Frisch-Auf-Rechtsaußen in Form Marco Rentschler – das Stehaufmännchen

Von Jürgen Frey 

Fünf Tore beim Sieg in Stuttgart, neun beim 26:25-Krimi gegen den SC DHfK Leipzig: Marco Rentschler hat sich bei Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen gut entwickelt – in Abwehr und Angriff.

Treffsicher: Marco Rentschler wirft eines seiner neun Tore für Frisch Auf im Bundesliga-Duell mit dem SC DHfK Leipzig. Foto: Baumann
Treffsicher: Marco Rentschler wirft eines seiner neun Tore für Frisch Auf im Bundesliga-Duell mit dem SC DHfK Leipzig. Foto: Baumann

Göppingen - Marco Rentschler kommt an diesem Abend als letzter Spieler frisch geduscht aus der Kabine. Es ist schon nach 23 Uhr, und der Rechtsaußen des Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen muss sich sputen, damit er im Vip-Raum der EWS-Arena noch etwas zu essen bekommt. Seinen Torhunger hatte er schon davor gestillt: Neun Treffer (davon drei Siebenmeter) erzielte der Linkshänder im unterhaltsamen Bundesligakrimi gegen den SC DHfK Leipzig. Dazu zeigte er in der Deckung eine klasse Leistung. Da musste der 21-Jährige nach dem 26:25(15:11)-Sieg vor den 4400 Zuschauern in der EWS-Arena nicht lange überlegen: „Ja, das war mein bestes Spiel im Frisch-Auf-Dress.“

Pechsträhne nach Wechsel zu Frisch Auf

Vor der Saison 2015/16 war der Linkshänder von der SG BBM Bietigheim nach Göppingen gekommen. Noch bei seinem Heimatverein (wo sein älterer Bruder Patrick immer noch in der zweiten Liga am Ball ist) hatte er sich im März 2015 einen Meniskusriss im rechten Knie zugezogen. Kaum genesen, erwischte es ihn bei Frisch Auf mitten in der Vorbereitung im August 2015 noch schlimmer: Kreuzbandriss im gleichen Knie. Rentschler schuftete in der Reha in Donaustauf, kämpfte sich zurück und absolvierte im April 2016 sein erstes Pflichtspiel für seinen neuen Club. Gleich im zweiten passierte jedoch das nächste Malheur: Im EHF-Pokal-Viertelfinale gegen den SC Magdeburg stoppte ihn ein Muskelfaserriss im Oberschenkel. Die Saison war gelaufen.

Seit fünf, sechs Wochen befindet sich das Stehaufmännchen wieder voll im Saft. „Marco hatte so viel Pech mit Verletzungen. Seit er fit ist, hat er sich unheimlich gut entwickelt in Angriff und Abwehr“, lobt ihn Trainer Magnus Andersson. Gegen Leipzig war Rentschler nicht zu halten. Vor der Pause bestach er durch eine 100-Prozent-Quote: Fünf Würfe, fünf Treffer. „Wir bekamen Rentschler nicht in den Griff“, sagte Leipzigs Coach Christian Prokop, der in Göppingen jegliches Statement zu seinem möglichen Bundestraineramt ablehnte. Und nach der Halbzeit spricht es für Rentschlers Nervenstärke, dass er beim 23:24-Rückstand (nach 20:15-Führung) mit zwei Toren in Serie wieder für die Wende sorgte und die Weichen auf den fünften Pflichtspielsieg hintereinander stellte – obwohl er davor auch dreimal verworfen hatte.

Alles deutet auf eine Vetragsverlängerung hin

Alles deutet nun darauf hin, dass der am Saisonende auslaufende Vertrag mit Marco Rentschler verlängert wird. „Wir befinden uns in guten Gesprächen, Frisch Auf ist mein erster Ansprechpartner, aber man muss grundsätzlich auch immer einen Plan B haben“, sagt der Rechtsaußen, der im neuen Jahr sein BWL-Studium an einer Fernuni fortsetzen will. Göppingens bisheriger Stammrechtsaußen Anton Halen besitzt noch einen Vertrag bis 2018. Allerdings kann der Schwede und der Verein den Kontrakt mittels Option bis zum 15. Dezember um ein Jahr verkürzen.

Halen hatte zuletzt keine gute Quote. Bei Rentschler läuft es. Vor seinem Neun-Tore-Auftritt gegen Leipzig hatte er drei Tage zuvor in Stuttgart fünfmal getroffen. Dass bei beiden Gegnern die Bundestrainer-Kandidaten auf der Bank saßen – damit wurde Rentschler beim Fan-Talk in der Halle konfrontiert. Und musste Schmunzeln. Die Nationalmannschaft ist nun wahrlich kein Thema. Er will zunächst einmal nur eines: Gesund bleiben.