – mental und körperlich – die im Kampf gegen den Abstieg dann fehlt?
Ich sehe es anders: Wenn wir im Final Four gut aussehen, im Optimalfall sogar den Titel holen, würde uns das Rückenwind für den Endspurt in der Bundesliga verleihen. Die Mannschaft könnte mit neuem Selbstvertrauen in das dann folgende, enorm wichtige und schwierige Derby am 27. Mai in Balingen gehen.
Wie viele Punkte braucht es aus den ausstehenden vier Ligaspielen noch für den Nichtabstieg?
Ein Sieg muss auf jeden Fall noch her. Und möglichst nicht erst am letzten Spieltag am 10. Juni gegen den TVB 1898 Stuttgart. Ich bin optimistisch, dass wir aus der Krise gestärkt hervorgehen. Ich sehe die Krise als Chance an.

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