Frisch Auf Göppingen Ein Handballer liebt den Nervenkitzel

Von Jürgen Frey 

Er liebt den Nervenkitzel und hat ein Handgelenk wie aus Gummi. Marcel Schiller ist der Top-Torjäger von Frisch Auf Göppingen und fiebert dem Final Four um den EHF-Pokal in Nantes entgegen.

Will mit Frisch Auf auch beim Final Fou in Nantes jubeln: Marcel Schiller Foto: Baumann
Will mit Frisch Auf auch beim Final Fou in Nantes jubeln: Marcel Schiller Foto: Baumann

Göppingen - Marcel Schiller war nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Eine Nebenhöhlenentzündung machte dem Linksaußen von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen zu schaffen. Außerdem gelang es ihm in der Anfangsphase zweimal nicht, den Ball an dem Ex-Nationaltorwart Johannes Bitter vorbei ins Tor zu bringen. Doch es spricht für Schiller, dass er sich von Widrigkeiten nicht von seinem Kurs abbringen lässt. Der 24-Jährige steigerte sich im Laufe der Partie, fand zu seiner Stärke zurück – und am Ende hatte er zum 35:26-Derbysieg gegen den TVB Stuttgart sechs Tore beigetragen.

Viermal trat er zum Siebenmeter an. Viermal traf er: „Der Sieg war unglaublich wichtig, wir fahren jetzt mit einem positiven Gefühl zum Final Four nach Nantes.“ Dort peilt Schiller an diesem Wochenende den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere an. „Ich werde Vollgas geben, damit wir diesen Titel einfahren – und damit auch im kommenden Jahr sicher wieder auf der internationalen Bühne vertreten sind.“

Regelmäßig unter den Top-Sechs der Bundesliga-Torjägerliste

Seit 2012 spielt der in Dettingen/Erms geborene Schiller in der Bundesliga. Ein Jahr beim TV Neuhausen, im dritten Jahr nun für Frisch Auf. Und bis auf die erste Saison in Göppingen landete der Rechtshänder (Vertrag bis 2017) am Ende der Runde unter den besten sechs der Torjägerliste in der stärksten Liga der Welt.

Auch im aktuellen Ranking steht er mit 148 Treffern (davon 80 Siebenmeter) auf Platz sechs. Schiller besticht durch seine variantenreichen Würfe, die er aus seinem „Gummihandgelenk“ abfeuert. Ähnlich wie der Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer. „Ich studiere Videos und schaue mir vieles ab“, sagt der glühende Basketball-Anhänger und Fan von Kobe Byrant. Kein Zufall: wie die NBA-Ikone trägt Schiller die Trikotnummer 24.

A-Junioren-Titelgewinn gegen Kirchzell mit Andy Wolff

Zu Schillers Torriecher kommt auch seine Nervenstärke. Ein prägendes Erlebnis hatte der gelernte Physiotherapeut im Kampf um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft 2009 im Dress des TV Neuhausen. Im Halbfinale verwarf er zwei wichtige Strafwürfe. Im Endspiel gegen den TV Kirchzell machte er den Siebenmeter rein – gegen keinen Geringeren als den Europameister Andreas Wolff. „Diese Erfahrung gab mir ein positives Gefühl, weil mir klar wurde, dass ich aus schwierigen Situationen lernen kann“, sagt Schiller, der offen einräumt: „Ich liebe diesen Nervenkitzel.“

Die A-Junioren-Meisterschaft und der Bundesliga-Aufstieg mit Neuhausen 2012 waren seine bisher größten Erfolge. Einmal wurde er in die B-Nationalmannschaft berufen. Die Hoffnung, dass ihn der Bundestrainer Dagur Sigurdsson fürs A-Team nominiert, hat er nicht aufgegeben. „Vielleicht muss ich noch ein wenig an meinem Abwehrverhalten feilen“, sieht Schiller Steigerungspotenzial in der Defensive.

Zunächst aber will er an diesem Wochenende den EHF-Pokal gewinnen, wo es im Halbfinale am Samstag (17.30 Uhr) gegen Chambéry Savoie geht. Für Frisch Auf wäre es nach 2011 und 2012 das dritte Mal, für Schiller der erste internationale Titel. Die Nebenhöhlenentzündung hat er bis dahin auskuriert. Und seine Nerven hat der Toptorjäger ohnehin im Griff.

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