Frisch Auf Göppingen Mit oder ohne Brack in die Zukunft?

Von Jürgen Frey 

Wer prägt die nächste Ära von Frisch Auf Göppingen? Der aktuelle Coach Rolf Brack, der im Dezember 64 wird – oder ein neuer Mann? Noch will diese strategische Entscheidung beim Handball-Bundesligisten keiner treffen.

Rolf Brack: Bleibt er in Göppingen – oder sagt er am Saisonende Tschüss? Foto: Baumann
Rolf Brack: Bleibt er in Göppingen – oder sagt er am Saisonende Tschüss? Foto: Baumann

Göppingen - Es gibt in Göppingen tatsächlich noch Menschen, die seit dem Amtsantritt von Rolf Brack am 27. September aus Protest nicht mehr in die Halle gehen. Die Vorbehalte dieser verschwindend geringen Zahl an Hardlinern rühren aus der Zeit, als das Trainer-Urgestein von den Fildern das ungeliebte Fusionsteam SG Frisch Auf Göppingen/Scharnhausen betreute. Über 20 Jahre später ist die große Mehrheit des traditionsbewussten grün-weißen Anhangs heilfroh, dass sich der anerkannte Handball-Experte zum Comeback entschlossen hat und mächtig Bewegung ins bisweilen etwas betriebsblinde Frisch-Auf-System bringt.

Auf dem Spielfeld hat Brack den Negativtrend gestoppt. Gegen potenzielle Kellerkinder hatte sein Vorgänger Magnus Andersson 4:6 Punkte geholt. Nach dem Trainerwechsel gab es gegen deutlich stärkere Gegner 5:7 Zähler, dazu den Einzug ins DHB-Pokal-Viertelfinale. „Die Entwicklung ist durchaus positiv“, sagt der Sportliche Leiter Christian Schöne. Und auch der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Weiß lobt vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (15 Uhr/Sky) gegen den SC Magdeburg: „Es geht langsam aufwärts.“ Vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, hat sich gewandelt und entspricht wieder dem vom Verein kommunizierten Leitbild mit den Attributen Emotionen, Herzblut, Leidenschaft. Mit einer Ausnahme: Das ernüchternde 32:38 gegen die Füchse Berlin zeigte, dass sich eine Mannschaft mit zum Teil nur mittelmäßigen Spielern nicht im Handumdrehen umbauen lässt, Verkrustungen nicht auf Knopfdruck zu lösen sind.

Brack sieht sich nicht als Feuerwehrmann

„Ich bin kein Feuerwehrmann, ich bin ein Langfrist-Trainer“, betont Brack. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, so lange hat der akademische Oberrat auch seine Tätigkeit an der Uni Stuttgart um 50 Prozent reduziert. Doch er brauche zwei bis drei Jahre, bis er ein Team nach seiner Spielidee entwickelt habe. Das zeigten auch seine Stationen TSV Scharnhausen (1984 bis 1994), VfL Pfullingen (1998 bis 2004) und HBW Balingen-Weilstetten (2004 bis 2013).

Die große Frage ist: Bekommt er in Göppingen die Zeit dafür? Will Frisch Auf mit ihm in eine neue Ära starten?

An Brack selbst würde es nicht scheitern. „Ohne Wenn und Aber, ich würde gerne weitermachen“, sagt er voller Entschlossenheit. Im Dezember wird er 64. Doch er sprüht vor Energie und Ideen. Und was sagen die Verantwortlichen bei Frisch Auf? Setzen sie auf den erfahrenen Fachmann, der auch unbequem ist, ungeschminkt seine Meinung sagt, der Typen braucht, die an ihre Grenzen gehen, bedingungslos nach Erfolgen jagen und die jede Niederlage persönlich nehmen? Oder entscheiden sie sich für eine andere Lösung – nach Velimir Petkovic (61), Andersson (51) und Brack etwa für einen jüngeren deutschen Trainer wie zum Beispiel Markus Gaugisch (43/vereinslos) oder Andre Haber (31/SC DHfK Leipzig)?

Trainer-Entscheidung erst Ende Dezember

Vor Ende Dezember werde keine Entscheidung fallen, meint Aufsichtsratschef Weiß: „Der Trainer muss sich bewähren, und er bekommt die Chance dazu.“ Und Schöne ergänzt: „Am Ende geht es immer um Ergebnisse, aber auch um die Frage, wie stellt sich der Verein künftig strategisch auf.“ Was er damit sagen will: Es ergibt wenig Sinn, den Vertrag mit Brack nur um ein Jahr zu verlängern, um danach womöglich wieder etwas ganz Neues zu machen. Es geht darum, mit Weitblick zu entscheiden, wem die Schlüsselrolle zukommt, Frisch Auf in die Zukunft zu führen und dem Traditionsclub neue Leuchtkraft zu verschaffen.

Dies wäre auch möglich mit einem Rolf Brack als Sportdirektor, doch das hält er selbst für weniger zielführend: Er verweist nach 35 Jahren Erfahrung im Trainergeschäft auf seine Stärken in der Trainings- und Wettkampfsteuerung. Der finanzielle Aspekt kommt hinzu: Wie ließe es sich mit dem schwäbischen Hang zum Sparen vereinbaren, neben einem Sportlichen Leiter (mit Schönes Arbeit ist der Verein zufrieden), einem neuen Toptrainer auch noch Brack zu bezahlen? Zumal es derzeit nicht einmal für einen Co-Trainer reicht und die erst kürzlich vereinbarte Zusammenarbeit mit Torwart-Trainer Aleksandr Vorontsov aufgrund unterschiedlicher Philosophien schon wieder beendet wurde. Es gibt viele Fragen. Die wichtigste sollte Frisch Auf nicht zu spät beantworten: Denn am Saisonende läuft nicht nur der Kontrakt des Trainers aus, sondern es enden auch sieben Spielerverträge.

Unsere Empfehlung für Sie